Carfrae überrundet Joyce

Wenn vier der besten zehn Hawaii-Finisherinnen bei den Profifrauen am Start stehen, ist ein spannendes Rennen vorprogrammiert: Positionswechsel, Überholmanöver und Aufholjagden, aus denen am Ende eine laufstarke Siegerin hervorging.

Von > | 20. Juli 2014 | Aus: SZENE

Carfrae_and_Joyce_Challenge_Roth_2014 | Mirinda Carfrae gewinnt die Challenge Roth 2014 vor Rachel Joyce

Mirinda Carfrae gewinnt die Challenge Roth 2014 vor Rachel Joyce

Foto >Carola Felchner / spomedis

Es war eines der stärksten Frauenfelder, das jemals bei der Challenge Roth an den Start gegangen war. Vier der Hawaii-Top-Ten von 2013 waren in die fränkische Triathlonmetropole gekommen, darunter die amtierende Weltmeisterin Mirinda Carfrae, die das Rennen in Franken als ihr erstes Langdistanzrennen in Europa ausgewählt hatte. Bereits vor dem Wettkampf mutmaßte die Australierin, dass es „ein sehr schnelles Rennen“ werden würde. Sie sollte Recht behalten - zumindest, was ihren Marathon (2:53:27 Std.) anging. Vor allem sollte es jedoch ein enges Rennen werden. Denn es gab ziemlich viele Athletinnen, die Ambitionen auf den Thron der „Mutter aller Challenge-Rennen“ geworfen hatten. Caroline Steffen aus der Schweiz zum Beispiel, die den zweiten Sieg in Folge schon vorab mit der Begründung angemeldet hatte, Roth sei „ihr Rennen“. Oder die Britin Rachel Joyce, die hier schon einmal in 2012 gewonnen hatte, Yvonne van Vlerken, die letztjährige Zweitplatzierte, die trotz angeschlagener Schulter darauf hoffte auch diesmal „mit einer guten Radzeit weit nach vorn“ zu kommen, oder Lokalmatadorin Anja Beranek, die – wie Timo Bracht – dieses Jahr auf einen Start in Kona verzichtete, ihren Fokus ganz auf das Rennen in der Heimat gelegt hatte und sich gut in Form wähnte. Trotz Problemen mit der Plantarfaszie, die Laufen nur mit Schmerzen zuließ.

Von Steffen-Solo zu Tret-Trio

Ganz so knapp wie bei den Männern ging es anfangs trotz der hohen Leistungsdichte bei den Frauen zwar nicht zu. Einen munteren Platzierungswechsel gab es dennoch: Als Erste aus dem Wasser, gelang es Caroline Steffen nicht, die Führung in ihrer Paradedisziplin, dem Radfahren, zu halten. Beranek und Joyce schoben sich immer dichter an die Titelverteidigerin heran, hatten bei der ersten Überfahrt des berüchtigten Solarer Bergs den Abstand bereits auf 1:30 Minuten verkürzt und holten die „Swiss Miss“ schließlich ein. Aus der einsamen Führung von Steffen wurde ein Trio mit zunächst (fast) gleich schnellen Beinen. Dahinter verkürzte Yvonne van Vlerken ihren Schwimmrückstand von sechseinhalb Minuten kontinuierlich, zog von Position acht auf drei nach vorn. Mirinda Carfrae lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz fünf, dicht gefolgt von der Deutschen Diana Riesler. Während Anja Beranek nach 153 Kilometern mit technischem Defekt aufgeben und damit Rachel Joyce die Führung und Caroline Steffen die zweite Position überlassen musste, war für die Verfolgerinnen noch alles drin.

Carfrae greift an

Besonders Carfrae ist für ihre Laufstärke bekannt, das Polster von 4:50 Minuten, das Joyce mit auf die Marathonstrecke nahm, wurde zunehmend dünner. Der australische „Lauffloh“ fand schnell seinen Rhythmus, holte schon auf den ersten drei Kilometern van Vlerken ein und auch Caroline Steffen verlor nicht nur nach vorn auf Rachel Joyce, sondern auch nach hinten auf Carfrae. Nach sieben Kilometern flog diese an Steffen vorbei, die mit der Australierin auch ihre Chancen auf den Sieg schwinden sah. Nach 14 Kilometern klaffte bereits ein Loch von vier Minuten zwischen ihr und Carfrae – trotz Unterstützung von Trainer Chris McCormack, der das Rennen in Roth selbst schon mehrmals gewonnen hat und sie vom Streckenrand aus anfeuerte. Und die zierliche Australierin sammelte weiter Sekunden und Meter: bei Kilometer 29 hatte sie Rachel Joyce eingeholt, erhöhte nochmals das Tempo und hat neun Kilometer vor dem Ziel 1:36 Minuten auf ihre britische Verfolgerin herausgelaufen, ein Abstand, der sich bis zum Ziel auf dreieinhalb Minuten vergrößtert. In 8:38:53 Stunden holte sich die Weltmeisterin auch den Sieg bei ihrer Langdistanz-Europapremiere, vor Rachel Joyce, Caroline Steffen und Yvonne van Vlerken. Julia Gajer wurde Fünfte und gewann damit den Deutschen Meistertitel. "Ich bin völlig hin und weg, die Unterstützung hier war besser als alles, was ich bisher erlebt habe", gab sich die Siegerin im Ziel beeindruckt. Die Chancen stehen gut, dass dies nicht das letzte Langdistanzrennen der Weltmeisterin in Europa war.

Challenge Roth 2014 | Frauen

  1. Juli 2014, Roth (GER)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 kmBike

42,195 km Run

Mirinda Carfrae

AUS

8:38:53

0:55:24

4:46:48

2:53:27

Rachel Joyce

GBR

8:42:25

0:52:43

4:43:11

3:03:21

Caroline Steffen

SUI

8:48:42

0:52:08

4:48:14

3:05:05

Yvonne van Vlerken

NED

8:59:36

0:59:24

4:42:17

3:14:40

Julia Gajer

GER

9:00:50

0:52:26

5:03:05

3:02:08

Catherine Faux

GBR

9:09:47

0:55:42

4:57:28

3:12:28

Diana Riesler

GER

9:13:16

0:59:06

4:43:02

3:27:58

Michelle Vesterby

DEN

9:13:23

0:52:10

4:56:47

3:21:43

Simone Maier

NZL

9:31:24

1:02:35

5:00:57

3:23:17

Daniela Sämmler

GER

9:37:46

0:55:38

5:01:14

3:37:31

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