Bazlen, Luxford, Naeth: Wer stoppt Lisa Hütthaler?

Seit Mai beißen sich die Konkurrentinnen an Lisa Hütthaler die Zähne aus. Bei der Ironman-70.3-EM in Wiesbaden will die Österreicherin am Sonntag ihre Siegesserie ausbauen. Doch die Gegenwehr dürfte gewaltig sein. Denn Hütthaler trifft auf eine hochmotivierte Svenja Bazlen, die unberechenbare Australierin Annabel Luxford und die 2013 noch ungeschlagene Angela Naeth.

Von > | 9. August 2013 | Aus: SZENE

Svenja Bazlen beim Citytriathlon Heilbronn | Ob Profi oder Altersklasseathlet - die Finishline ist Traum, Ziel, Adrenalin pur!

Ob Profi oder Altersklasseathlet - die Finishline ist Traum, Ziel, Adrenalin pur!

Foto >Carola Felchner / spomedis

Besonders gastfreundlich waren die Europäer bei ihrer kontinentalen 70.3-Meisterschaft bisher nicht. Zumindest was den sportlichen Teil des Triathlonspektakels zwischen Raunheimer Waldsee und dem "Bowling Green" vor dem Kurhaus von Wiesbaden angeht. Von den 18 möglichen Podiumsplätzen gönnten sie den Profis aus Übersee gerade mal einen. Nur die US-Amerikanerin Desiree Ficker schaffte es im Regenrennen von 2010 die europäische Phalanx zu durchbrechen. Zeit, dass sich das ändert, dachten sich wohl die Australierin Annabel Luxford und Angela Naeth aus Kanada und meldeten für die siebte Auflage des wichtigsten Ironman-70.3-Rennens in Europa. Luxford gewann im Januar den 70.3-Saisonauftakt im neuseeländischen Auckland - hat seit Anfang Juni aber kein Rennen mehr bestritten. Naeth ist seit fünf 70.3-Rennen ungeschlagen - siegte in diesem Jahr schon beim Eagleman und dem Ironman 70.3 Buffalo Springs Lake. Ob die beiden mit Gastgeschenken rechnen dürfen? Eher nicht. Denn ihre Konkurrentinnen - allen voran die in diesem Jahr noch immer unbesiegte Lisa Hütthaler - haben es nur auf eins abgesehen: den prestigeträchtigen EM-Titel.

Bazlen vs. Hütthaler: Duell auf zwei Rädern

Nach je zwei Siegen der inzwischen des Dopings überführten Virginia Berasetegui und der Niederländerin Yvonne van Vlerken sowie dem EM-Erfolg der Schweizerin Karin Thürig 2011 holte Anja Beranek im vergangenen Jahr als erste Deutsche den 70.3-EM-Titel. Der Kampf um ihre Nachfolge könnte am Sonntag schon auf dem Rad vorentschieden werden. 1.500 Höhenmeter, lange, kurvenreiche und technisch anspruchsvolle Abfahrten - die 90 Kilometer durch den Rheingau-Taunus-Kreis gehören zum schwierigsten, was die weltweite 70.3-Serie zu bieten hat. Wer das Rennen gewinnen will, darf sich auf diesem Kurs keine Auszeit nehmen. Möglicherweise wird sich der Rennverlauf auf ein Radduell zwischen Svenja Bazlen und Lisa Hütthaler zuspitzen. Der knifflige und kraftraubende Radkurs ist wie gemalt die beiden früheren Kurzdistanz-Konkurrentinnen. Bazlen ist die deutlich stärkere Schwimmerin und wird deshalb versuchen, sich - vielleicht mit Hilfe von Luxford, Debütantin Anja Dittmer und der Schweizerin Rahel Küng - auf den 1,9 Kilometern im Raunheimer Waldsee möglichst weit von der Österreicherin abzusetzen.

Bei ihrem 70.3-Debüt in San Juan im März und dem Rennen in St. George im Mai stieg die 29-jährige Tübingerin mit Radbestzeit als Erste in ihre Laufschuhe. Genau das dürfte auch in Wiesbaden ihr Ziel sein. Auch läuferisch muss sie sich weder vor Hütthaler, noch vor Luxford oder einer ihrer anderen Gegnerinnen verstecken. Ein bisschen hibbelig sei sie dennoch, schreibt Bazlen wenige Tage vor dem Rennen auf ihrer Website. Dabei müsste sie das nicht sein. Die "Generalprobe" vor ein paar Wochen in Heilbronn meisterte sie trotz miserablem Wetter ohne Anzeichen von Schwäche. Bei ihrem Blitz-Comeback in Hamburg führte sie Anne Haug als Edelhelferin zum Heimsieg. Auch wenn sie noch keinen 70.3-Sieg auf ihrem Konto hat - Bazlen wird man auf dem Weg zum EM-Titel am Sonntag schlagen müssen.

Podiumskandidatinnen

Keine der 24 gemeldeten Profifrauen stand schon einmal auf dem Podium des Ironman 70.3 Germany. Zum erweiterten Kreis der Kandidatinnen gehören neben Bazlen, Hütthaler, Luxford und der Kanadierin Angela Naeth auch die Schottin Catriona Morrison, Daniela Ryf aus der Schweiz sowie die beiden Deutschen Jenny Schulz und Natascha Schmitt. Schulz musste sich in Heilbronn nur Bazlen beugen und bewies zuvor schon bei der Challenge Kraichgau, dass sie nach Jahren als Duathletin auch im Triathlon mindestens konkurrenzfähig ist. Schmitt zog sich nach ihrem Aus beim Ironman Germany Anfang Juli am vergangenen Wochenende selbst aus ihrem Motivationsloch. Sie gewann den Frankfurt Citytriathlon und dürfte - so sie auf dem Rad den Anschluss zur Spitze einigermaßen halten kann - spätestens beim Lauf weit vorn mitmischen.

tri-mag.de berichtet am Sonntag für Sie ausführlich aus Wiesbaden.