Böcherer, Aernouts, Llanos: Alle jagen Ospaly

Nach drei Siegen in Folge wollen Andreas Böcherer, Eneko Llanos und Bart Aernouts den Tschechen Filip Ospaly beim siebten Ironman 70.3 in St. Pölten am Sonntag endlich zu Fall bringen. Eine schwere Aufgabe wartet auch auf Vorjahressiegerin Julia Gajer. Die trifft im Mostviertel auf Yvonne van Vlerken, Lisa Hütthaler und Ironman-70.3-Europameisterin Anja Beranek.

Von > | 23. Mai 2013 | Aus: SZENE

Andreas Böcherer | Andreas Böcherer kommt zum Ende der Saison immer besser in Schwung. Reicht es für einen Platz ganz vorn?

Andreas Böcherer kommt zum Ende der Saison immer besser in Schwung. Reicht es für einen Platz ganz vorn?

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Andreas Raelert, Chris McCormack und Faris Al-Sultan haben sich in den vergangenen Jahren an ihm die Zähne ausgebissen. Keiner fand ein probates Mittel, Filip Ospaly in St. Pölten aufzuhalten. Der Tscheche hat es sich gemütlich gemacht - in seinem Wohnzimmer, das nur zwei Autostunden von seinem zu Hause entfernt liegt. Seine Taktik war bisher immer die gleiche: Vorn mitschwimmen, auf dem Rad dagegenhalten, aber Körner sparen und beim Laufen den Turbo zünden. Damit zwang er seine prominenten und hochdekorierten Gegner jetzt drei Jahre in Folge in die Knie. Zeit, dass sich Andere daran machen, Ospaly aus seinem Wohnzimmer zu vertreiben.

Jäger und Gejagte

Einer, dem genau das am Sonntag gelingen könnte, ist Andreas Böcherer. Der könnte Ospaly nicht nur beim Schwimmen, sondern vor allem auf der Radstrecke vor neue, unbekannte Aufgaben stellen. Für die erste "ernste Testfahrt" auf seiner Zeitfahrmaschine war der Freiburger wenige Tage vor dem Rennen noch beim Bikefitting. Und noch etwas dürfte dem 70.3-Europameister von 2011 Mut machen: bei seinem EM-Erfolg in Wiesbaden schüttelte er Ospaly auf den 90 Radkilometern entscheidend ab. Selbst die schnellen Läuferbeine des Tschechen konnten damals den Sieg des Deutschen nicht mehr verhindern. Bei zwei Sprintrennen in der Schweiz hat sich der 30-Jährige zuletzt noch etwas Spritzigkeit und Rennhärte geholt. Dass die Vorbereitung insgesamt gestimmt hat, zeigte er Ende April beim Ironman 70.3 Oceanside. Dort attackierte er direkt nach dem Schwimmen, konnte seinen Vorsprung auf der Laufstrecke gegen die US-Amerikaner Andy Potts und Jesse Thomas aber nicht verteidigen und wurde Dritter. Zu einer ähnlichen Konstellation könnte es am Sonntag auf dem Rundenkurs am Flüsschen Traisen kommen.

Denn Eneko Llanos (ESP) und Bart Aernouts (BEL) - beide haben kurzfristig für das Rennen in Niederösterreich gemeldet - waren beim Ironman 70.3 Mallorca vor zwei Wochen selbst für Ironman-Vizeweltmeister Andreas Raelert zu schnell - zumindest in den Laufschuhen. Llanos, der schon seit Saisonbeginn in blendender Verfassung ist, flog in überragenden 68 Minuten über den schnellen Kurs in Alcudia. Ein vierter Alleingang von Ospaly ist kaum vorstellbar, wenn der Spanier seine Form konservieren konnte. Zumindest im Konzert der Großen mitspielen will Per Bittner. Dessen Weg nach St. Pölten war der gleiche, wie der von Llanos. Nach seinem starken sechsten Platz beim Ironman Melbourne verpasste der Leipziger auf Mallorca als 13. des Profifelds die TopTen. Eine Verletzung verhindert dagegen den Start von Nils Frommhold. "Diagnose Stressfraktur" meldete der vor zwei Wochen auf seiner Website.

Verschiedene Vorzeichen

Vor drei Jahren erlebten die Zuschauer in der Zielarena von St. Pölten den wahrscheinlich packendsten Endspurt in der Geschichte der Ironman-70.3-Serie. Schulter an Schulter zwängten sich damals Yvonnne van Vlerken und Erika Csomor um die letzte Kurve, strauchelten beinahe. Erst wenige Meter vor dem Zielband steckte die Ungarin schließlich auf - die Niederländerin ging als Siegerin hervor und wenige Zentimeter hinter der Ziellinie zu Boden. Csomor, die nur 2009 nicht in St. Pölten dabei war, und nach ihrem Sieg bei der Premiere 2007 zuletzt dreimal hintereinander Zweite wurde, zieht es am Wochenende aber zur Challenge Rimini. Dennoch könnte es im Rennen der Frauen zu einem ähnlich packenden Duell wie 2010 kommen. Vor allem erlebt das Publikum aber die Neuauflage eines Duells, das Lisa Hütthaler vor zwei Wochen in Alcudia klar für sich entschieden hatte - nachdem Van Vlerken eine Attacke der Österreicherin beim Laufen nicht kontern konnte. Mit guten Erinnerungen und aufsteigender Formkurve kehrt Julia Gajer an die Stätte ihres ersten Ironman-70.3-Sieges zurück. Nach einer durchwachsenen Start beim Ironman 70.3 Oceanside (USA) schob sich die 30-Jährige bei den 70.3 US Championships in St. George auf den guten siebten Platz. Etwas anders hatte sich Anja Beranek ihren Saisonstart vorgestellt. Die Fürtherin erwischte beim Ironman 70.3 Mallorca einen schlechten Tag. Streikende Oberschenkel und müde Muskeln - mehr als Platz acht war damit nicht drin. In St. Pölten soll das nun anders werden - immerhin reist sie auch dort als amtierende Ironman-70.3-Europameisterin an. Nur als Testwettkampf will Sonja Tajsich das Rennen angehen. Die Regensburgerin kommt aus der Höhe von Boulder nach Europa und kämpft nach einem Trainingssturz noch mit den letzten Wehen einer Hüftverletzung. Zu den Podiumsanwärterinnen zählen dafür die Britin Lucy Gossage, auf Mallorca immerhin Dritte, sowie die Belgierin Sophie de Groote.