Alle Frauen jagen "Angry Bird" Daniela Ryf

Dass die Schweizerin Daniela Ryf bei der Ironman-70.3-WM in Zell am See eine starke Show abliefern wird, ist (fast) so sicher wie das Bankgeheimnis in ihrem Land. Läuft bei Ryf alles glatt, geht es beim Rennen der Frauen am 30. August für die Konkurrenz wohl nur noch um Rang zwei.

Von > | 27. August 2015 | Aus: SZENE

Daniela Ryf | Daniela Ryf

Daniela Ryf

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Drei Monate hat Ryf zuletzt in der Höhe von St. Moritz verbracht. Die lange Trainingszeit mit Coach Brett Sutton brachte sie bei der Anreise nach Zell am See in Bedrängnis: Die 28-Jährige hatte so viel Material dabei, dass die Zollbeamten sie an der Grenze kurzzeitig des Fahrradschmuggels verdächtigten. Doch nicht nur in Sachen Material ist die aktuell erfolgreichste Mitteldistanz-Triathletin offenbar top vorbereitet auf die 70.3-WM, auch in Sachen Training lief zuletzt alles rund. Wurde Ryf, Spitzname "Angry Bird", im Rennen vor einem Jahr in Mont Tremblant schon ihrer Favoritenrolle gerecht, hat sie ihre Leistungen in dieser Saison noch weiter ausbauen können.

Ist der Berg auch noch so steil, a bisserl was geht allerweil

In Zell am See trifft die Titelverteidigerin auf starke und prominente Konkurrenz. Das sind vor allem Camilla Pedersen (DEN) Jodie Swallow, Leanda Cave (beide GBR) und die Deutschen Julia Gajer und Anja Beranek. Und auch Eva Wutti (AUT) könnte bei ihrem Heimrennen aufdrehen und wie beim Ironman Austria für eine Überraschung sorgen. Mit der deutschen Konkurrenz hatte sich Ryf schon früh im Jahr gemessen, sowohl Gajer als auch Beranek ließ die Schweizerin beim Ironman 70.3 Mallorca und der Challenge Fuerteventura stehen - mit deutlichem Abstand. Nach einer verletzungsbedingten Absage fällt mit Laura Philipp eine starke deutsche Athletin aus, die Ryf auf der Radstrecke hätte unter Druck setzen können. Auf dem Podium in Zell am See werden vor allem starke Radfahrerinnen erwartet, die nach dem harten Auf-und-Ab noch genug Power für einen zügigen Halbmarathon haben.

Berichterstattung
Ironman bietet am Renntag eine Live-Übertragung auf www.ironman.com an.
Im österreichischen Fernsehen zeigt der Fernsehsender ORF Sport+ von 10:35 bis 15:55 Uhr das Rennen, zusätzlich berichtet ORF 1 live ab 10:45 Uhr und zeigt um 19:15 Uhr eine 40-minütige Zusammenfassung.

Sparen für Kona

Allerdings ist beim Frauenrennen die Situation ähnlich vertrackt wie bei den Männern: Die stärksten Favoriten sind nicht nur am Zeller See am Start, sondern auch für Hawaii qualifiziert. Ryf, Gajer, Beranek, Wutti, Cave, Swallow und Pedersen - wer auf das Hawaii-Podium hofft, wird auf dem Radkurs mit fast 1.300 Höhenmetern und einem langen, einsamen Anstieg nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich riskieren. "Nur net hudln", wie der Österreicher sagt, und womöglich eine Verletzung riskieren. Einzig die Tschechin Radka Vodickova, im letzten Jahr WM-Sechste, und die radstarke Beranek können als Nicht-Hawaii-Qualifizierte größeres Risiko eingehen.

Beranek hat bei der Challenge Roth zuletzt gezeigt, dass sie mit hügeligen Strecken exzellent zurecht kommt, wird sich aber anschließend beim Laufen festbeißen müssen, um den Anschluss an Ryf, Cave und Gajer halten zu können. Genug Erfahrung darin, sich das schwere Rennen mit Top-Besetzung sinnvoll einzuteilen, haben alle Favoritinnen - Pedersen, Swallow und Gajer, in dieser Saison so stark wie noch nie, vielleicht noch ein bisschen mehr.

Ironman-70.3-WM 2014 - Das Rennen -28 | Heather Wurtele, Daniela Ryf und Jodie Swallow (von links) - so sah das Podium der Ironman-70.3-WM im letzten Jahr aus. Theoretisch ist die Kombination in diesem Jahr wieder möglich.

Heather Wurtele, Daniela Ryf und Jodie Swallow (von links) - so sah das Podium der Ironman-70.3-WM im letzten Jahr aus. Theoretisch ist die Kombination in diesem Jahr wieder möglich.

Foto >Silke Insel / spomedis

Zell am See feiert

Die erste Ironman-70.3-Weltmeisterschaft in Europa, nach Mont Tremblant 2014 erst die zweite WM außerhalb der USA, scheint in der Region gut anzukommen. Athleten und Zuschauer erwarten vor Ort ein abwechslungsreiches Programm: Neben den Iron-Girl- und Iron-Kids-Rennen am Donnerstag und Freitag gibt es am Freitagmorgen ein letztes Probeschwimmen im Zeller See (7 bis 11 Uhr) mit Neoprentest. Am Abend folgt von 17 bis 18 Uhr die Parade der Nationen und von 22 bis 22:30 Uhr die "Magic Lake Show". Am Samstag starten die Athleten beim Ironman 70.3 Zell am See, am Sonntag folgt dann die WM der Profis auf derselben Strecke. Abgeschlossen wird das Wochenende mit einem großen Dinner, Feuerwerk und Abschiedsparty.