Brader und Twelsiek beim Ironman Lake Tahoe

An sporthistorischer Stätte steigt am Wochenende die Premiere des Ironman Lake Tahoe. Wo vor mehr als 50 Jahren die Olympischen Winterspiele stattfanden, kämpft Ironmanprofi Christian Brader um die nächsten Punkte für sein Kona-Comeback. Doch in der Höhe von Squaw Valley warten gleich mehrere harte Brocken auf den Memminger.

Von > | 19. September 2013 | Aus: SZENE

Christian Brader | Christian Brader

Christian Brader

Foto >Jan Sägert / spomedis

Christian Brader meint es ernst. Schon 16 Tage vor dem Rennen, am Freitag nach seinem neunten Platz beim Ironman 70.3 Zell am See-Kaprun, reiste der 33-Jährige Richtung Kalifornien. Beim Ironman Lake Tahoe sollen Punkte her - denn nächstes Jahr im Oktober will Brader wieder dort sein, wo die besten Profis der Welt sind: beim Saisonfinale in Kona. Mit seinem Trainer Wolfram Bott, der seit dieser Saison auch Michael und Andreas Raelert betreut, hat er dafür in den vergangenen Wochen vor allem an der Kraftausdauer auf dem Rad und beim Laufen gearbeitet. "Die Form scheint nun wirklich zu stimmen", schrieb er vor wenigen Tagen auf seiner Website.

Mit Köpfchen und Vorsicht

Gute Form wird Brader am Lake Tahoe - einem See, der die Bundesstaaten Nevada und Kalifornien voneinander trennt - auch brauchen. Auch, weil das Rennen in einer Höhe von knapp 2.000 Metern stattfindet. Der höchte Punkt der Radstrecke soll sogar 2.300 Meter hoch liegen. Mit etwa 1.800 Höhenmetern kann der Radkurs zwischen Lake Tahoe und Squaw Valley zudem locker mit den Strecken von Lake Placid, Wisconsin, Whistler Mountain und einigen Europarennen mithalten und dürfte den knapp 2.500 gemeldeten Athleten einiges abverlangen. An die Höhe musste sich auch Brader erst gewöhnen. In den ersten Tagen habe er sich gefühlt als hätte er noch nie in seinem Leben Sport gemacht. Mittlerweile hat er sich angepasst und ist guter Dinge. "Ich bin hochmotiviert und weiß um die gute Form, die ich mir in den letzten Monaten erarbeitet habe." Dennoch werde er das Rennen mit Köpfchen und höchster Vorsicht angehen, so Brader.

Gambles & Co. auf Titeljagd

Zweifellos wird auch ein wenig Respekt im Spiel sein, wenn am Sonntag der Startschuss zum ersten Ironman Lake Tahoe fällt. Denn einer von Braders härtesten Konkurrenten im Kampf um die 2.000 Kona-Punkte glänzte zuletzt bei der Ironman-70.3-WM in Las Vegas vor knapp zwei Wochen. Aussie Joe Gambles musste dort nur dem alten und neuen Weltmeister Sebastian Kienle und Kiwi Terenzo Bozzone den Vortritt lassen. Bozzone entschied sich kurzfristig gegen den Start am Lake Tahoe und tritt stattdessen an diesem Wochenende beim Ironman 70.3 Cozumel in Mexiko an. Gambles ist zwar ausgewiesener Mitteldistanz-Spezialist - hat seine Klasse in den letzten Jahren aber auch schon auf der Langdistanz aufblitzen lassen. Während Brader noch auf seinen ersten Titel über die 226 Kilometer wartet, könnte Gambles in Squaw Valley seinen zweiten Sieg nach Wisconsin 2010 feiern. Mit fünf Ironmantiteln auf der Habenseite ist Gambles' Landsmann Chris McDonald an den Lake Tahoe gereist. Dessen letzter Coup, der Sieg beim Ironman Louisville, liegt allerdings erst vier Wochen zurück. Noch weniger Zeit zur Regeneration gönnte sich nur Maik Twelsiek. Nur zwei Wochen nach seinem Sieg beim Ironman Wisconsin will der Lemgoer das erste kalifornische Langdistanzrennen seit 2001nicht verpassen.

Stein ohne Druck

Sein erstes Experiment über die Triathlon-Langdistanz wagt am Sonntag Boris Stein. Zwei Wochen nach seinem 15. Platz bei der Ironman-70.3-WM in Las Vegas wagt sich der 28-Jährige aus Eitelborn von der Mittel- auf die Langdistanz. "Ich habe für diese Distanz trainiert und manchmal war es ein Spagat", schreibt Stein auf seiner Website. Den Druck, etwas Zählbares mit auf den Heimweg zu nehmen, wolle er sich nicht machen, ergänzt er. Als Tourist sei er aber auch nicht nach Kalifornien gereist. Ähnlich dürfte es dem Belgier Rob Woestenborghs gehen. Denn auch der aktuelle Powerman-WM-Champion feiert am Lake Tahoe sein Debüt in der Ironmanserie.

Morrison, Sessner und ein Rookie

Um die ersten Punkte fürs Kona Pro Ranking 2014 geht es auch im Profirennen der Frauen. Die meisten, nämlich 2.000, will unter anderem Catriona Morrison mit zurück in ihre schottische Heimat nehmen. Das nötige Selbstvertrauen für den ersten Langdistanzerfolg seit zweieinhalb Jahren bringt Morrison mit in die Stadt der Olympischen Winterspiele von 1960. Nach Podiumsplätzen bei den 70.3-Rennen in Norwegen und Wiesbaden wurde sie bei der Ironman-70.3-WM vor zwei Wochen in Las Vegas Vierte. Neben der erfahrenen Australierin Kate Bevilaqua, US-Profi Jessica Jacobs und der Deutschen Heidi Sessner feiert eine der besten 70.3-Athletinnen der Welt in Squaw Valley ihr Ironmandebüt: die Kanadierin Angela Naeth.