Chris McCormack: "Ich würde Kienle gern auf Hawaii gewinnen sehen"

Ohne ihn wäre die Triathlonwelt nicht die, die sie heute ist. Chris McCormack hat nicht nur zwei Mal den Ironman Hawaii gewonnen - er spricht immer noch aus, was sich andere nicht zu sagen trauen. Im triathlon special 1/2014 haben wir mit dem Familienvater und Challenge-Botschafter über seine schwersten und schönsten Rennen, über mentale Stärke und die beiden größten deutschen Hawaiihoffnungen der kommenden Jahre gesprochen.

Von > | 30. April 2014 | Aus: SZENE

Chris McCormack | Zaungast in Kona: Chris McCormack musste krankheitsbedingt absagen, hält den nächsten australisch-deutschen Länderkampf aber dennoch für möglich.

Zaungast in Kona: Chris McCormack musste krankheitsbedingt absagen, hält den nächsten australisch-deutschen Länderkampf aber dennoch für möglich.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Chris McCormack, Hand aufs Herz: Bei welchem Rennen Ihrer vielen Rennen sind Sie nicht als Erster ins Ziel gekommen, haben es aber trotzdem durchgezogen und ein für Sie zufriedenstellendes Ergebnis erreicht?

Mein bestes Rennen war vermutlich der Ironman Hawaii 2006. An diesem Tag habe ich alles geschafft, was ich wollte. Ich konnte umsetzen und abrufen, was ich trainiert hatte. Trotzdem hat es am Ende leider nicht gereicht, ich wurde Zweiter hinter Normann Stadler. Er hatte an diesem Tag zufällig auch den besten Tag seines Lebens. Ich hätte nichts besser machen können, alles lief nach Plan, aber ich habe nicht gewonnen. Danach war ich zwar ­happy, aber ich habe auch viel infrage gestellt. Wenn das Beste, zu dem ich fähig bin, nur für den zweiten Platz reicht, was sagt das dann aus? Meine Antwort war: Es ist egal, ob man als Erster oder als Letzter ins Ziel kommt, solange man sein Bestes gibt.

Einige Kurzdistanzathleten vollziehen oder vollzogen gerade den Wechsel von der Kurz- auf die Langdistanz. Genau wie Sie das damals taten. Olympiasieger Jan Frodeno hat verkündet, beim Ironman Frankfurt zu starten. Glauben Sie, er kann sich für Kona qualifizieren?

Gar keine Frage! Ein hundertprozentiges Ja! Er ist bei weitem der talentierteste ITU-Triathlet, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er es packt. Er hat den Drive, und er hat den Willen, und jetzt ist nur noch die Frage, wie er mit seiner Größe in der Hitze klarkommt. Er ist bekannt dafür, sehr hart zu trainieren. Sein Selbstvertrauen könnte ihm vielleicht noch in die Quere kommen. Wenn es gut läuft, ist er unschlagbar, aber wenn es schlecht läuft, kann man ihn aus der Ruhe bringen. Und das passiert beim Ironman einfach öfter als auf der olympischen Distanz.

Filip Ospaly hat einen ähnlichen Kurzstrecken-Hintergrund und ist in einem ähnlichen Alter wie Sie. Seinen ersten Ironman hat er in diesem Jahr in unter acht Stunden geschafft, und er hat sich den Start in Kona als Saisonziel gesetzt. Hat er das Zeug, dort anzutreten?

Filip hat viel Erfahrung auf der Mitteldistanz. Er ist nicht mehr ganz jung für seinen ersten Ironman Hawaii, aber das Alter von Sportlern rechne ich immer in „Athletenjahren“: Wie viele Ironman hast du schon gemacht, wie viele Kriege auf der Strecke erlebt, wie oft musstest du richtig kämpfen? Wer es meiner Meinung nach momentan richtig draufhat und einfach nur ein hammerharter Typ  und gleichzeitig ein stabiler Mensch ist, ist ­Sebastian Kienle. Ich mag sein Selbstvertrauen, und was er alles mit seinem Kopf erreicht. Bei ITU-Athleten auf der Langdistanz macht man manchmal den Fehler, sie nur nach ­ihrer Kurzdistanzkarriere einzuschätzen. Bei Sebi kann man sehen, dass es auch um die ganze Person und die Einstellung geht. Wo man in seinem Leben steht. Jan ­Frodeno hat jetzt, wo er verheiratet ist und Stabilität in seinem Leben hat, auch einen schönen Hintergrund, vor dem er so richtig leiden kann. Man braucht einfach eine stabile Basis, um nicht durchzudrehen.

Wenn Sie auf einen von beiden wetten müssten: Wer wird 2014 Ironman-Weltmeister?

Sebastian Kienle würde ich wirklich gern gewinnen sehen. Er ist auch eine gute Leitfigur für den Sport. Er ist jung und nicht angepasst. Triathlon ist auch kein angepasster Sport. Triathlon braucht jemanden, der das Ganze cool und populär macht. Wenn es cool wird, machen die Leute mit. Jan Frodeno sieht zwar gut aus und hat mit seinem Hintergrund auch das Zeug dazu, aber Sebastian traue ich es eher zu. Ich wäre superhappy, wenn er Kona gewinnt. Frodeno gönne ich gern Platz zwei!

Wen hat man vielleicht nicht auf dem Radar?

Pete Jacobs hatte letztes Jahr viel Pech. Ich würde ihm gönnen, dass es dieses Mal besser läuft. Tyler Butterfield hatte 2013 ein gutes Jahr, und er wird auch ruhiger und belastungsfähiger. Er ist schnell erwachsen geworden und hat jetzt sein zweites Kind. Ivan Rana hat gute Chancen, und Frederik Van Lierde darf man auch nicht vergessen. Aber ich glaube nicht, dass sie an Sebastian vorbeikommen werden.

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