Bracht geht als Favorit in die Premiere

Ein starkes Feld geht am Samstag in die Premiere des Ironman Mallorca. Nach seinem Sieg in Roth möchte Timo Bracht seinen zweiten Saisontitel feiern, außer dem Briten Tim Don stehen aber weitere harte Gegner am Start.

Von > | 25. September 2014 | Aus: SZENE

Timo Bracht | Timo Bracht auf dem Rad.

Timo Bracht auf dem Rad.

Foto >Power Horse Triathlon Team

Mallorca wird für Triathleten von der Frühjahrs- zur Herbstinsel. Am Samstag startet mit dem Ironman Mallorca der große Bruder des europäischen Saisoneröffners Ironman Mallorca 70.3, der sich Mitte Mai bereits zur festen Instanz im Rennkalender entwickelt hat. Zur Premiere steht ein illustres Feld beisammen – ein passendes Ensemble für den herbstlichen Ballermann.

Zwei Wochen vor dem Ironman Hawaii gehen eine Reihe hochkarätiger Athleten an den Start, die sicher auch die Weltmeisterschaft in Kailua-Kona geziert hätten. Vom Kona Pro Ranking wäre beispielsweise Timo Bracht ein klarer Fall für Kona gewesen, doch der 39-jährige Eberbacher hat sich in diesem Jahr frühzeitig dazu entschieden, auf Hawaii zu verzichten und stattdessen auf Roth und Mallorca zu setzen. Nach seinem eindrucksvollen Sieg bei der Challenge Roth im Juli ist der Wettkampf in Alcudia sein zweiter Saisonhöhepunkt – auf dem Weg Richtung Balearen hat er im August Platz drei beim Ironman Copenhagen mitgenommen. In der dänischen Hauptstadt war Bracht läuferisch vielleicht noch nicht bei 100 Prozent um einer brachialen Radfahrt des Einheimischen Hendrik Hyldelund den passenden Konter entgegen spielen zu können. Nun sind die Bedingungen komplett verändert. Und Brachts Ziel steht fest: Sieg.

Meet & Greet mit den Trainingslager

Allein der Kurs auf Mallorca verspricht ein spannendes Rennen, denn insbesondere die Radstrecke hat es in sich. Es ist nicht gerade untückisch, dass der entscheidende Anstieg erst nach 120 Kilometern beginnt, wenn es von Pollenca aus hinauf zum Kloster Lluc geht. „Ein harter Anstieg“, sagte der Brite Tim Don nach einer Trainingsfahrt, „ und eine noch härtere Abfahrt.“ Die Kombination des Anstiegs bis zur unter Frühjahrsradlern legendären „Tankstelle“ und der folgenden Abfahrt hinunter nach Caimari wird Abstände bringen – dieser 20-Kilometer-Abschnitt hat es in sich. Zuvor und danach fühlen sich gerade die deutschen Profis wie Timo Bracht oder sein Powerhorse-Teamkollege Niclas Bock sicher an so manche Inseltour aus dem Frühjahr erinnert. Der Kurs ist ein Meet & Greet mit all den Dörfern, die der Triathlet aus dem Trainingslager kennt: Arta, Petra, Sa Pobla, Muro.

Abstände dürfte es nicht erst beim Radfahren und auf dem viereinhalb Mal zu laufenden Marathon-Rundkurs geben, sondern bereits auf dem Zwei-Runden-Schwimmkurs in der Bucht von Alcudia mitsamt kurzem Landgang. Es ist nicht unbedingt die Strecke, die hier für Differenzen sorgt, sondern die Besetzung. Allen voran der Schweizer Manuel Küng sollte hier ordentlich Druck entwickeln. Ex-Kurzdistanz-Weltmeister Tim Don dürfte bei seinem Ironman-Debüt der Zweite Tempomacher im Bunde sein, und entsprechend wichtig ist es für Timo Bracht und die weiteren Mitstreiter, an dem Duo um den extrem starken Briten dran zu bleiben. Don hat mit Rang drei bei der Ironman-70.3-WM zuletzt einmal mehr bewiesen, welche Ausnahmequalitäten er mitbringt. Auf dem Rad dürfte sich auch der Schweizer Mike Aigroz nach vorne arbeiten, der sich nach Verletzungen wieder zurückgekämpft hat. Michael Göhner, der radstarke Belgier Bert Jammaer, Alejandro Santamaria (Spanien), der Südafrikaner Kent Horner, der Italiener Domenico Passuello sowie Daniel Niederreiter (Österreich) könnten in der zweiten Disziplin Akzente setzen. Für den Deutschen Matthias Knossalla soll Mallorca ebenfalls mehr als nur eine Zugabe sein nach dem überraschenden zweiten Platz beim Ironman 70.3 Rügen.

Mullan und das deutsche Duo

Bei den Frauen scheint der Kurs wie maßgeschneidert für die Favoritin. Die Irin Eimear Mullan hat sich bei all ihren Siegen im Mittel- und Langdistanztriathlon immer nach dem gleichen Muster durchgesetzt: schwächer schwimmen, auf dem Rad hämmern und dann den Titel nach Hause laufen. Nicht ohne Grund hat sie in den vergangenen Wochen den Embrunman und den Gerardmer-Triathlon in ihre Vorbereitung für Mallorca eingebaut – mit harten Rennkilometern wollte sie sich auf den warmen und profilierten Tag auf den Balearen fit machen. Es ist allerdings nicht so, dass die Irin allein wäre auf Mallorca.

Natascha Schmitt | Natascha Schmitt und Jenny Schulz sind die größten deutschen Hoffnungen bei den Damen - aber nicht die einzigen.

Natascha Schmitt und Jenny Schulz sind die größten deutschen Hoffnungen bei den Damen - aber nicht die einzigen.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Abgesehen von den vielen Briten, die immer noch die Strände säumen, sind es aus sportlicher Sicht gerade zwei Deutsche, die ein ähnliches Konzept verfolgen dürften wie Eimear Mullan. Neben der 32-Jährigen stehen gerade Jenny Schulz und Natascha Schmitt vor dem Startschuss im Blickpunkt. Beiden geht es ähnlich wie Mullan, und beide haben das gleiche Ziel wie die Britin. Auch Schmitt und Schulz wollen das Feld im Laufe des Rennens aufrollen. Der Kurs scheint für die beiden starken Radfahrerinnen und dauerschnellen Läuferinnen sehr gut dafür geeignet. Das Podium könnte greifbar sein, vielleicht sogar der Titel.

Aufs Stockerl möchte auch die US-Amerikanerin Dede Griesbauer, die im Gegensatz zu der schnellen Ungarin Anna Halasz und Maria Lemeseva (Russland) eine jahrelange Erfahrung mit den langen Kanten hat. Als Dritte des Ironman Kalmar kommt die Schwedin Camilla Lindholm nach Mallorca, um hier aufs Treppchen zu laufen, aus deutscher Sicht runden Astrid Ganzow, Nina Kuhn, Linda Schücker und Nicole Woysch die Runde der Top-5-Ambitionierten ab.