Andreas Böcherer: „Ich werde fahren, als wäre der Teufel hinter mir her“

Nach seinen beiden Siegen in Aix en Provence und St. Pölten ist Andreas Böcherer auch beim Ironman 70.3 Kraichgau in die Favoritenrolle geschlüpft. Wie er Sebastian Kienle schlagen will und was er am 5. Juli in Frankfurt vorhat, hat uns der Freiburger vor dem Rennen im Interview verraten.

Von > | 6. Juni 2015 | Aus: SZENE

Andreas Böcherer | Andreas Böcherer vor dem Ironman 70.3 Kraichgau

Andreas Böcherer vor dem Ironman 70.3 Kraichgau

Foto >Jan Sägert / spomedis

Andreas Böcherer, Sie wohnen nur 150 Kilometer von hier entfernt und sind trotzdem noch nie im Kraichgau am Start gewesen. Wie finden Sie die Strecke?
Ich bin sie einmal mit dem Rad und einmal mit dem Auto abgefahren. Anspruchsvoll, würde ich sagen. Die Hügel verteilen sich recht gleichmäßig. Deshalb denke ich, dass sich viel auf den letzten 30 Kilometern entscheiden wird. Man muss auf jeden Fall ein kompletter Radfahrer sein. Das kommt Sebastian und mir natürlich entgegen.

Was glauben Sie, wie viel Vorsprung Sie herausschwimmen müssen, um Sebastian Kienle zu schlagen?
Schwer zu sagen. Es kann sein, dass eine Minute reicht, es kann aber auch sein, dass fünf Minuten zu wenig sind. Wenn Sebastian seinen Super-Sahne-Raketen-Tag hat, wird es schwer, ihn aufzuhalten. Fährt er wie ein Normalsterblicher könnte eine Minute Vorsprung reichen.

Sie haben zuletzt die 70.3-Rennen in Aix en Provence und St. Pölten gewonnen. Wie schätzen Sie aktuell Ihre Form ein?
Manchmal machen einen die 70.3-Rennen ja eher ein bisschen müde. Mir haben sie aber noch mal einen Schliff gegeben. Das Training hat gerade nach dem Sieg in St. Pölten noch einmal richtig gezündet. Deshalb bin ich sehr selbstbewusst, aber auch entspannt, weil ich schon einige Punkte für das Kona Ranking sammeln konnte. Da kann erstmal keiner meckern. Ich bin heiß und will sehen, wo ich stehe – vor allem gegenüber Sebastian.

Werden Sie das Rennen ähnlich offensiv angehen wie bei ihren beiden Siegen in Frankreich und Österreich?
Natürlich. Man braucht auf Sebastian nicht warten. Wenn er einmal da ist, ist es zu Ende. Ich werde fahren, als wäre der Teufel hinter mir her. Dann muss man sehen, wer den besseren Tag erwischt. Allein, dass ich jetzt wieder gefragt werde, wie ich ihn schlagen könnte, ist schon Ehre genug.

Wie geht es nach dem Rennen im Kraichgau für Sie weiter?
Ich starte bei der Challenge Heilbronn und danach beim Ironman in Frankfurt. Dort möchte ich die Hawaii-Quali holen. Im Training habe ich mich zuletzt allerdings mehr auf die 70.3-Distanz konzentriert. Ich hoffe, dass ich in Frankfurt wie ein gutes Rennpferd gerade so hoch hüpfe, dass die Punkte reichen und ich mich nach Frankfurt gezielt auf Hawaii vorbereiten kann. Insgesamt bin ich aber sehr zuversichtlich, weil ich acht Monate am Stück und ohne Unterbrechung trainieren konnte. Das merke ich in allen drei Disziplinen.

Sie haben ein schwieriges Jahr mit viel Schatten und wenig Licht hinter sich. Auf welches Knöpfchen haben Sie gedrückt, dass sie im Moment so stark macht?
Ich glaube, dass ich mental stabiler bin und es mir besser und häufiger gelingt, die verrückten Sachen fürs Rennen aufzusparen. Ich kann schon auch im Training noch ein Feuerwerk abbrennen, aber dabei verbrennt man sich auch schnell mal. Es gelingt mir jetzt im Training immer besser, die Zeitvorgaben auch einzuhalten, anstatt ein privates Rennen gegen die Uhr zu machen.