Beranek und Riesler fordern Van Vlerken

So offen wie in diesem Jahr war das Frauenrennen bei der Challenge Roth zuletzt selten. Nur Yvonne van Vlerken weiß, wie sich ein Sieg in Franken anfühlt. Den dritten Sieg der Niederländerin verhindern, könnten Anja Beranek und Diana Riesler. Vielleicht schlägt am Sonntag aber auch Roth-Rookie Svenja Bazlen zu.

Von > | 8. Juli 2015 | Aus: SZENE

Challenge Heilbronn Rad - 30 | Anja Beranek ist heute nicht aufzuhalten.

Anja Beranek ist heute nicht aufzuhalten.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Mit einer Hawaii-Championesse können die Rother Veranstalter im 14. Challenge-Jahr zwar nicht aufwarten - dafür versuchen zwei der besten deutschen Langdistanzprofis hinter Julia Gajer ihr Glück beim Frankenklassiker: Anja Beranek und Diana Riesler. Die eine, Beranek, will nach ihrem Defektpech im vergangenen Jahr eine offene Rechnung begleichen. Die andere, Riesler, will bei ihrem zweiten Roth-Start ebenfalls mehr als nur eine Statistenrolle übernehmen. 2014 war die Merseburgerin in einem starken Feld Siebte geworden.

Radraketen unter sich

Beide sind furios ins Wettkampfjahr 2015 gestartet. Für Beranek stehen zwei zweite Plätze bei den Challengerennen auf Fuerteventura und in Heilbronn sowie der herausragende Sieg beim Ironman 70.3 St. Pölten zu Buche. Dazu glückte ihr beim Rothsee-Triathlon vor knapp zwei Wochen eine perfekte Generalprobe. Auch wenn die 30-Jährige keine guten Erinnerungen an ihr Roth-Rennen von 2014 hat - sie gehört am Sonntag zu denen, die man schlagen muss. Vielleicht ein gutes Omen: Auch Jan Frodeno wurde 2014 in Frankfurt vom Materialpech verfolgt. Das Ergebnis im Jahr darauf ist bekannt. Beranek wird das Feld unter dem Jubel ihres Heimpublikums aus dem Main-Donau-Kanal führen und sich auch danach auf keinerlei taktische Spielchen einlassen. Denn je größer der Vorsprung nach dem Radfahren, desto realistischer ist die Chance der Fürtherin die möglicherweise schnelleren Läuferinnen bis ins Ziel auf Distanz zu halten. Zu denen gehört auch Diana Riesler. Die kommt nach dem Sieg beim Ironman Lanzarote mit ganz breiter Brust nach Roth. Davor hatte sich die ebenfalls 30-Jährige mit Platz fünf beim Ironman Südafrika und dem achten Rang beim Ironman 70.3 Mallorca in Schwung gebracht. Und zwar im wörtlichen Sinne. Denn was der 51 Kilogramm leichte Schützling von Joseph Spindler beim Radfahren in den Asphalt von Lanzarote brannte, dürfte auch Beranek mitbekommen haben. Ob das reicht, um den unvermeidlichen Rückstand - 2014 lagen nach 3,8 Kilometern Schwimmen vier Minuten zwischen Beranek und Riesler - zu reduzieren, wird sich am Sonntag zeigen. Sicher braucht Riesler dann auch bessere Laufbeine. Denn mit einem Marathon von fast 3:30 Stunden wird sie in Roth auch dieses Mal nicht aufs Podium kommen.

Fliegt Van Vlerken zum dritten Sieg?

Ein Podiumsplatz ist das Minimalziel von Yvonne van Vlerken, der einzigen im Feld der Profifrauen, die die Challenge Roth in ihrer Karriere schon einmal gewonnen hat. Sieben Jahre ist das jetzt her und die quirlige Niederländerin wird alles tun, um bei ihrem selbst erklärten Lieblingsrennen zum dritten Mal den Bayrischen Porzellan-Löwen in den Himmel recken zu dürfen. Abgesehen von der Challenge Dubai beendete sie jedes ihrer Vorbereitungsrennen unter den besten vier. Auf den zweiten Platz beim Ironman Melbourne folgten unter anderem Siege bei der Challenge Batemans Bay und zuletzt dem Ingolstadt Triathlon. Keine kennt den Kurs durchs fränkische Hügelland so gut wie sie - zumindest im Wettkampf. 2014 kletterte sie an der Seite von Riesler aus dem Kanal und kämpfte sich mit dem besten Radsplit des Tages in Schlagdistanz zum Podium. Am Ende musste sie Carfrae, Joyce und Steffen den Vortritt lassen und mit dem vierten Platz leben. Mixt sie sich den richtigen Cocktail aus Wut und Angriffslust könnte es nach der verletzungsbedingten Absage von Jodie Swallow mit Sieg Nummer drei klappen.

Reifeprüfung für Bazlen

Doch wie immer und gerade bei den großen Langdistanzen könnte am Ende auch alles ganz anders kommen. Den Favoritinnen eine knifflige Aufgabe stellen, will in jedem Fall Svenja Bazlen. "Ich bin jetzt ganz schön aufgeregt", ließ die Tübingerin wissen, nachdem sie sich am Sonntag die Hitzeschlacht von Frankfurt im Fernsehen angeschaut hatte. Bei ihrer ersten Langdistanz wird sie das Rennen im Wasser und auf dem Rad mitbestimmen. Vorausgesetzt sie hat die Radbeine gefunden, die beim Ironman 70.3 Kraichgau Anfang Juni noch vergeblich gesucht hatte. Danach wird auch sie erfahren, dass eine Triathlon-Langdistanz erst richtig beginnt, wenn man die Laufschuhe an den Füßen hat. Den einen oder anderen Tipp könnte sie sich von Gina Crawford holen - neben Van Vlerken die erfahrendste Athletin im Feld. Die Neuseeländerin sollte man ob ihrer Ausgeglichenheit immer auf der Rechnung haben. Im Jahr von Van Vlerkens letztem Sieg stand sie als Dritte auf dem Podium. Zum erweiterten Kreis der Podiumanwärterinnen gehören zudem die Belgierin Stefanie Adam, Laura Bennett (USA), die Australierin Carrie Lester sowie Daniela Sämmler (Darmstadt) und Natascha Schmitt (Frankfurt).

Los geht's am Sonntagmorgen um 6.30 Uhr. tri-mag.de und triathlonTV berichten ab Donnerstag ausführlich aus Roth.