Böcherer riskiert, Potts profitiert

Andy Potts hat im Zielspurt zum bereits fünften Mal den Ironman 70.3 Oceanside gewonnen. Andreas Böcherer beendete ein beherztes Rennen als Dritter. Julia Gajer musste sich mit dem 14. Platz begnügen.

Von > | 30. März 2013 | Aus: SZENE

Ironman 70.3 Wiesbaden Böcherer | Ironman 70.3 Germany

Ironman 70.3 Germany

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Auf der vorab veröffentlichten Startliste der Profis hatten ihn die Veranstalter offenbar vergessen, aber immerhin Andreas Böcherer selbst wusste noch, dass er beim Ironman 70.3 Oceanside noch eine Rechnung offen hatte. Eine über möglichst viele Punkte für das Kona Pro Ranking. Aber auch, wie der Deutsche vor dem Start ankündigte, eine über etwas zusätzliches Selbstvertrauen, das Böcherer nach seinem vorzeitigen Ausstieg beim Abu Dhabi International Triathlon für den weiteren Saisonverlauf gut gebrauchen könnte.

16-Mann-Gruppe jagt den Solisten Böcherer

Und um beide Vorsätze schien es zunächst gut bestellt. Nur 30 Sekunden verlor Böcherer auf den 1,9 Auftaktkilometern auf den amerikanischen 70.3- und Schwimmspezialisten Andy Potts - und nutzte diese gute Ausgangsposition in dem hochklassig besetzten Rennen sofort. Während sich schon früh im Rennen eine große Gruppe mit allen Favoriten um Potts, Timothy O'Donnell (USA) und Frederik van Lierde (BEL) formierte, fuhr Böcherer einfach an seinen Konkurrenten vorbei - wohl wissend, dass einige von ihnen rein läuferisch wohl noch stärker einzuschätzen sein dürften als er selbst. Und die Konkurrenten ließen Böcherer auch gewähren. Allerdings nicht blind.

Denn zwar konnte sich Böcherer schnell um rund zwei Minuten von seinen Konkurrenten absetzen, dann aber sorgte vor allem der US-Amerikaner Andy Potts in der zwischenzeitlich bis zu 16 Mann großen Verfolgergruppe mit dafür, dass der Vorsprung des 29-Jährigen nicht zu stark anwuchs. Bis auf 3:30 Minuten konnte Böcherer seinen Vorsprung bis zum zweiten Wechsel noch vergrößern - dann starteten im Abstand weniger Sekunden noch 13 verbliebene Verfolger auf die abschließenden 21 Laufkilometer. Und sorgten dort, nachdem viele von ihnen in der Verfolgergruppe auf dem Rad Kräfte sparen konnten, sofort für ein hohes Tempo.

Potts übersprintet den Leichtathleten

Vor allem Titelverteidiger Potts und dessen Landsmänner Jesse Thomas und Jordan Jones waren es, die sich in der Verfolgung Böcherers noch Chancen ausrechneten. Doch der Deutsche hielt dagegen. Lediglich 30 Sekunden seines Polsters gab er auf den ersten fünf Kilometern her, doch dann musste der Freiburger seinem beherzten Rennstil Tribut zollen. Während Jones zurückfiel, hatten Thomas und mit wenigen Metern Rückstand Potts die Lücke nach elf Kilometern bereits auf eine Minute verkürzt - und Böcherer kurz darauf überholt. Thomas, ein ehemaliger 3.000-Meter-Hürdenläufer, vergrößerte seinen Vorsprung auf Landsmann Potts in Führung liegend anschließend auf zwischenzeitlich über 20 Sekunden. Doch Potts hatte sich seine Kräfte besser eingeteilt. Der Amerikaner kämpfte sich noch einmal zurück, schloss die Lücke Sekunde um Sekunde - und schob sich 300 Meter vor dem Ziel doch noch an seinem Landsmann vorbei zu seinem bereits fünften Sieg bei dem 70.3-Rennen in Oceanside. Und auch für Andreas Böcherer nahm der Wettkampf nach der spät verlorenen Führung ein versöhnliches Ende: Der Freiburger verteidigte auf den letzten Kilometern erfolgreich den verbliebenen dritten Podestplatz vor dem Schweizer Ronnie Schildknecht. Der zweite Deutsche im Feld, Swen Sundberg, beendete das Rennen auf dem 18. Rang.

Ironman 70.3 Oceanside: Männer

  1. März 2013, Oceanside (USA)

Platz

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Andy Potts

USA

3:49:45

20:47

2:15:10

1:10:31

2

Jesse Thomas

USA

3:49:55

22:13

2:14:12

1:10:35

3

Andreas Böcherer

GER

3:51:56

21:16

2:11:11

1:16:25

4

Ronnie Schildknecht

SUI

3:52:09

22:47

2:13:17

1:12:47

5

Brandon Marsh

USA

3:52:32

20:58

2:15:26

1:13:00

6

Brent McMahon

CAN

3:53:34

21:12

2:19:25

1:10:28

7

Jordan Jones

USA

3:54:04

22:16

2:13:38

1:14:45

8

Frederik van Lierde

BEL

3:55:30

21:22

2:14:36

1:16:13

9

Luke McKenzie

AUS

3:55:39

21:29

2:14:48

1:15:58

10

Timothy O'Donnell

USA

3:55:43

20:56

2:15:22

1:16:25

18

Swen Sundberg

GER

4:04:47

22:51

2:19:58

1:18:35

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Jackson dominiert, Gajer abgeschlagen

Einen eindeutigeren Verlauf nahm das Rennen der Frauen. Nachdem sich dort beim Schwimmen zunächst die Tschechin Radka Vodickova, Amy Marsh (USA) und Camilla Pedersen (DEN) um rund zwei Minuten von der ersten Verfolgerinnengruppe um die Deutsche Julia Gajer absetzen konnte, war es schon in der zweiten Disziplin die Vorjahres-Zweite Heather Jackson, die dem Rennen ihren Stempel aufdrückte. Die Amerikanerin, mit über zweieinhalb Minuten Rückstand aus dem Wasser gestiegen, schloss auf der Radstrecke zu Linsey Corbin (USA), Heather Wurtele (CAN) und Camilla Pedersen auf und verkürzte den Rückstand auf die erste Frau am zweiten Wechsel, Amy Marsh, auf eine Minute. Und auch um die sollte es auf der Laufstrecke schnell geschehen sein.

Denn schon nach wenigen Kilometern übernahm die Jackson im Halbmarathon die Führung und baute die bis ins Ziel auf zweieinhalb Minuten auf die Kanadierin Wurtele aus. Den dritten Platz sicherte sich mit einer starken Aufholjagd auf der Laufstrecke die schottische Xterra-Weltmeisterin Lesley Paterson. Julia Gajer verlor auf der Radstrecke zu viel Zeit, um auf den abschließenden 21 Kilometern noch unter die besten Zehn zu laufen. Sie beendete das Rennen auf dem 14. Platz.

Ironman 70.3 Oceanside: Frauen

  1. März 2013, Oceanside (USA)

Platz

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Heather Jackson

USA

4:13:48

25:05

2:27:53

1:17:32

2

Heather Wurtele

CAN

4:16:11

24:23

2:28:29

1:19:50

3

Lesley Paterson

GBR

4:17:46

24:28

2:33:31

1:16:21

4

Linsey Corbin

USA

4:18:41

24:25

2:28:16

1:22:11

5

Amy Marsh

USA

4:19:44

22:26

2:28:55

1:24:38

6

Camilla Pedersen

DEN

4:20:04

22:27

2:30:24

1:23:34

7

Rachel Joyce

GBR

4:21:12

24:24

2:33:19

1:19:23

8

Mirinda Carfrae

AUS

4:25:43

24:21

2:38:28

1:19:16

9

Radka Vodickova

CZE

4:25:45

22:17

2:35:45

1:24:07

10

Amber Ferreira

USA

4:30:37

24:27

2:36:06

1:26:07

14

Julia Gajer

GER

4:34:19

24:28

2:39:45

1:26:38

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