Craig Alexander ist neuer Weltmeister

Der Australier Craig Alexander hat den Ironman auf Hawaii gewonnen. Titelverteidiger Chris McCormack gab mit technischem Defekt auf der Radstrecke auf, der zunächst als Fünfter gewertete Timo Bracht wurde später disqualifiziert.

Von > | 12. Oktober 2008 | Aus: SZENE

Craig Alexander | Kräfte tanken: Craig Alexander

Kräfte tanken: Craig Alexander

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Zum zweiten Mal in Folge konnte sich beim Ironman auf Hawaii kein Deutscher unter den besten Zehn platzieren. Denn der Eberbacher Timo Bracht, im Ziel zunächst als Fünfter gewertet, wurde wenig später disqualifiziert. Der Grund: Der Eberbacher soll eine Verwarnung (gelbe Karte) wegen "Blockings", also das Befahren der linken Spur ohne Überholvorgang, missachtet und trotz Aufforderung nicht die nächstliegende Penalty-Box angefahren haben. "Es wäre mir lieber gewesen, diese Entscheidung nicht treffen zu müssen, aber wir hatten keine andere Wahl. Timo Bracht kannte die Regeln", so der Oberschiedsrichter der World Triathlon Corporation (WTC), Jimmy Riccitello, gegenüber tri-mag.de. Eine gleichsam harte wie dramatische Entscheidung gegen den 33-Jährigen - doch auch sonst bewahrheitete sich an diesem 11. Oktober ein weiteres Mal, dass der Ironman auf Hawaii ein in jeder Beziehung unberechenbares Rennen sein kann.

Europäer greifen an

Wie erwartet war es am Morgen zunächst der Amerikaner Andy Potts, der die Bucht von Kailua-Kona nach 3,86 Kilometern Schwimmen als Erster wieder erreichte. Entgegen der Erwartungen vieler sollte der Amerikaner nach einer frühen Drafting-Zeitstrafe für den weiteren Rennverlauf aber keine Rolle mehr spielen. Auch die beiden Mitstreiter, der Franzose Benjamin Sanson und Pete Jacobs aus Australien, die dicht hinter Potts aufs Rad stiegen, hatten mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Genauso wenig - das allerdings völlig überraschend - gelang es Chris McCormack, seinen Titel zu verteidigen. Es waren neben Alexander die anderen Favoriten, die Herausforderer Eneko Llanos, Cameron Brown, Normann Stadler und Faris Al-Sultan, die Macca Paroli bieten sollten - und die dem Ironman Hawaii zum 30. Geburtstag ein Rennen schenkten, das an Spannung kaum zu überbieten war.

Auf der Radstrecke arbeitete sich wie von vielen erwartet zunächst der Däne Torbjörn Sindballe, nach eigener Aussage in der Form seines Lebens, immer weiter nach vorn und übernahm nach etwa der Hälfte der Radstrecke die Führung. Chris Lieto, Faris Al-Sultan und Eneko Llanos nahmen die Verfolgung auf, sie hatten gegen den Raddruck des ganz in Weiß und Pink gekleideten Dänen aber keine Chance. Auch die Verfolger um den Titelverteidiger Chris McCormack - Craig Alexander, Normann Stadler, Timo Bracht und Andreas Böcherer - schienen lange Zeit machtlos. Und dann überschlugen sich die Ereignisse: Llanos überholte Al-Sultan und rückte immer näher zu Lieto und Sindballe vor, McCormack kämpfte mit Problemen an seiner Schaltung - und Stadler, der Sieger der Jahre 2004 und 2006, griff an. Das Bild vor dem zweiten Wechsel: Stadler, Al-Sultan und Llanos jagen Sindballe. Der wechselte in Führung auf die Marathonstrecke, hatte aber schon auf dem Alii Drive gegen die drei starken Läufer keine Chance mehr.

Probleme bei Al-Sultan und Stadler

Wer allerdings allein dieses Trio im Auge behielt und glaubte, die Treppchenplätze seien bereits vergeben, der wurde bald eines Besseren belehrt: Fast unbeachtet hatten sich Cameron Brown aus Neuseeland, Timo Bracht und der Belgier Rutger Beke nach vorn geschoben, und auch Craig Alexander, der sich auf der Radstrecke in der Verfolgergruppe aufgehalten hatte, verkürzte seinen Rückstand mit rasender Geschwindigkeit. Während sich an der Spitze ein Duell zwischen Stadler und Llanos entwickelte, fiel Al-Sultan zurück und Alexander, Beke und Brown rückten dem zweifachen Sieger aus Deutschland unaufhaltsam näher. Doch dann bekam auch Stadler Probleme, mehrfach stoppte der Deutsche, um die schmerzende Beinmuskulatur zu dehnen. Das kostete ihn zuerst die Führungsposition und später noch viele weitere Plätze.

Durchbruch für Timo Bracht

Alexander dagegen schienen die fast 42 Grad, die im Energy Lab herrschten, nichts auszumachen. Kurz nach Stadler passierte der Australier auch Llanos; die letzten Meilen wurden zum Triumphlauf des Australiers, der schon bei seinem zweiten Start in Kona ganz oben steht in der Rangliste der besten Ironmänner der Welt. Und dann jubelten gleich drei Europäer: Eneko Llanos auf Platz zwei, Rutger Beke (BEL) direkt hinter ihm und Ronnie Schildknecht (SUI) auf Platz 4.

Ironman World Championship

  1. Oktober 2008, Kailua-Kona, Hawaii (USA)

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

Gesamt

1

Craig Alexander

51:43

4:37:19

2:45:00

8:17:45

2

Eneko Llanos Burguera

51:39

4:33:26

2:51:48

8:20:50

3

Rutger Beke

54:44

4:34:44

2:47:49

8:21:23

4

Ronnie Schildknecht

54:56

4:34:25

2:48:19

8:21:46

5

Cameron Brown

51:50

4:36:46

2:53:39

8:26:17

6

Patrick Vernay

51:58

4:42:49

2:51:40

8:30:23

7

Andy Potts

48:38

4:46:00

2:54:31

8:33:50

8

Mathias Hecht

51:42

4:36:55

3:01:12

8:34:02

9

Michael Lovato

52:58

4:45:20

2:52:11

8:34:47

10

Eduardo Sturla

54:47

4:34:26

3:03:19

8:36:53

11

Faris Al-Sultan

51:43

4:33:24

3:10:01

8:39:32

12

Normann Stadler

54:15

4:29:56

3:15:32

8:44:04

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