Andreas Böcherer: "Ich hatte Bock darauf, ein bisschen zu zündeln"

Andreas Böcherer war mit breiter Brust und optimistisch in den Kraichgau gekommen. Am Ende lieferte sich der Freiburger ein hochklassiges Duell mit Sebastian Kienle. Zum Sieg hat es letztlich nicht gereicht. tri-mag.de hat kurz nach dem Rennen mit ihm gesprochen.

Von > | 9. Juni 2015 | Aus: SZENE

Ironman 70.3 Kraichgau - Andreas Böcherer | Andi Böcherer - Ironman 70.3 Kraichgau

Andi Böcherer - Ironman 70.3 Kraichgau

Foto >Jan Sägert / spomedis

Andreas Böcherer, war das der Super-Sahne-Raketen-Tag des Sebastian Kienle, von dem Sie vor dem Rennen gesprochen haben?
Das hoffe ich. Sonst möchte ich gar nicht wissen, was an einem Super-Sahne-Raketen-Tag passiert.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Leistung?
Es war ein gutes Rennen von mir und ich will auch gar keine Entschuldigungen vorbringen. Das war das, was ich drauf habe. Ich habe beim Radfahren versucht, dagegen zu halten. Das hat ja auch 70 Kilometer lang geklappt. Für den Spaß musste ich dann hintenraus ein bisschen büßen. Auf der anderen Seite bin ich nicht der Typ, der hier antritt, um Zweiter zu werden. Ich hätte ja auch vorher sagen können: ich fahre mein Tempo durch, werde Zweiter. Fertig. Ich habe aber mehr Bock darauf, zu zündeln und mir die Finger zu verbrennen. Sonst lernt man ja auch nichts.

Wie haben Sie die 70 Radkilometer mit Sebastian Kienle erlebt?
Er hat nach 30 Kilometern zum ersten Mal ein größeres Loch gerissen. Dann ist ihm aber am Berg die Kette runtergefallen. Das war dann meine zweite Chance, mich festzubeißen. Ansonsten kennt er die Strecke einfach extrem gut. Er wusste ganz genau, wo er seine Energie investieren muss. Das war schon ziemlich beeindruckend. Ich denke, dass er irgendwann gemerkt hat, dass er in den flachen Wellen mehr Kraft und die bessere Aerodynamik hat. Nachdem ich dann zum zehnten Mal eine Lücke zugefahren hatte, war Ende. Wenn der Gegner dann einmal außer Sichtweite ist, wird es natürlich verdammt schwer.

Bis zum Wechsel haben Sie dann noch knapp zwei Minuten verloren. War das Rennen an dieser Stelle schon verloren?
Ich weiß, dass ich an einem Supertag maximal das laufen kann, was Sebastian gelaufen ist. Aber auch das nur mit Gewalt. Wenn er dann schon eineinhalb Minuten Vorsprung hat, und ich schon angeschlagen bin, macht es keinen Sinn, es mit Gewalt zu versuchen. Nachdem ich die ersten drei Kilometer wie ein angezählter Boxer rumgerannt bin, habe ich dann zumindest noch meine normale Laufform gefunden.

Was nehmen Sie sonst noch mit aus diesem Rennen - vor allem im Hinblick auf den Ironman in Frankfurt?
Ich muss im Flachen noch ein bisschen arbeiten. Außerdem nehme ich mit, dass es kein Problem ist, 21 Kilometer ein bisschen angeknockt zu laufen. Es war mir schon auch eine Lehre für Frankfurt, hier hintenraus nicht den Hallodri zu machen und dann auf die Fresse zu fliegen. Bei einem Marathon läuft man dann eben nicht drei oder vier Minuten langsamer, sondern kommt eventuell gar nicht an. Deshalb war das Rennen wirklich gut, um meine Leistungsfähigkeit eingeordnet zu kriegen.