Bazlen mit Husarenritt auf Platz zwei

Zweites Ironman-70.3-Rennen, erneut der zweite Platz: Svenja Bazlen hat mit einer engagierten Vorstellung beim Ironman 70.3 St. George nicht nur Punkte, sondern auch eine Menge Respekt gesammelt. Im Männerfeld überraschten ehemalige Kurzdistanz-Spezialisten. Für Sebastian Kienle lief es noch nicht rund.

Von > | 4. Mai 2013 | Aus: SZENE

Svenja Bazlen | Zweites Rennen, erneut Zweite: Svenja Bazlen

Zweites Rennen, erneut Zweite: Svenja Bazlen

Foto >Michael Stevens / finisherpix.com

Erst zwei Tage vor dem Rennen erfuhr Svenja Bazlen, worauf sie sich bei der Anmeldung für das US-Meisterschaftsrennen im Ironman 70.3 in St. George (Utah) eigentlich eingelassen hatte. "Das ist ein Adventure Race, aber darüber hätte ich mich zugegebenermaßen auch vorher informieren können", schrieb die Tübingerin nach einer Streckenbesichtigung weniger als 48 Stunden vor dem Startschuss. Eine sehr hügelige Rad-, vor allem aber die schwierige Laufstrecke machten der Deutschen vor ihrem erst zweiten Mitteldistanz-Rennen nach ihrem Umstieg von der ITU-Kurzdistanz Sorgen. "Aber es hilft ja nichts, da müssen alle durch - und es sind sogar schon einige auf der doppelten Distanz lebend wieder aus diesem Rennen herausgekommen", meinte Bazlen. "Ich weiß nun, was mich am Samstag erwartet und habe zwei Tage Zeit, mich körperlich und mental auf diese Herausforderung einzustellen."

Bazlen nach 105 Führungskilometern noch abgefangen

Diese zwei Tage hat Svenja Bazlen offenbar optimal genutzt - und sich selbst trotz ihrer Unerfahrenheit auf dieser Distanz nicht etwa den vorsichtigen Energiesparmodus, sondern Offensive verordnet. Nachdem die 29-Jährige schon beim Schwimmen gemeinsam mit Meredith Kessler (USA) und Annabel Luxford (AUS) mit deutlichem Vorsprung vor der Konkurrenz aus dem Wasser gestiegen war, hielt sie sich auf der Radstrecke nicht mehr lange mit ihren beiden Begleiterinnen auf: Bazlen setzte sich prompt ab, führte das Feld schon nach 30 Kilometern als Solistin mit zwei Minuten Vorsprung vor dem Verfolgerinnen-Duo an - und baute diesen Vorsprung kontinuierlich weiter aus. Nach 60 Kilometern war die Deutsche den beiden bereits um über dreieinhalb Minuten enteilt, mit einem Polster von fast fünf Minuten Vorsprung erreichte sie nach 90 Kilometern schließlich den zweiten Wechsel. "Bazlen hat auf diesem Radkurs gerade einmal etwa zehn Minuten mehr gebraucht als der schnellste Mann", staunte noch während des Rennens Mirinda Carfrae über Twitter. "Die fährt in einer Liga mit Julie Dibens."

Und auch auf der anspruchsvollen Laufstrecke hielt sich die Tübingerin gut. Zwar investierte hinter ihr die Amerikanerin Kessler, die im vergangenen Jahr das damals noch über die doppelte Distanz ausgetragene Rennen an gleicher Stelle gewonnen hatte, beim Laufen sofort alles und machte so Zeit auf Bazlen gut. Die Deutsche aber lief an der Spitze ihr eigenes Rennen und ließ sich auch nicht davon beirren, dass nach über 105 Rennkilometern in Führung, sechs Kilometer vor dem Ziel, die US-Amerikanerin zu ihr aufschloss. Kessler setzte sich zwar sofort von Svenja Bazlen ab, die aber brach auch jetzt nicht ein und lief in einem hochkarätig besetzten Feld wie schon beim Ironman 70.3 San Juan vor einem Monat souverän den zweiten Platz vor der Kanadierin Heather Wurtele und Annabel Luxford ein. Auch Bazlens Landsfrau Julia Gajer präsentierte sich in Utah stark: Nachdem sie nach dem Radfahren einige Minuten auf die schnellsten Damen verloren hatte, fand die 30-Jährige auf der Laufstrecke ins Rennen zurück und lief mit der viertschnellsten Laufzeit des Tages noch auf den siebten Rang. Die Deutschen sammelten damit 1.200 (Bazlen) und 520 (Gajer) Punkte für die Ironman- und Ironman-70.3-Rankings und machen einen großen Schritt in Richtung Ironman-70.3-Weltmeisterschaft in Las Vegas.

Ironman 70.3 St. George | Frauen

  1. Mai 2013, St. George (Utah/USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Meredith Kessler

USA

4:17:11

24:47

2:26:26

1:22:49

2

Svenja Bazlen

GER

4:18:46

24:49

2:21:39

1:28:56

3

Heather Wurtele

CAN

4:20:26

26:52

2:25:49

1:24:49

4

Annabel Luxford

AUS

4:23:09

24:52

2:26:35

1:28:52

5

Kelly Williamson

USA

4:23:13

25:00

2:34:23

1:21:11

6

Lesley Paterson

GBR

4:24:39

28:29

2:30:58

1:22:04

7

Julia Gajer

GER

4:26:52

26:40

2:32:28

1:24:36

8

Sarah Piampiano

USA

4:27:41

29:52

2:24:36

1:29:31

9

Emma-Kate Lidbury

GBR

4:28:41

26:35

2:28:17

1:30:31

10

Leanda Cave

GBR

4:29:04

25:48

2:28:58

1:31:00

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Zwei Kurzdistanzler überraschen die Favoriten

Um diese Punkte muss sich Sebastian Kienle nach dem Weltmeistertitel in Las Vegas und dem vierten Platz auf Hawaii keine Gedanken mehr machen, trotzdem ging der Deutsche nach vier von Verletzungen und Infekten geprägten Wochen ungewiss in sein erstes Saisonrennen - hoffte aber noch darauf, dass sein Körper, ähnlich wie bei den 70.3-Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr, mit einer um so stärkeren Leistung auf die unplanmäßige Vorbereitung reagiert. Eine Hoffnung, die sich für den Deutschen diesmal nicht erfüllte. Denn für seine Verhältnisse erst sehr spät, nach etwa 70 Rennkilometern, hatte Kienle nach dem Schwimmen die Lücke zur großen Radgruppe mit fast allen Rennfavoriten geschlossen. Und das war noch nicht einmal die Spitze des Feldes: Noch einmal eine Minute vor dieser Gruppe hatte sich schon beim Schwimmen eine Dreiergruppe aus dem US-Amerikaner Andy Potts und den beiden russischen Kurzdistanz-Spezialisten, den Brüdern Ivan und Denis Vasiliev, gebildet. Nur dem US-Amerikaner TJ Tollakson gelang es nach 80 Radkilometern noch, zu diesem Trio aufzuschließen - die übrigen Mitfavoriten erreichte den zweiten Wechsel etwa 50 Sekunden hinter der Spitzengruppe.

Brent McMahon | Brent McMahon gewinnt den Ironman 70.3 St. George

Brent McMahon gewinnt den Ironman 70.3 St. George

Foto >Michael Stevens / finisherpix.com

Aus der war es dann der auf der Kurzdistanz bisher erfolgreichere der beiden russischen Brüder, der auf der Laufstrecke sein Glück versuchte: Ivan Vasiliev setzte sich von seinen einstigen Begleitern ab - während von hinten aber die Verfolger aus der großen Radgruppe heraneilten. So war es nach nur etwas mehr als fünf Laufkilometern bereits um die Spitzenposition des Russen geschehen, als ein anderer bisheriger Kurzdistanz-Spezialist, der kanadische Olympionike Brent McMahon, an ihm vorbeistürmte. Und anders als Vasiliev hatte der sich die Kräfte optimal eingeteilt: McMahon eilte den Konkurrenten davon und stürmte zu einem ungefährdeten Sieg vor dem US-Amerikaner Kevin Collington, der bisher ebenfalls vorwiegend auf der Kurzdistanz aktiv gewesen war. "Ich habe zwei Wochen hier verbracht und das Rennen behandelt wie eine Weltmeisterschaft", erklärte der überglückliche McMahon später im Ziel - anders als beispielsweise Andy Potts, dessen Saisonhöhepunkt in dieser Saison erst noch beim Ironman Hawaii folgen soll. Der US-Amerikaner arbeitete sich hinter dem Spitzenduo wieder an dem russischen Brüderpaar vorbei und sicherte sich den verbliebenen Podestplatz. Sebastian Kienle konnte auf der Laufstrecke nach dem Trainingsrückstand der vergangenen Wochen zwar nicht mithalten, gab aber trotzdem nicht auf und beendete das Rennen auf dem 18. Platz dreieinhalb Minuten vor seinem Landsmann Dorian Wagner. Christian Brader musste das Rennen wegen eines technischen Defekts auf der Radstrecke abbrechen.

Ironman 70.3 St. George | Männer

  1. Mai 2013, St. George (Utah/USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Brent McMahon

CAN

3:51:10

23:17

2:12:10

1:13:20

2

Kevin Collington

USA

3:53:38

23:22

2:12:31

1:15:15

3

Andy Potts

USA

3:54:21

22:40

2:11:46

1:17:02

4

Ivan Vasiliev

RUS

3:55:08

22:42

2:11:48

1:17:55

5

Denis Vasiliev

RUS

3:55:59

22:41

2:11:42

1:18:49

6

Matthew Reed

USA

3:56:58

23:23

2:11:51

1:19:09

7

TJ Tollakson

USA

3:57:00

24:18

2:10:05

1:19:27

8

Luke McKenzie

AUS

3:57:03

23:46

2:11:34

1:19:06

9

Ivan Rana

ESP

3:57:52

23:31

2:18:57

1:12:41

10

Trevor Wurtele

CAN

3:57:55

25:54

2:11:33

1:17:41

13

Ruedi Wild

SUI

4:00:18

24:25

2:15:29

1:16:53

18

Sebastian Kienle

GER

4:02:55

25:59

2:09:23

1:25:06

20

Dorian Wagner

GER

4:06:32

24:18

2:16:08

1:23:23

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