Aernouts entwischt Böcherer, Hütthaler wieder vorn

Bart Aernouts hat die vom Wettergott verfluchte siebte Auflage des Ironman 70.3 Austria in St. Pölten gewonnen. Der Belgier wehrte sich auf dem Rad erfolgreich gegen Andreas Böcherer und setzte beim Laufen die entscheidende Attacke. Im Duell Hütthaler gegen Van Vlerken baute die Österreicherin ihre Führung aus.

Von > | 26. Mai 2013 | Aus: SZENE

2013_IMSP_BartAernouts2_HQ | Top3 Männer Ironman 70.3 Austria

Top3 Männer Ironman 70.3 Austria

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Die Veranstalter werden das verflixte siebte Jahr des Ironman 70.3 Austria sicher noch lange in Erinnerung behalten. Genau wie die Athleten, die erst am Tag vor dem Rennen erfuhren, dass es anstelle eines Triathlons, auf sich alle vorbereitet und eingestellt hatten, nur einen Bike&Run-Wettkampf geben werde. Unangenehme 16 Grad zeigte das Thermometer nach der letzten Messung im Ratzersdorfer See, lausige sieben Grad Lufttemperatur und Windgeschwindigkeiten bis 50 km/h mit Böen sagten die Meteorologen für den Rennmorgen voraus. Eine Kombination, die dem östereichischen Renndirektor Jürgen Gleiss keine Wahl ließ. Er verschob den Profistart um eine halbe Stunde - auf 7.30 Uhr. In kleinen Gruppen sollten danach auch alle Ageggrouper auf die nun nur noch 111 Kilometer durch das Mostviertel geschickt werden.

Böcherer macht die Lokomotive

Auf Socken oder in Radschuhen, mit Armlingen, Handschuhen und Mützen unterm Helm wurden zunächst die Profimänner um Dreifachsieger Filip Ospaly, den Spanier Eneko Llanos, Bart Aernouts aus Belgien und den Deutschen Andreas Böcherer auf die Reise durchs Mostviertel geschickt. Der Freiburger hielt sich danach auch gar nicht lang mit taktischen Spielchen auf. Seinem hohen Anfangstempo konnten neben Aernouts und Llanos nur Dorian Wagner und der Österreicher Georg Swoboda folgen. Titelverteidiger Ospaly lag schon nach 25 Kilometern fast aussichtslos Minuten zurück. Und Böcherer drückte vorn weiter aufs Gaspedal. Wagner und Swoboda mussten bei Halbzeit passen, nach gut 60 Kilometern zog die Lokomotive aus dem Schwarzwald nur noch zwei Wagen hinter sich her. Einen, nämlich Llanos, hängte er kurz darauf auch noch ab, sodass sich nach gut zwei Rennstunden ein Laufduell zwischen Aernouts und Böcherer anbahnte. Auf den ersten sechs Kilometern entlang des Flüsschens Traisen schenkte keiner der beiden auch nur einen Meter ab. Erst nach etwas mehr als der Hälfte des Halbmarathons schaffte es der Belgier, dem Deutschen einige Meter zu enteilen. Eine Lücke, die Böcherer bis ins Ziel nicht wieder schließen konnte. Doch was war mit Llanos?

Ironman 70.3 Austria 2013 | Top-Trio: Sieger Bart Aernouts mit Andreas Böcherer und Eneko Llanos.

Top-Trio: Sieger Bart Aernouts mit Andreas Böcherer und Eneko Llanos.

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Der Spanier hatte erst vor zwei Wochen auf Mallorca einen überragenden Halbmarathon hingelegt. Allerdings schienen ihm - wie wahrscheinlich allen Teilnehmern - die alles andere als sommerlichen Temperaturen überhaupt nicht zu behagen. Statt Zeit gutzumachen, büßte der Baske sogar Sekunden auf die Führenden ein. Aernouts schnappte sich nach knapp dreieinhalb Stunden nicht nur die Tagesbestzeit beim Laufen, sondern zugleich den sechsten Sieg in seinem neunten 70.3-Rennen. Andreas Böcherer verbesserte sich nach Platz drei beim Ironman 70.3 Oceanside um einen Rang und dürfte vor allem wegen der starken Laufleistung zuversichtlich in die nächsten Aufgaben gehen. Llanos tröstete sich mit dem dritten Platz - nach den Siegen in Melbourne und auf Mallorca sicher kein Beinbruch für den Spanier. Der geschlagene Ospaly gab seinen Titel am Ende zumindest nicht ganz kampflos her: Mit dem zweitschnellsten Halbmarathon schaffte es der Tscheche aber nur noch auf den elften Gesamtrang.

Ironman 70.3 Austria | Männer

  1. Mai 2013, St. Pölten (AUT)

Name

Nation

Gesamt

90 km Bike

21,1 km Run

1

Bart Aernouts

BEL

3:22:35

2:11:13

1:09:18

2

Andreas Böcherer

GER

3:24:45

2:10:57

1:11:24

3

Eneko Llanos

ESP

3:26:44

2:12:49

1:11:41

4

Dorian Wagner

GER

3:31:59

2:16:30

1:13:14

5

Ruedi Wild

SUI

3:33:23

2:20:36

1:10:07

6

Rinalds Sluckis

LVA

3:34:48

2:18:41

1:13:47

7

Reto Stutz

SUI

3:35:30

2:13:03

1:18:25

8

Sebastian Guhr

GER

3:36:27

2:18:00

1:15:57

9

Matthias Knossalla

GER

3:36:40

2:17:42

1:16:16

10

Bart Colpaert

BEL

3:38:30

2:23:31

1:12:44

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Heimsieg für Hütthaler

Im Rennen der Frauen hatten sich im Vorfeld die meisten auf die Neuauflage des Duells zwischen Yvonne van Vlerken und Lisa Hütthaler eingestellt. Und nach den ersten 25 Radkilometern schien sich diese Prognose auch zu bestätigen. Mehr als eine Minute lag das Duo da schon vor den ersten Verfolgerinnen, Anja Beranek und Eva Nyström (SWE). Titelverteidigerin Julia Gajer musste - ähnlich wie Ospaly - früh abreißen lassen. 30 Kilometer vor dem einzigen Wechsel des Tages lagen immer noch 90 Sekunden zwischen dem Führungsduo und seinen Jägerinnen. Beranek und Nyström hatten dort inzwischen Verstärkung von der Österreicherin Eva Wutti bekommen. Auch Sonja Tajsich lag zumindest noch in Schlagdistanz zum Podium. In der Wechselzone dann das gleiche Bild wie auf Mallorca: Hütthaler und Van Vlerken Seite an Seite. Zweieinhalb Minuten dahinter Beranek, dann Wutti und Nyström.

Ironman 70.3 Austria | Van Vlerken, Hütthaler und Nyström mit Renndirektor Jürgen Gleiss (rechts)

Van Vlerken, Hütthaler und Nyström mit Renndirektor Jürgen Gleiss (rechts)

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Vorn versuchte es die Niederländerin mit der gleichen Taktik, mit der sie beim Ironman 70.3 Mallorca gescheitert war. Doch mehr als 15 Sekunden ließ Hütthaler ihre Konkurrentin dieses Mal nicht davonziehen. Eine Tempoverschärfung zwischen Kilometer zehn und 15 reichte ihr schließlich, um das Duell gegen Van Vlerken erneut für sich zu entscheiden. Zugleich bescherte sie den Zuschauern in der Tennis-Arena von St. Pölten damit den ersten Gastgebersieg in der siebenjährigen Renngeschichte. Van Vlerken musste schließlich sogar noch der  Schwedin Eva Nyström den zweiten Platz überlassen. Die Skandinavierin war aufgrund des Wellenstarts später ins Rennen gegangen - ein direktes Duell auf der Zielgerade gab es deshalb nicht. Mit einer überzeugenden Leistung gelang Sonja Tajsich noch der Sprung auf Platz vier, Julia Gajer wird zumindest mit ihrer Laufleistung - der besten des Tages - zufrieden sein. Die Vorjahressiegerin wurde Fünfte. Anja Beranek kam trotz guter Radperformance am Ende nicht über den siebten Platz hinaus.

Ironman 70.3 Austria | Frauen

  1. Mai 2013, St. Pölten (AUT)

Name

Nation

Gesamt

90 km Bike

21,1 km Run

1

Lisa Hütthaler

AUT

3:49:55

2:26:32

1:21:00

2

Eva Nyström

SWE

3:51:30

2:29:21

1:19:35

3

Yvonne van Vlerken

NED

3:51:35

2:26:37

1:22:39

4

Sonja Tajsich

GER

3:56:27

2:30:47

1:22:54

5

Julia Gajer

GER

3:57:00

2:34:53

1:19:31

6

Lucy Gossage

GBR

3:57:40

2:32:51

1:22:26

7

Anja Beranek

GER

3:57:46

2:28:54

1:26:19

8

Holly Lawrence

GBR

4:01:40

2:33:21

1:26:00

9

Daniela Ryf

SUI

4:02:50

2:37:21

1:22:31

10

Sophie de Groote

BEL

4:03:49

2:35:45

1:25:10

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