Bereit für den Sieg

Ich bin mir ganz sicher, dass es hundertprozentig so laufen wird, wie ich es heute sage. Wirklich. Um es vorweg zu nehmen: Am Ende laufen drei Deutsche gleichzeitig auf Platz eins ins Ziel. Dicht gefolgt von zwei weiteren Deutschen auf den Plätzen zwei und drei.

Von > | 7. Oktober 2014 | Aus: SZENE

M6V9B4560 - 2014-03-29 um 08-42-18 | Niclas Bock

Niclas Bock

Foto >Isaak Papadopoulos

Letztes Jahr hat Sebastian Kienle nach dem Rennen gesagt, dass ihm beim Laufen sogar die Haare wehgetan hätten. Um diese Gefahr zu eliminieren, gibt es am Pier von Kailua Kona schon vor dem Startschuss die erste Überraschung: Kienle mit blankrasierter Birne. Auf den ersten Blick erinnert er an Professor X aus dem Marvel-Comic X-MEN. Dessen Freund-Feind Magneto alias Jan Frodeno steht ebenfalls parat, um den Machtkampf auf Big Island beginnen zu lassen. Spannung liegt in der Luft. Nee, wat schön!

Noch während des Schwimmens die ersten Hasstiraden gegen Windschattenfahren. Noch kein Radler auf der Strecke, aber der geübte Hobby-Kampfrichter weiß was folgt: Soundsoviel Prozent der Athleten kommen gleichzeitig aus dem Wasser und dann ist Gruppenfahren vorprogrammiert. Windschatten nervt, keine Frage. Aber ich hoffe, dass das Thema nicht wichtiger wird als das Rennen. Hawaii ist nur einmal im Jahr! Das Schwimmen an sich bringt erstaunlicherweise auch in diesem Jahr keine Vorentscheidung. Als einer der Ersten stürmt Frodo in die Wechselzone. Dann Nils Frommhold, Andreas Raelert und eigentlich die ganze Bande. Professor X kommt mit knapp drei Minuten Rückstand aus dem Wasser. Alles im grünen Bereich.

An dieser Stelle bricht das Rennen ab. Zumindest die Live-Übertragung funktioniert nicht mehr. Schwarzes Bild und schlechte Laune. Aber dann - das Problem ist behoben und ruck zuck gibt es wieder Bewegtbilder von Big Island. Für die nächsten zwei Stunden sehen wir die Beine der Führenden des Damen-Rennens. Aber wie das so ist, irgendwo bekommt man ja immer seine Informationen her und als erstes hören wir News von Kienle-Trainer Lubos Bilek: Er hat an diesem Tag noch einen wichtigen Termin und musste pünktlich, als Sebi aufs Rad gestiegen ist, zum Tischtennis-Match mit den Jungs vom örtlichen Klub. Aber spätestens nach 4:21 Stunden, gerade rechtzeitig nach Super-Sebis Bike-Split, ist Lubos zurück. Glück gehabt. Viel erstaunlicher aber Jan Frodeno: Seine Pausen-Taktik in den Verpflegungsstellen vom Ironman Frankfurt scheint sich bewährt zu haben und so fährt Frodo in regelmäßigen Abständen rechts ran, dehnt sich von oben bis unten und fährt dann souverän weiter. So schafft er es problemlos die zweite Wechselzone mit der Spitzengruppe zu erreichen und ist sichtlich der Entspannteste von allen.

In der Gruppe außerdem: Nils Frommhold, Andreas Raelert und eigentlich die ganze Bande.

Super-Sebi konnte sich zwar nicht entscheidend nach vorne verabschieden, aber er setzt mit einem Vorsprung von knapp zwei Minuten als Erster einen Fuß auf die Marathonstrecke. 

Beim Marathon das übliche hin und her. Doch was ist das? Plötzlich fünf Deutsche in den Top-10! Eine Sensation, zum Greifen nah. Mit dem Marathon seines Lebens pirschte sich Andreas Raelert Sekunde um Sekunde nach vorne. Jan Frodeno, im Wechsel zwischen Volle-Pulle und Dehnpause, ebenfalls gleich ganz vorne. Bei Kilometer 41,9 ist es dann soweit: Kienle, Frodo, Raelert. Klar, dass hier keiner mehr attackiert. Dreifach-Sieg für schwarz-rot-gold und es wird noch besser. Ein unbekümmerter Nils Frommhold tänzelt als Vierter ins Ziel und standesgemäß in Badehose dinosauriert Faris Al Sultan über die Ziellinie. An Tagen wie diesen!

Ach Mist, offensichtlich bin ich beim Start des Marathons eingepennt. Alles nur geträumt. Aber ich bin sicher: Am Wochenende dürfen wir den nächsten deutschen Hawaii-Champion feiern.

Die Spannung steigt! Bis in Kürze, euer Bocki