Carfrae rennt zum Sieg, Gajer starke Sechste

Mit einem neuen Rekord auf der Marathonstrecke hat Mirinda Carfrae aus Australien zum dritten Mal den Ironman Hawaii gewonnen. In Führung lag lange Zeit die Schweizerin Daniela Ryf. Julia Gajer lieferte auf Rang sechs ein starkes Rennen als beste Deutsche.

Von > | 12. Oktober 2014 | Aus: SZENE

Mirinda Carfrae

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Diesmal hätte man es Mirinda Carfrae fast nicht mehr zugetraut, beim Marathon noch bis zur Führenden aufzuschließen. Zu weit hatte Daniela Ryf das Feld auf dem Rad auseinandergezogen, zu weit hinten beendete Carfrae die 180 Radkilometer. Doch mit dem australischen Lauffloh muss man auf der Laufstrecke jederzeit rechnen – und wenn es erst bei Kilometer 36 ist. Dort zog Carfrae an der bis dahin führenden Ryf vorbei und holte sich verdient den nun schon dritten Hawaiisieg.

Warten auf Carfrae

Morgens beim Schwimmen war Carfrae noch gar nicht in Erscheinung getreten. Da sprach man eher von Amanda Stevens und Meredith Kessler aus den USA, die zusammen mit der Britin Jodie Swallow nach 54:25 Minuten aus dem Wasser kamen. Oder von Mary Beth Ellis, die als Vierte wieder festen Boden unter den Füßen hatte und danach nach vorn preschte. Diese vier waren längst auf dem Rad, als die Topfavoritinnen die 3,86 Kilometer im Pazifik hinter sich gebracht hatten. Rachel Joyce zum Beispiel kam als Neunte mit mehr als zwei Minuten Rückstand aus dem Wasser, fast zeitgleich mit den Schweizerinnen Caroline Steffen und Daniela Ryf. Und Carfrae? Die ließ noch länger auf sich warten. Schon seit mehr als fünf Minuten waren die Führenden auf der Radstrecke unterwegs, als die Vorjahressiegerin in die Wechselzone lief – zusammen mit der Deutschen Julia Gajer, die ebenfalls nicht zu den besten Schwimmerinnen zählt. Aber ein Triathlon besteht aus drei Disziplinen und schon auf den ersten Radkilometern machten Carfrae und Gajer Boden gut.

Genauso wie Daniela Ryf – sie war nach einer herausragenden Saison als Rookie nach Hawaii gekommen und wollte vor allem auf dem Rad „Spaß haben“. Ein neuer Rekord sollte es sogar werden, die 4:48 Stunden von Chrissie Wellington hatte sich Ryf vorgenommen. Entsprechend machte sie ordentlich Druck und ließ sich vom Wind auf dem Highway nach Hawi nicht beirren. Nach einer guten Stunde auf dem Rad lagen zwischen Ryf und den Führenden nur noch eineinhalb Minuten. Auch Steffen versuchte nach vorn zu fahren, doch schon jetzt merkte man der Schweizerin an, dass sie keinen perfekten Tag erwischt hatte – ungewohnt zäh gestaltete sich die Aufholjagd der Zweiplatzierten von 2012, „die Beine wollten einfach nicht“.

Ryf reißt aus

Bis Radkilometer 50 hatte die Dreiergruppe mit Jodie Swallow, Meredith Kessler und Mary Beth Ellis an der Spitze Bestand, dann musste Swallow eine Zeitstrafe absitzen. Und von hinten rückten Ryf und Steffen immer näher. Mit acht Minuten Rückstand zur Spitze kurbelte Julia Gajer in guter Gesellschaft: Zusammen mit Catriona Morrison, Heather Wurtele und Carfrae machte auch die Deutsche Meter um Meter gut. 20 Kilometer später hatte Ryf das Rennen vorn an sich gerissen – und mit der Gemütlichkeit war es vorbei. Die Ironman-70.3-Weltmeisterin und Siegerin des Ironman in Kopenhagen raste über den Kurs und würfelte die Spitzengruppe unangenehm durcheinander. „Ich bin darauf vorbereitet, dass das Laufen wehtun wird“, hatte sie im Vorfeld gesagt. „Aber wenn ich gewinnen will, muss ich meine Radstärke einsetzen; ich kann eben nicht so laufen wie eine Carfrae.“ Und im Zweifel auch nicht wie eine Steffen und wie eine Joyce. Da blieb nur eins: so schnell wie möglich davonfahren.

An der Wende in Hawi führte Ryf bereits mit eineinhalb Minuten Vorsprung vor Joyce, dahinter kämpfte Mary Beth Ellis gegen das Abreißenlassen. Caroline Steffen hatte es derweil bis auf Platz vier nach vorn geschafft – wenn eine den Ryf-Rookie da vorn noch würde einholen können, dann sie, so dachte man. Bis Kilometer 120 änderte sich an dieser Reihenfolge nichts, allerdings zog die rasende Ryf das Feld mehr und mehr auseinander. Und Carfrae war ein Grund zur Sorge: Fast eine Viertelstunde hinter der Spitze rollte die australische Topfavoritin über den Highway – das schien nicht ihr Tag zu sein.

Gajers kluges Pacing

Zurück in Kailua-Kona: Als Ryf die steile Palani Road unter die Füße nahm und auf die Laufstrecke ging, kam Joyce ihr auf dem Rad entgegen; die Britin hatte doch noch etwas Zeit gutgemacht und beendete die 180 Radkilometer mit nur noch zwei Minuten Rückstand. Auf Platz drei: Mary Beth Ellis, die sichtlich zu kämpfen hatte, danach Jodie Swallow und Caroline Steffen. Überraschend früh schlüpfte auch Julia Gajer in die Laufschuhe. Der Hawaii-Rookie aus Deutschland hatte sich auf dem Rad nicht in Versuchung führen lassen – und der Lohn für das kluge Pacing war Platz neun beim zweiten Wechsel.

Nach nur fünf Laufkilometern hatte Carfrae den Rückstand auf die führende Ryf bereits um eineinhalb Minuten verkürzt. Doch Hochrechnungen ergaben: Damit würde sie allenfalls noch bis zu Joyce aufschließen und Zweite werden. Denn auch Ryf war schnell unterwegs – vielleicht zu schnell für einen Rookie auf Hawaii? Schließlich war ja nicht mal das Energy Lab erreicht! Nach halber Strecke die Bestätigung: Ryfs Vorsprung wuchs sogar noch. Auf alle – nur nicht auf Carfrae. Die hatte inzwischen Platz sechs erreicht und die ersten fünf ihrer fast 15 Minuten Rückstand gutgemacht. Vor ihr nur noch Ellis, Steffen, Swallow und Ryf.

Entscheidung auf dem Highway

Wie so oft änderte sich auch bei diesem Rennen so einiges im berüchtigten Energy Lab. Während Ryf sichtlich mit der Hitze zu kämpfen hatte und Tempo rausnehmen musste, schob sich Carfrae auf Platz drei vor und flog wenig später auch an Joyce vorbei. Die Britin versuchte nicht einmal mitzuhalten, so groß war der Geschwindigkeitsunterschied. Damit war klar: Es wäre nur noch eine Frage der Zeit, bis Carfrae auch zu Ryf aufschließen würde. Aber reichte dafür der Rückweg? Ja, der reichte. Bei Kilometer 36 zog Carfrae an Ryf vorbei, die die Führung zunächst nicht kampflos hergeben wollte, dann aber doch schnell einsah, dass Carfrae in einer anderen Liga lief.

Nach 9:00:55 Stunden feierte die Australierin ihren dritten Hawaiisieg und verteidigte erfolgreich ihren Titel vom vergangenen Jahr. Nur zwei Minuten später gelang Daniela Ryf der bisher größte Erfolg ihrer Karriere und der krönende Abschluss einer aufsehenerregenden Saison. Rachel Joyce, die Zweite des Vorjahres, musste diesmal mit Platz drei Vorlieb nehmen – nur 90 Sekunden nach Ryf überquerte sie die Ziellinie am Alii Drive. Die Topfavoritin auf den Sieg, Caroline Steffen, wurde nach 9:1243 Stunden Fünfte. Einen gelungenen Einstand feierte Julia Gajer auf Platz sechs. Sie wurde bei ihrem ersten Hawaiistart für eine kluge Renneinteilung mit dem bisher größten Erfolg ihrer Karriere belohnt.

Ironman Hawaii | Frauen

  1. Oktober 2014, Kailua-Kona, Hawaii (USA)

Name

Nation

Gesamt

3,86 km Swim

180,2 km Bike

42,195 km Run

1

Mirinda Carfrae

AUS

9:00:55

1:00:14

5:05:48

2:50:26

2

Daniela Ryf

SUI

9:02:57

0:56:55

4:54:33

3:07:00

3

Rachel Joyce

GBR

9:04:23

0:56:47

4:56:49

3:06:27

4

Jodie Swallow

GBR

9:10:19

0:54:28

5:02:46

3:08:45

5

Caroline Steffen

SUI

9:12:43

0:56:53

5:02:03

3:08:43

6

Julia Gajer

GER

9:16:58

1:00:17

5:06:13

3:04:39

7

Liz Lyles

USA

9:18:11

1:00:19

5:10:15

3:03:24

8

Gina Crawford

NZL

9:19:21

0:55:04

5:17:30

3:01:49

9

Mary Beth Ellis

USA

9:20:46

0:54:56

5:00:04

3:21:24

10

Liz Blatchford

AUS

9:23:34

0:54:59

5:13:30

3:10:16

13

Simone Brändli

SUI

9:32:33

0:56:46

5:16:06

3:14:43

24

Natascha Badmann

SUI

9:50:37

1:06:39

5:12:08

3:25:06

26

Kristin Möller

GER

9:52:02

1:15:23

5:24:50

3:07:39

73

Katja Konschak

GER

10:42:55

57:09

5:39:08

3:59:28

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