Auf dem Weg zurück nach vorn

Um Maik Twelsiek war es in den vergangenen Monaten ruhig geworden. Der zweimalige Ironman-Sieger aus Lemgo konnte sein Potenzial längst nicht immer abrufen und steckte im Tief. Mit dem zweiten Platz beim Ironman Austria hat sich der 32-Jährige aber zurück auf die große Bühne befördert.

Von > | 10. Juli 2013 | Aus: SZENE

Maik Twelsiek | Maik Twelsiek meldet sich mit Platz zwei in der Spitze zurück.

Maik Twelsiek meldet sich mit Platz zwei in der Spitze zurück.

Foto >Michael Rauschendorfer

Dieser zweite Platz ist doch mal richtig verdient besetzt – mögen Kenner der Branche gedacht haben, als sie Maik Twelsiek auf die Zielgerade des Ironman Austria einbiegen sahen. Nach einer Zeit mit wenigen Höhen und vielen Tiefen hat sich der 32-jährige Lemgoer zurückgekämpft in den Elitebereich des Langstreckentriathlons. Auf seinem Renndress fehlten große Sponsorenlogos, aber das Lächeln des Wahl-Amerikaners überstrahlte alles, als er in Klagenfurt über die Ziellinie lief. Nach 8:11:36 Stunden – mit neuer persönlicher Bestzeit und auf Platz zwei hinter Andreas Raelert.

Back home

„Ich bin sehr glücklich mit meinem Rennen“, resümiert Maik Twelsiek ein paar Tage danach. Er kommt gerade vom Lauftraining mit alten Begleitern, auf den vertrauten Runden in der deutschen Heimat. Bevor er kommende Woche wieder in seine Wahlheimat Tucson im US-Bundesstaat Arizona fliegt, besucht er hier Familie und Freunde. Er trainiert ein bisschen, quatscht über alte und neue Zeiten – und genießt es. „Ich war seit Ende 2010 nicht mehr zuhause“, stellt er fest. Es wurde mal wieder Zeit.

Genauso wurde es mal wieder Zeit für ein richtig starkes Ergebnis. Nach dem Ende des Commerzbank-Teams war Maik Twelsiek 2012 in die Abu Dhabi Mannschaft gewechselt, aber dort lief es sportlich nicht richtig rund. Zwar sprang im Mai vergangenen Jahres zum zweiten Mal in Folge Platz zwei beim Ironman St. George heraus, aber der 15. Rang beim Ironman New York im August war ein Tiefpunkt für Twelsiek. „Danach ging es mir richtig schlecht“, erinnert er sich. Die Eisenwerte waren im Keller, der Körper leer – und auch der Kopf. Nach der Saison löste sich zudem das Abu Dhabi Team auf, und die Perspektive war weg.

Angriff auf die eigene Bestzeit

Seit Jahresbeginn ist Maik Twelsiek als Duo unterwegs, gemeinsam mit seiner Frau Hillary Biscay. Sie hat sein aktuelles Triathlon-Top designt, dessen bunte aufgedruckte Vögel so gut zum Rennen des Ehemanns in Klagenfurt passten: Er hob im rechten Moment ab und flog zu einem leuchtenden und extrem wichtigen Ergebnis seiner Karriere. Als es bei Kilometer 150 in den Anstieg am Rupertiberg ging, zögerte Twelsiek nicht lange. „An der Verpflegungsstelle haben alle anderen etwas genommen“, sagt er. „Da bin ich einfach durchgefahren und den Berg mal ordentlich hoch.“ Als er oben war, lagen die Verfolger ein gutes Stück zurück, bis zur zweiten Wechselzone zog lediglich Philip Graves noch an ihm vorbei. Aber der Brite stieg bei der Halbmarathonmarke aus – und Maik Twelsiek war Platz zwei hinter dem fliegenden Marathonläufer Andreas Raelert nicht mehr zu nehmen.

„Klagenfurt war mal eine ganz andere Taktik“, sagt Maik Twelsiek. Er hat sich bewusst lange zurückgehalten im Rennen. „Nach dem Schwimmen im Neo habe ich ohnehin ein bisschen gekocht“, erinnert er sich lächelnd, während er zuhause im relativ kühlen Lemgo sitzt. Auf dem Rad, seiner Paradedisziplin, blieb er lange verhalten. „Ich bin zufrieden mit meinem Rennen, ich habe es mir anders als sonst gut eingeteilt.“ Im Marathon hatte er genug Kräfte für eine Zeit von 2:54:05 Stunden, die ihn mit neuer persönlicher Bestleistung belohnte: 8:11:36 Stunden. Vor allem aber brachte dieses Rennen Maik Twelsiek als einen der aussichtsreichsten deutschen Langstreckler zurück auf die Planche. Mit diesem Ergebnis hat er sich auch für Sponsoren wieder in Szene gesetzt, die der Lemgoer auf seinem Weg abseits eines Teams gut gebrauchen kann. Platz zwei in Klagenfurt hatte einen ganz anderen Stellenwert als Rang fünf zu Beginn der Saison beim neuen Ironman-Rennen im mexikanischen Los Cabos.

Punkten oder Siegen?

Nach dem Erfolg in Kärnten ist die weitere Saisonplanung des Lemgoers noch nicht ganz komplett. Erst wenn er zurück in Tucson ist, will sich Twelsiek Gedanken darüber machen, ob er eventuell Mitte August beim Ironman Mont Tremblant an den Start geht und Ende des Jahres ein Rennen wie den Ironman Arizona als viertes großes Rennen oben draufsetzt. „Vielleicht könnte ich auch noch nach Hawaii, mir gefällt das Rennen ja auch sehr gut“, überlegt Twelsiek. „Aber dafür müsste ich erst noch richtig Punkte sammeln.“

Erst einmal will Maik Twelsiek die letzten Tage in Deutschland genießen. Er hat sich zuhause bei seinen Eltern den Ironman Frankfurt im Fernsehen angeschaut und mit den anderen Jungs mitgefiebert, während sein Patenkind zu Besuch war. Bevor er zurück ins heiße Tucson fliegt, will er am Sonntag auch die Challenge Roth verfolgen, bei der er zweimal das Rennen mitbestimmt hat. „Ich würde gerne hinfahren, aber gleichzeitig freue ich mich auch, meine Familie und Freunde hier wieder einmal zu treffen“, sagt Twelsiek. Die Europareise hat sich für ihn längst nicht nur sportlich gelohnt.