Daniela Ryf: "Las Vegas wird noch ein bisschen härter"

Vor drei Jahren ging ihr Stern mit einem Sieg in der ITU World Triathlon Series in Seoul auf. Doch schon kurz danach kämpfte die Schweizerin Daniela Ryf gegen einen mysteriösen Magenvirus. Nun ist sie zurück. Und wie. Wie sie das Rennen in Wiesbaden erlebt hat und wo es in den nächsten Jahren hingehen soll, hat uns die 26-Jährige nach ihrem Sieg im Interview verraten.

Von > | 12. August 2013 | Aus: SZENE

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Daniela Ryf

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com


Daniela Ryf, herzlichen Glückwunsch zum EM-Titel. Können Sie den Rennverlauf aus Ihrer Sicht noch einmal kurz zusammenfassen?
Ich habe mich von Beginn an super gefühlt, habe auf dem Rad die ganze Zeit Druck gemacht und auch gemerkt, dass ich näher an Annabel herankomme. Die ersten zehn Kilometer beim Laufen waren hart. Aber ich wollte diesen Sieg unbedingt und habe dann begonnen, einen Steigerungslauf zu machen. Den konnte ich dann durchziehen.

Wo haben Sie sich die Körner für dieses Rennen geholt?
Ich war mit Lisa Norden drei Wochen in der Höhe von Boulder (Colorado) und habe dort mit ihr trainiert. Die letzten zehn Tage vor dem Rennen habe ich in Davos auf 1.600 Meter Höhe verbracht. Mein Körper spricht wirklich sehr gut auf die Höhe an. Mein Herz hat sich im Rennen viel stärker angefühlt. Das war schon cool.

Sie haben als 23-Jährige in Seoul ein Rennen der World Triathlon Series gewonnen. Ihr bisher größter Erfolg. Danach war es lange still um Sie. Was war los?
Ich habe mir einen Magenvirus eingefangen, den ich die gesamte Saison 2010 nicht losgeworden bin. Erst ein Jahr danach haben Ärzte dann herausgefunden, dass es eine Dünndarm-Fehlbesiedlung war. Körpereigene Bakterien waren am falschen Ort und haben mein komplettes Verdauungssystem aus dem Gleichgewicht gebracht. Das Problem war, dass ich dann sehr anfällig für Infektionskrankheiten war. Mein Immunsystem war am Boden. Es hat erst lange gedauert bis man es herausgefunden hat, dann musste man es mit einer Antibiotika-Kur behandeln. Wirklich gut ist es erst wieder seit Mai 2012 als ich aus Australien zurückgekommen bin. Seit Herbst geht es wieder richtig gut. Mittlerweile ist also alles wieder alles in Ordnung.

Sie waren 2012 bei den Olympischen Spielen in London dabei. Ist die Kurzdistanz nach diesem Erfolg hier in Wiesbaden in der Zukunft noch ein Thema für Sie?
Ich möchte mir die Option Kurzdistanz in diesem Jahr noch ein bisschen freihalten. Vor allem die Non-Drafting-Rennen finde ich super. Die kommen mir als starke Radfahrerin entgegen und sie machen mir einfach viel Spaß. Die Ironmanevents sind sehr relaxt, die Leute sind cool. In der ITU gibt es auch tolle Leute, aber hier ist man als Athlet ein bisschen relaxter, weil das Schwimmen nicht so zählt. Jeder ist mehr auf sich selbst fokussiert und weniger auf die anderen. Mir gefällt es sehr. Ich kann mir gut vorstellen, später vielleicht auch mal etwas noch Längeres zu machen. Aber 2015 und 2016 werde ich mir die Option offenhalten, zurück zur ITU zu gehen. Olympia 2016 ist noch im Plan.

Jetzt steht erst einmal die Ironman-70.3-WM in Las Vegas auf dem Plan. Wie schätzen Sie Ihre Chancen dort ein?
Das wird ziemlich schwierig. Es werden viele starke Leute am Start sein. Heute war sicher ein guter Test. Ich denke Annabel ist wirklich in guter Form. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung heute, aber Las Vegas wird nochmal ein bisschen härter, weil es viel heißer sein wird. Für mich war es heute perfektes Wetter. Nicht zu warm, immer schön angenehm. Das wird in Vegas die Herausforderung sein.