Anja Beranek: "Gas auf dem Rad und viel Druck"

Nach Platz drei bei der Challenge Roth will Anja Beranek bei der EM im Ironman 70.3 mehr als nur einen Formtest für die WM in drei Wochen in Zell am See abliefern. Auch wenn die Konkurrenz stark ist, will die 30-Jährige versuchen, auf dem Kurs früh zu attackieren.

Von > | 7. August 2015 | Aus: SZENE

Anja Beranek | Anja Beranek will bei der Ironman-70.3-EM vorn mitmischen

Anja Beranek will bei der Ironman-70.3-EM vorn mitmischen

Foto >Volker Boch

Wie es sich anfühlt, in Wiesbaden als Siegerin ins Ziel zu laufen, weiß Anja Beranek. Vor drei Jahren gewann sie, nachdem sie sich auf dem Rad abgesetzt hatte. Am Sonntag setzt die Fürtherin nach Platz drei in Roth alles daran, sich mit einer frühen Attacke Luft auf die Konkurrentinnen zu verschaffen. Julia Gajer und die Dänin Camilla Pedersen sollten nach dem Radfahren möglichst etwas Rückstand haben, erzählt Beranek im Interview.

Anja Beranek, Sie hatten eine bislang ziemlich perfekte Saison. Ist für Sonntag der nächste Höhepunkt geplant?
Das Ziel ist es natürlich, die Saison so erfolgreich fortzusetzen, wie sie begonnen hat. Aber es gibt auch ein kleines Fragezeichen, ob es gut ausgeht oder schlecht, weil ich einfach schon einige Rennen in den Beinen habe. Auf der einen Seite ist das gut, weil man schon eine gewisse Härte gesammelt hat und weiß, was man abrufen muss, um vorn zu sein. Auf der anderen Seite weiß man allerdings nicht ganz genau, ob die Beine nicht schon etwas müde sind. Mit einer Langdistanz in den Beinen ist das Fragezeichen etwas größer. Aber ich fühle mich sehr frisch und bin total motiviert. Ich mag dieses Rennen sehr gerne und freue mich auf den Sonntag.

Sie haben hier bereits gewonnen und in diesem Jahr auch schon Olympiasiegerin Nicola Spirig beim Ironman 70.3 St. Pölten geschlagen, obwohl diese extrem schnell gelaufen ist. Das sollte Ihnen viel Selbstbewusstsein auf diesem Kurs geben?
Die Größe des Selbstbewusstseins ist immer auch etwas abhängig von der jeweiligen Tagesform. Aber die Resultate in diesem Jahr bestätigen mich natürlich, dass die sportliche Entwicklung in die richtige Richtung geht, auch wenn ich denke, dass da noch einiges an Potenzial ist. Mental habe ich in der Tat etwas Rückenwind, weil ich den Kurs und das Rennen sehr gut kenne. Von daher spricht alles dafür, dass es ein gutes Rennen wird. Aber wir machen Triathlon, da kann keiner sagen, wie es übermorgen wird. Da muss man sich mit eigenen Prognosen immer etwas zurückhalten. Camilla Pedersen und Julia Gajer sind sehr starke Athletinnen, auch im Wasser. Ihr Ziel wird es aber sein, dass Sie auf dem Rad trotzdem allein an der Spitze unterwegs sind?

Souveräne Sieger, wiederkehrende Stars, aufstrebende Talente - wir haben sie alle. Im triathlonTV-Rennbericht vom Ironman 70.3 in Wiesbaden 2014.

Foto >Sylvi Hoschke / spomedis


Da man muss gucken, wie es am Sonntag aussieht, gerade bei Camilla. Sie hat mich im Kraichgau einfach nicht weggelassen und hing 90 Kilometer an meinem Hinterrad dran. Ich habe es wirklich versucht, dort wegzukommen, aber es nicht geschafft. Von daher wird es mit dem Profil, das diese beiden Athletinnen haben, schwer, einen Alleingang zu starten. Aber auf dem profilierten Kurs hier muss ich natürlich meine Stärken ausspielen. Von daher heißt es ganz klar: Gas auf dem Rad und viel Druck. Und dann muss man sehen, wer nach dem Radfahren noch dabei ist – oder wo die anderen liegen.

Haben Sie eine Zeit im Kopf, die Sie nach dem Radfahren an Vorsprung mit in den Halbmarathon nehmen wollen?
Um ein sicheres Polster zu haben, wären vier bis fünf Minuten gut. Wenn ich das auf die Laufstrecke bringen kann, ist es mental ein großer Vorteil. Aber ich will mich an Zahlen nicht festhalten. Wenn man dann mit einer großen Gruppe auf die Laufstrecke wechselt, dann gibt man sich da vielleicht schon auf, wenn man sich zu stark an solchen Zahlen orientiert. Ich bin ja auch keine grottenschlechte Läuferin, ganz verstecken muss ich da also nicht. Aber ganz klar, die beiden sind sehr starke Läuferinnen, und je größer der Vorsprung ist, desto größer ist auch meine mentale Leistung – und die braucht’s eben, wenn man eine top Laufperformance abrufen will.

In Wiesbaden steigen ja auch nicht gerade alle Athleten ganz erholt nach dem Radfahren ab?
Genau. Das ist hier echter Triathlon. In allen drei Disziplinen wird man hier richtig gefordert.

Ist es der perfekte Kurs, um sich für die WM in Zell am See zu testen?
Ja, schon. Gerade der Anstieg zur Platte hoch liegt im Kraftausdauerbereich und passt gut zum Rennen in Zell am See. Es ist eine super Vorbereitung, und mit dem Abstand von drei Wochen passt das Rennen auch genau.

Für Sie ist Wiesbaden aber mehr als nur ein Test für die WM?
Ganz klar. Ich war nach Roth erst noch so ein bisschen im Ruhemodus, aber jetzt komme ausgetapert hierher an den Start.

Zielsetzung ist der Titel wie vor drei Jahren?
Ich weiß nicht genau, ob Gewinnen machbar ist bei dem Starterfeld. Es wird auf jeden Fall ein sehr enges und sehr spannendes Rennen. Für mich hat Wiesbaden absolutes WM-Niveau statt EM-Niveau, auch wenn ich gehört habe, dass Daniela Ryf abgesagt hat. Von daher habe ich einen großen Respekt vor dem Rennen und den anderen Athletinnen. Mal schauen, was dabei herauskommt.