Chris McCormack und die Option Kona

Nach seinem spektakulären zweiten Sieg bei der Ironman World Championship in Hawaii 2010 schien Chris McCormack das Kapitel Kona für sich abgeschlossen zu haben. Nun plant der Australier offenbar, noch in diesem Jahr nach Big Island zurückzukehren - und zwar nicht, um seine Kollegen an der Palani Road anzufeuern.

Von > | 23. Mai 2012 | Aus: SZENE

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Chris McCormack beim WM-Rennen in San Diego 2012

Foto >Rich Cruse / triathlon.org

Den zugegeben etwas angestaubten Spruch "Je oller, desto doller" gibt es in ähnlicher Form sicher auch im fernen Australien. Und sollte dem doch nicht so sein, hat ihn sich Chris McCormack vermutlich in den vergangenen Jahren bei einem seiner zahlreichen Abstecher nach Deutschland zu eigen gemacht. Denn mit dem Rennprogramm, das sich der 39-Jährige in seiner 17. Profisaison verordnet hat, würde er wahrscheinlich selbst Trainerguru Brett Sutton beeindrucken. Und der geht in Sachen Quantität mit seinen Schützlingen bekanntermaßen nicht gerade zimperlich um.

Olympiapläne ad acta?

Abgesehen von mehreren Tausend Flugkilometern hat McCormack schon jetzt acht Wettkämpfe in den Beinen, darunter die beiden WM-Rennen in Sydney und San Diego. Dazu kämpfte er bei verschiedenen Sprints in seiner Heimat Down Under verzweifelt gegen die teils übermächtige Konkurrenz aus dem Lager der Kurzdistanz-Spezialisten - und für den letzten großen Traum seiner Karriere: einen Platz im australischen Olympiateam für das Rennen am 7. August in London. Mittlerweile scheint dieser Plan aber in die Ablage gewandert zu sein. Für das dritte und beim Team Australia angeblich entscheidende Rennen um die beiden verbleibenden Männertickets am kommenden Wochenende in Madrid ist McCormack gar nicht mehr gemeldet. Und das, obwohl er in sehr guter Verfassung sei, wie er selbst erklärte. Die britische Metropole dürfte er - wahrscheinlich auch wegen der nebulösen Nominierungspolitik von Triathlon Australia - zumindest im Kopf schon von seiner Reiseliste gestrichen haben.

Cairns, Las Vegas, Kona

Aus dem Tritt bringen lässt sich der Hawaii-Champion von 2007 und 2010 dadurch aber nicht. Denn seinen Plan B trägt McCormack schon seit einigen Wochen, vielleicht sogar Monaten, mit sich herum. Er führt ihn nach Kona - zum neunten Mal. Als Hawaiisieger von 2010 muss er dafür nur einen 226 Kilometer langen Umweg nehmen - die Mühlen des Kona Pro Rankings bleiben McCormack erspart. "Beim Ironman Cairns habe ich die Chance, das Ticket nach Kona zu buchen", sagt er. Er habe sich noch nicht für oder gegen Kona entschieden, aber allein die Option auf einen weiteren Start sei sehr wichtig für ihn. Die World Triathlon Corporation hat ihm Mitte Februar die Tür dazu aufgestoßen, als sie der Challenge Family das Event an der australischen Nordostküste abjagte und mit dem Ironmanlabel versah.

Doch neben seinen Kona-Planspielen und einem Start bei der Premiere des Ironman New York Mitte August liebäugelt McCormack noch mit einem weiteren Saison-Highlight: "Denke darüber nach, in diesem Jahr meine erste Teilnahme an der 70.3-WM in Las Vegas klarzumachen", twitterte er heute. Um die dafür nötigen Punkte zu sammeln, habe er sich schon mal beim Ironman 70.3 Japan am 24. Juni angemeldet. Mit einem Sieg im Fernen Osten hätte der Globetrotter aber erst 1.000 Zähler auf seinem 70.3-Pro-Ranking-Konto - für die Top-40 und damit einen sicheren Startplatz reicht das nach derzeitigem Stand nicht aus.

Egal für welche Reiseroute sich McCormack in den nächsten Wochen und Monaten entscheidet - sein erstes Zwischenziel, Cairns, hat er bereits erreicht. Ob er dort am 3. Juni gewinnt? Wer weiß das schon. "Macca" jedenfalls sagt, er wolle alles dafür geben - so wie er es in seiner langen Karriere bisher immer gemacht hat.