Boris Stein feiert makellosen Titel

Boris Stein hat bei der Challenge Kraichgau den ersten wirklich großen Sieg seiner Karriere gefeiert. Der Teilzeit-Lehrer aus dem Westerwald gewann dank einer exzellenten Leistung im Radfahren und Laufen die Deutsche Meisterschaft auf der Mitteldistanz, deren Start wegen eines Gewitters um eine Stunde verschoben werden musste, vor Maik Petzold und Timo Bracht.

Von > | 9. Juni 2013 | Aus: SZENE

Timo Bracht, Boris Stein und Maik Petzold | Die Sieger der Challenge Kraichgau 2013: Timo Bracht (3.), Boris Stein (1.) und Maik Petzold (2.)

Die Sieger der Challenge Kraichgau 2013: Timo Bracht (3.), Boris Stein (1.) und Maik Petzold (2.)

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Die Trikotfarbe hatte sich Boris Stein sehr gut ausgesucht. Im blitzweißen Dress ging der 28-jährige Rad- und Laufspezialist von der RSG Montabaur bei der Sparkasse Challenge Kraichgau an den Start – und 3:53:07 Stunden später lief der Westerwälder mit sauberer Weste ins Ziel. Die Etablierten wie Timo Bracht und Maik Petzold lagen hinter dem Mann, dessen Name mit Edding auf die Startnummer geschrieben worden war. Stein hatte erst nach dem Abbruch des Ironman 70.3 in Rapperswil vor einer Woche nachgemeldet.

"Härter als auf der Kurzdistanz"

Aber Boris Stein war kein Überraschungssieger, der das Elitefeld des 3.500 Starter umfassenden Mitteldistanz-Klassikers aufmischte. „Er ist zwischen 15 und 45 Kilometer härter gefahren als auf einer Kurzdistanz“, beschrieb Timo Bracht die Gangart, die Boris Stein auf dem Rad wählte. Es erinnerte ein wenig daran, wie im Jahr zuvor der spätere Ironman-70.3-Weltmeister Sebastian Kienle durch den Kraichgau gefahren war. Dieses Mal musste Lokalmatador Kienle wegen eines bakteriellen Infekts absagen. Stein sprang in die Bresche, sein Rennverlauf war ganz ähnlich zu dem, der auch die Wettkämpfe von Kienle so häufig prägt.

Startverschiebung im Gewitter

Als prasselnder Regen und ein starkes Gewitter am Morgen endlich nachgelassen hatten und das Rennen mit einer Stunde Verzögerung gestartet werden konnte, sorgte im Hardtsee von Ubstadt-Weiher Jan Wolfgarten das Geschehen. Der Spitzenschwimmer und Altersklassenathlet übernahm die Führung im Elitefeld und vertrat damit auch Sebastian Kienle würdig, denn Wolfgarten ist Kienles Schwimmcoach. Der Altersklassenstarter riss das Feld auseinander, lediglich der Neuseeländer Dylan McNeice und Maik Petzold aus Bautzen blieben dem Schwimmtrainer mit Respektabstand auf den Fersen, dahinter klaffte schon nach gut der Hälfte der 1.900 Meter eine große Lücke. Dahinter machten Titelverteidiger Andreas Raelert und der Geraer Altersklassensportler Robin Schneider das Tempo einer ersten Verfolgergruppe, zu der auch Timo Bracht gehörte.

Der zweimalige Sieger Raelert spürte jedoch früh die Folgen einer Zahn-Operation in der Rennwoche. Obwohl der Rostocker nur gut 72 Stunden vor dem Rennen operiert werden musste, nachdem ihm ein Backenzahn abgebrochen war, kämpfte er sich durch. „Natürlich bin ich enttäuscht“, sagte der 36-jährige Doppelsieger der beiden Vorjahre, „man weiß ja vor so einem Rennen nie, vielleicht läuft es ja doch gut“, sagte er nach seinem 22. Platz. Aber es lief bereits beim Schwimmen nicht rund, als Sechster stieg Raelert mit ordentlichem Rückstand zusammen mit Timo Bracht aufs Rad und verlor bald deutlich an Boden.

Das Feld sortiert sich

Jan Wolfgarten kam in 22:09 Minuten als Erster aus dem Wasser, dahinter folgte Dylan McNeice in 22:36 Minuten vor Maik Petzold (22:38), Robin Schneider (24:29) und Andreas Raelert (24:33) lagen bereits recht deutlich zurück. In 24:44 Minuten folgte Timo Bracht und in verhältnismäßig optimaler Ausgangsposition Boris Stein (25:29). „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich schon einmal so gut geschwommen bin“, sagte Stein. Eine Woche zuvor hatte er den Duathlon-Ironman 70.3 Switzerland in führender Position nach einem Erdrutsch auf der Radstrecke aufgeben müssen. „Ich habe mich noch an diesem Tag dazu entschieden, im Kraichgau zu starten“, erklärte der Dritte der Ironman-70.3-EM 2012.

Erst einmal übernahm Dylan McNeice zu Beginn des 90-Kilometer-Rundkurses die Initiative. Aber bereits nach zwei Kilometern rutschte der Gewinner der Challenge Wanaka und Challenge Taiwan auf nasser Fahrbahn weg. Er erreicht später mit einem Verband am linken Arm als 14. das Ziel. Auch der Deutsche Markus Fachbach war früh mit aufgeschlitztem Reifen aus dem Rennen um den DM-Titel raus. Dagegen drückte nun Maik Petzold dem Rennen seinen Stempel auf. Im ersten Drittel des Radkurses führte der Bautzener, bevor das Duo Bracht und Stein an ihm vorbeipreschte. „Ich habe versucht, mich an Timo zu orientieren“, sagte Boris Stein später. Der Eberbacher Bracht erlebte es genau andersherum, in dem er bis kurz vor Kilometer 50 gegen das Tempo des starken Radfahrers Stein hielt. Dann allerdings musste er den Teilzeit-Lehrer aus dem Westerwald ziehen lassen.

Mit Vorsprung auf den Halbmarathon

„Mein Ziel war es, nicht unbedingt mit Maik Petzold und Timo Bracht gemeinsam auf die Laufstrecke zu gehen“, erklärte Boris Stein. Seine Taktik ging auf: Mit 2:02 Minuten Vorsprung auf Bracht und 2:19 Minuten auf Petzold startete er in den abschließenden Halbmarathon, den er in 1:15:01 Stunden souverän abspulte. Nach 3:53:07 Stunden lief er als Deutscher Meister auf dem Festplatz in Bad Schönborn ins Ziel. „Das Schwimmen war wie auf mich zugeschnitten“, freute sich Stein. Sein Trikot strahlte so weiß, wie sein Rennen makellos war. Dahinter kämpften Timo Bracht und Maik Petzold lange um den zweiten Platz auf dem Podium. Erst attackierte Bracht, dann konterte Petzold. „Mir sind am Ende etwas die Kräfte ausgegangen“, erklärte der Eberbacher Bracht, dessen Schritte erst dynamisch und kraftvoll waren und dann – nach zwei Toilettenpausen – etwas kürzer wurden.

Petzold: "Brutale Herausforderung"

Dagegen stemmte sich Petzold richtiggehend ins Rennen. Der Mitteldistanz-Debütant wirkte zwar angeknockt, als er auf die Laufstrecke startete, doch er fand einen guten Rhythmus und lief am Ende in 3:56:26 Stunden souverän vor Bracht (3:58:43) zur Vizemeisterschaft. „Eine brutale Herausforderung“, erklärte Maik Petzold und blickte kurz in den erst am Nachmittag strahlend blauen Himmel, aus dem es am Morgen in Kübeln geschüttet hatte. „Eine krasse Erfahrung; bei so einem Wetter so ein hartes Rennen.“ 

Siegerehrung im Kraichgau | Challenge Kraichgau 2013: Die Top Ten der Männer

Challenge Kraichgau 2013: Die Top Ten der Männer

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Challenge Kraichgau 2013 | Männer

  1. Juni 2013, Bad Schönborn (GER)

Platz

Name

Land

Verein

1,9 km Swim

90 km Bike

21 km Run

Gesamt

1

Boris Stein

GER

RSG Montabauer

25:29

2:10:42

1:15:01

3:53:07

2

Maik Petzold

GER

Bautzener LV

22:38

2:15:04

1:15:40

3:56:26

3

Timo Bracht

GER

SV Mannheim

24:44

2:13:26

1:18:24

3:58:43

4

Sebastian Neef

GER

25:18

2:20:07

1:21:21

4:09:23

5

Patrick Jaberg

GER

TT Steffisburg

25:53

2:19:41

1:21:22

4:09:42

6

Daniel Wienbreier

SUI

VfL Wolfsburg

27:30

2:22:57

1:19:00

4:12:06

7

Julian Mutterer

GER

KTT 01 - EBL

25:11

2:23:29

1:21:56

4:12:38

8

Simon Veit

GER

TV Dettingen

24:43

2:22:54

1:23:11

4:13:15

9

Frank Horlacher

GER

SV Nikar Heidelberg

27:31

2:22:52

1:21:38

4:14:41

10

Andreas Schröder

GER

TSV Calw

27;36

2:24:31

1:21:06

4:16:22

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