Boris Stein feiert größten Tag seiner Laufbahn

Boris Stein hat seine Schweizer Erfolgsgeschichte weitergeschrieben. Acht Wochen nach seinem Sieg beim Ironman 70.3 in Rapperswil gewann der 29-Jährige aus Eitelborn auch den großen Bruder von „Rappi“. Beim Ironman Switzerland trotzte Stein einem großen Rückstand nach dem Schwimmen und drehte das Rennen im Marathon noch um.

Von > | 27. Juli 2014 | Aus: SZENE

Boris Stein | Boris Stein gewinnt in Zürich bei seinem zweiten Ironman-Start.

Boris Stein gewinnt in Zürich bei seinem zweiten Ironman-Start.

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Eigentlich hatte der Schweizer Jan van Berkel darauf gesetzt, beim Ironman Switzerland die passende Antwort auf seine eigene sportliche Geschichte zu geben. Ein Jahr, nachdem er auf der Laufstrecke in Führung liegend Ärzte bemühen musste und kollabiert war, sahes lange so aus, als ob er einen souveränen Sieg nach Hause laufen und damit die Siegesserie der Schweizer fortsetzen könnte. Von Beginn an hatte er das Rennen mit exzellenter Taktik im Blick gehabt und kontrolliert. Er attackierte anders als im Vorjahr erst dann auf dem Rad, als es auch galt. Aber wieder sollte sein Plan nicht aufgehen.

Gruppenbildung im Wasser

Beim Schwimmen bildete sich früh eine siebenköpfige Spitzengruppe, die  sich deutlich von den Verfolgern absetzen konnte. Dazu gehörte auch der Australier Pete Jacobs, der sich mit dem Zieleinlauf in Zürich aber lediglich das nötige Qualifikationsfinish für den Ironman Hawaii abholen wollte. Anderen war deutlich mehr daran gelegen, sich in der ersten Disziplin ein Polster zu verschaffen. Die Erfahrung aus den Vorjahren hatte sie gelehrt, dass es in Zürich durchaus aufs Schwimmen ankommt, zumal die etwas schwächeren Schwimmzeiten auf dem Kurs meist die guten Krauler begünstigen. Allen voran der erfahrene Brite Stephen Bayliss und Filip Ospaly aus Tschechien drückten aufs Tempo, unter anderem hatten sie auch Jan van Berkel dabei im Schlepptau.

Boris Stein macht Druck

Als Stephen Bayliss nach 51:10 Minuten in erster Position aus dem Wasser kam, hatten andere Mitfavoriten auf den Titel noch einige zähe Meter vor sich. Gerade der deutsche Sieger des Ironman 70.3 Switzerland, Boris Stein, musste erst noch einige Altersklassenathleten überrunden, bevor er nach 58:49 Minuten in die erste Wechselzone gelangte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich an der Spitze bereits eine Allianz gebildet, der vor allem Filip Ospaly, Bertrand Billard und Jan van Berkel angehörten. Je länger die Strecke wurde, desto härter trat insbesondere der Franzose aufs Pedal. Der starke Radfahrer Stein hatte auf den ersten 100 Kilometern kaum Möglichkeiten, den Rückstand zu reduzieren. In 4:35:55 Stunden legte er allerings bei Wind und stellenweise auch Nässe am Ende die zweitschnellste Radzeit der Profis hinter Reto Stutz (SUI) vor.

Als Fünfter kam Boris Stein vom Rad, er hatte den Rückstand auf 6:50 Minuten reduziert, wusste aber, dass er nicht der einzige talentierte Läufer ist, der in den Marathon ging. Vor ihm lagen Bertrand Billard als Führender und direkt dahinter Jan van Berkel, dazu Stephen Bayliss aus Großbritannien und das Ironman-Phänomen dieses Sommers: David Plese. Der Slowene hatte vier Wochen zuvor Rang drei beim Ironman Austria belegt und nur sieben Tage später Platz sechs in Frankfurt. Es war allein eine Überraschung gewesen, dass Plese für Zürich auf der Startliste gestanden hatte. Und dann schlug er im Marathon wieder zu: Nach zehn Kilometern lag er bereits auf Rang drei, vor ihm nur van Berkel und der bereits etwas strauchelnde Billard. Doch dann flog nach gut 15 Kilometern Stein vorbei und wenig später auf Rang zwei.

Van Berkel geht ein

Beim Halbmarathon betrug der Vorsprung des Schweizers van Berkel noch gut fünf Minuten auf Boris Stein, zehn Kilometer darauf waren es nur noch gut 90 Sekunden, bei Kilometer 34 übernahm er die Führung. Auch wenn David Plese nur gut zwei Minuten dahinter weiter Druck machte, wirkte der Deutsche souverän und zog seinen langen Schritt über die letzten Kilometer.  Körperlich und emotional ausgelaugt lief er in 8:33:02 Stunden über die Linie. Während Stein nach dem größten Erfolg seiner noch jungen Profilaufbahn von den Fans gefeiert wurde, flitzte nur gut eine Minute später Plese über die Linie und sechs Minuten darauf der Überraschungsdritte Marek Jaskolka aus Polen.