"Zeit für einen Generationenwechsel"

Er galt als eines der größten deutschen Triathlon-Talente, doch der Umstieg von der Junioren- in die Eliteklasse erforderte auch von Gregor Buchholz viel Geduld und Selbstreflexion. Vor dem Saisonauftakt in Auckland sieht sich der Potsdamer auf einem guten Weg in die Weltspitze. tri-mag.de hat kurz vor dem Abflug mit Buchholz gesprochen.

Von > | 27. März 2013 | Aus: SZENE

Gregor Buchholz | Gregor Buchholz beim Lauftraining im DTU-Camp auf Mallorca

Gregor Buchholz beim Lauftraining im DTU-Camp auf Mallorca

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Für eine professionelle Triathlonkarriere hat sich Gregor Buchholz schon nach dem Abitur 2006 entschieden. Die Bestätigung ließ nicht lange auf sich warten: U23-Weltmeister vor heimischem Publikum in Hamburg 2007, Zweiter hinter Alistair Brownlee 2008 – doch dann wurde es schwierig. Nach Jahren des Herankämpfens an die Weltspitze hat sich Buchholz 2012 in der World Triathlon Series etabliert – dachte nach einem völlig verkorksten Olympiaqualifikationsrennen in Madrid im Mai (41. mit sechs Minuten Rückstand) aber sogar bereits ans Aufhören. Er hat sich aufgerafft und mit Platz fünf beim Grand Final in Auckland den Anschluss geschafft. Diesen Weg will der Potsdamer weiter verfolgen. Bis nach Rio de Janeiro.

Gregor Buchholz, am Freitag noch auf Mallorca, am Mittowch schon im Flieger nach Auckland. Ist so ein Fünf-Tage-Heimaufenthalt mehr Stress als Genuss?
Es ist nach zwei direkt aufeinanderfolgenden Trainingslagern schon stressig – allein die Wascherei, die da angefallen ist! Für mich ging es sogar schon am Dienstagabend los, weil ich dann aus dem Olympiastützpunkt in Saarbrücken nach Frankfurt gefahren bin, um am Mittwoch schneller am Flughafen zu sein.

Entwickelt sich eigentlich irgendwann ein Lagerkoller, wenn Profis ständig unter sich sind?
In Neuseeland bin ich jetzt ja unter anderem mit Franz Löschke und Sebastian Rank – und das sind zwei, die ich zumindest in Deutschland gar nicht so häufig sehe, weil Franz in Potsdam, Sebastian in Rostock trainiert. So ein bisschen Koller gibt's allerdings immer. Aber daran sind wir gewohnt. Das ist an sich nichts anderes als in den vergangenen Jahren. Auch 2012 war ich an zwei von drei Tagen im Jahr nicht zuhause.

Im vergangenen Jahr haben Sie auch Ihre extremste Saison erlebt: Erst der Tiefpunkt mit Platz 41 bei der Olympiaqualifikation in Madrid, dann der Höhepunkt mit Rang fünf im Grand Final in Auckland. Wie bewerten Sie das Jahr im Nachhinein?
Das Rennen in Madrid war das frustrierendste Erlebnis in meiner Karriere. Nach dem Wettkampf habe ich mich ernsthaft gefragt, ob das mit dem Sport noch einen Sinn hat. Ich habe lange und viel nachgedacht, überlegt, dann habe ich mich hingesetzt und eine Liste geschrieben: Was sind meine Stärken, was meine Schwächen? Am Ende kam ich zu dem Schluss, dass sich unbedingt etwas ändern muss. So konnte es nicht weitergehen.

Gregor Buchholz | Ein Stein fällt vom Herzen: Gregor Buchholz wird in Auckland hinter Steffen Justus Fünfter.

Ein Stein fällt vom Herzen: Gregor Buchholz wird in Auckland hinter Steffen Justus Fünfter.

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Was haben Sie geändert?
Am Wichtigsten war, dass ich einen größeren Teil meines Trainings auf das Rad verlagert habe. Ich bin ein Typ, der darauf gut anzusprechen scheint – und orthopädisch ist es gegenüber dem Laufen auch eine Entlastung. Im Laufe der Saison kam ich danach plötzlich immer besser in Schwung. Und nachdem ich mir jahrelang die Zähne an den Top-Ten ausgebissen hatte, war ich mit dem fünften Platz in Auckland dann zum ersten Mal an dem Punkt angekommen, an dem ich wusste: Ich bin nicht nur ein Träumer. Es geht wirklich.

War das auch ein Grund, warum Sie zur neuen Saison den Trainer gewechselt haben – von Wolfram Bott zu Wolfgang Thiel?
Die Umstellungen habe ich gemeinsam mit Wolfram Bott vorgenommen, der Wechsel kam danach zustande. Es hatte sich abgezeichnet, dass sich Wolfram etwas umorientiert, ein Stück weg von der DTU. Er trainierte ja bereits Nils Frommhold, nun auch die Raelert-Brüder. Mir war wichtig, einen Trainer zu haben, der die Ressourcen hat, mir höchste Priorität einräumen zu können. Das ging nicht mehr, trotzdem bin ich ihm sehr dankbar.

Ihr Schwachpunkt war in der Vergangenheit allerdings das Schwimmen. War das folglich der Arbeitsschwerpunkt in der Saisonvorbereitung?
In den letzten Wochen habe ich wieder vor allem auf dem Rad gearbeitet. Das Schwimmen war schwerpunktmäßig im Dezember und Januar dran. Mit meinem neuen Schwimmtrainer Hannes Vitense habe ich die Technik etwas umgestellt, das muss sich nun verstetigen. So werde ich dieses Jahr wohl weiter kämpfen müssen, den Rückstand gering zu halten.

Sie sind mit Ihren Probleme keine Ausnahme. Es ist auffällig, wie lange viele Männer brauchen, bis Sie in der WM-Serie im Schwimmen richtig mithalten.
Das stimmt. Selbst Athleten, die in Junioren-Jahren starke Schwimmer waren, kommen in der WM-Serie mitunter nicht direkt mit. Viele schwimmen erst mit fortgeschrittenem Alter und wachsenden Erfahrungen wirklich konstant in der Spitze. Die Leistungsdichte in der Serie ergibt einfach eine ungewohnte Situation: Statt zwei sind plötzlich acht, neun Leute auf dem gleichen Leistungslevel neben, unter und über Dir. Das versuchen wir im Training zu simulieren. Und: Man kann im Pool noch so gut sein – darf das Freiwasser aber auf keinen Fall vernachlässigen.

Gregor Buchholz | Bereit für den Generationenwechsel: Gregor Buchholz hat den Anschluss an die Weltspitze geschafft.

Bereit für den Generationenwechsel: Gregor Buchholz hat den Anschluss an die Weltspitze geschafft.

Foto >Fabian Fiedler

Mit welchen Zielen reisen Sie nun nach Auckland?
Ich habe zwar gut trainiert, aber man weiß vor Saisonbeginn einfach nie, wo man wirklich gerade steht. Viel wird vom Rennverlauf abhängen: Auch im vergangenen Jahr hatten wir auf der Radstrecke zwischenzeitlich großen Rückstand. Dass wir damals noch ranfahren konnten, war zum Teil auch etwas glücklich. Der anspruchsvolle Radkurs kommt mir allerdings schon eher entgegen.

Und wenn wir über den WM-Auftakt hinaus blicken?
Ich picke mir kein einzelnes Rennen raus, bei dem ich ganz vorne dabei sein muss. Ich will mich weiter in der Spitze etablieren und spätestens zu den Olympischen Spielen in Rio endgültig aufgeschlossen haben. Am Schwimmen werde ich aber wahrscheinlich auch bis ins Jahr 2016 hinein noch verstärkt arbeiten müssen. Allerdings habe ich mit dem fünften Rang im Finalrennen Blut geleckt. Ich will in der Serie das Bestmögliche raus holen. Es ist ja auch so, dass wir uns im nacholympischen Jahr empfinden, Vieles ist im Umbruch. Maik Petzold hört bald auf, Frodo orientiert sich um. Ich denke, es könnte jetzt an der Zeit für einen Generationenwechsel sein.