Zurück in die Zukunft?

In einem Jahr werden in London die Olympischen Spiele eröffnet, in zehn Tagen an gleicher Stelle die ersten Startplätze für den Triathlon vergeben. Auch Vanessa Fernandes liebäugelt mit einer Rückkehr in den Sport und zu den Spielen. Portugal setzt auf seine Vorzeigeathletin.

Von > | 27. Juli 2011 | Aus: SZENE

Vanessa Fernandes | Silber für Portugal: Vanessa Fernandes

Silber für Portugal: Vanessa Fernandes

Foto >Frank Wechsel / spomedis

"Eine glänzende Zukunft liegt vor dieser vielversprechenden Triathletin" - so lautet der letzte Satz im Athletenportrait der International Triathlon Union (ITU) über Vanessa Fernandes. Eigentlich eine veraltete Einschätzung. Der Satz stammt aus dem Jahre 2005, als die Portugiesin gerade 20 Jahre alt wurde und ihre ersten Erfolge im Welt- und Europacup feiern konnte. Und tatsächlich erkämpfte das Ausnahmetalent große Erfolge: Sie wurde Welt- und insgesamt fünf Mal Europameisterin, gewann zwischen 2005 und 2008 unter anderem 16 der 19 Weltcup-Rennen, bei denen sie an den Start ging. Bei den Olympischen Spielen in Athen lief sie als 19-Jährige auf den achten Platz, 2008 holte sie in Peking Silber - hinter der Australierin Emma Snowsill.

Erster Schritt zum Comeback?

Doch nach Jahren auf der Überholspur folgte der Zusammenbruch. Nichts klappte mehr bei der jungen Portugiesin, von Achillessehnenproblemen geplagt kam sie 2009 bei keinem ihrer drei Starts in der World Championship Series ins Ziel. 2010 bäumte sie sich noch einmal kurz auf, gewann nach einem Schlüsselbeinbruch den Europacup im heimischen Quarteira und wurde Zehnte beim WM-Rennen in Madrid. Anfang dieses Jahres, lange, nachdem sie ohnehin aus der Triathlonszene verschwunden war, verkündete sie dann, eine Auszeit nehmen zu wollen - "aus gesundheitlichen Gründen". "Aus persönlichen Gründen", schrieb dagegen eine portugiesische Zeitung. Demnach soll Fernandes wohl auch unter psychischen Problemen gelitten haben.

Nun, genau ein Jahr vor den Olympischen Spielen in London, scheint die Auszeit der mittlerweile 26-Jährigen beendet. Am Wochenende gab sie bei einem Sprinttriathlon im portugiesischen Abrantes ihr Comeback, gewann in alter Manier, nachdem sie nach dem Schwimmen und Radfahren noch über zwei Minuten zurückgelegen hatte. Schon früher lagen Fernandes' Stärken vor allem beim Laufen. "Der Sieg interessiert mich am allerwenigsten", sagte sie danach der Zeitung "Correio da Manhã". Sie habe nur sehen wollen, wie sie sich dabei fühle. "Und ich habe mich gut gefühlt", beantwortete sie die Frage gleich selbst.

Mensch, nicht Athlet

Das Portugiesische Olympische Komitee (COP) scheint auf eine baldige Rückkehr Fernandes' auf die große Bühne zu setzen. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte COP-Präsident José Vicente de Moura einer portugiesischen Nachrichtenagentur. Allerdings stehe im Falle von Vanessa Fernandes nicht der sportliche Erfolg im Mittelpunkt. "Der Mensch steht im Vordergrund, nicht die Sportlerin", sagt Moura. Derzeit stehen dem Verband aber nur drei Startplätze für das Männerrennen von London zu, die Frauen hinken weit hinter den Olympiaplätzen her - momentan gibt es keine Portugiesin, die überhaupt in der WM-Serie an den Start geht. Kein Wunder, dass sich der nationale Verband nach der Rückkehr seiner erfolgreichsten Athletin sehnt - am liebsten wieder mit einem Blitzstart. Für eine glänzende Zukunft. Schon in einem Jahr.