Das war der Montag in Kailua-Kona

Jeden Morgen, wenn der Tag bei uns auf Hawaii zu Ende geht, versorgen wir Sie hier mit einem Nachrichtenüberblick aus Kailua-Kona: Was war los auf Big Island, wer hat mit wem trainiert? Und warum gibt es auf der Insel keine Plastiktüten mehr?

Von > | 7. Oktober 2014 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 2014 - Coffee Bar - 11 | Die schwimmende Kaffeebar vor Kailua-Kona.

Die schwimmende Kaffeebar vor Kailua-Kona.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Noch fünf Tage bis zum Rennen! Während in Deutschland schon Dienstag ist, geht hier auf Big Island der Montag zuende. Heute sind wir zum Kaffeeboot geschwommen, haben Sterne gesehen und uns außerdem mit dem Thema Umwelt beschäftigt.

+++ Der Geschmack von Meer +++

Wie schmeckt der Pazifik? Vor allem salzig, seit heute aber auch nach Koffein: „Coffees of Hawaii“ hat seine alljährliche Marketing-Kampagne gestartet und reicht den Schwimmern 500 Meter vom Pier entfernt mitten auf dem Pazifik Espresso aus den begehrten Kona-Coffee-Bohnen vom Katamaran. Los ging es am ersten Tag mit 10 Gallonen, also 37 Litern. Für die nächsten Tage erwarten die Mitarbeiter aber immer mehr Andrang, entsprechend wird das Boot beladen: „Morgen erhöhen wir auf 50 Liter, Mittwoch gibt’s knapp 60“, erzählt einer, während er einen Pappbecher nach dem anderen über die Reling reicht. „Donnerstag und Freitag erwarten wir die meisten Besucher.“ Den Coffee to swim sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen – allein schon, um mal kurz den Salzgeschmack aus dem Mund zu spülen.

 

+++ Wo sind die dicken Autos? +++

Triathlon ist ein umweltbewusster Sport. Umso erfreuter stellen die Athleten dieser Tage in Kailua-Kona diverse Veränderungen fest. Als man früher über den Alii Drive joggte, wuchteten sich regelmäßig übergroße Pick-ups an einem vorbei. Und jetzt? Es gibt viel weniger davon als je zuvor, die Autos scheinen kleiner geworden zu sein in Kona. Sind die Hawaiianer jetzt umweltbewusster oder hat es einfach mit den für US-Verhältnisse extrem hohen Spritpreisen zu tun?

+++ Walk of Fame +++

Je näher das Rennen rückt, desto schneller verwandelt sich der Alii Drive in einen Walk of Fame für Triathleten. Heute haben wir sogar Sterne für bekannte Profis gefunden – die witzige Werbemaßnahme eines angrenzenden Shops.

Walk of Fame | Die Sterne für Frederik van Lierde und Michelle Vesterby.

Die Sterne für Frederik van Lierde und Michelle Vesterby.

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

+++ Vorarbeiten fürs Bankett +++

Am Sonntag haben auf dem großen Parkplatz hinter dem King-Kam-Hotel die Aufbauarbeiten der Opening Ceremony, des „E Komo Mai Banquets“, begonnen. Die ersten Tischreihen stehen, bis zum Bankett am Donnerstagabend folgt unter anderem noch eine riesige Bühne, auf der nach dem Rennen auch die Siegerehrung stattfindet.

Aufbauarbeit | Der Parkplatz hinter dem King-Kamehameha-Hotel wird zur Triathlon-Arena.

Der Parkplatz hinter dem King-Kamehameha-Hotel wird zur Triathlon-Arena.

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

+++ Klimaanlage vor Klimaschutz +++

Was das Verhalten der Hawaiianer auf dem Supermarktparkplatz angeht, ist die Situation allerdings unverändert: Damit die Klimaanlage das Auto innen kühl hält, wird der Motor gern mal im Stand laufen gelassen. Aktuelles Beispiel: Am Tisch eines Stehrestaurants schafft man es, in aller Ruhe eine komplette Mahlzeit zu sich zu nehmen, während der Motor eines Autos auf dem Parkplatz davor permanent läuft. Die Frau am Steuer wartet auf ein Familienmitglied, das in den Supermarkt gegangen ist.

+++ Plastic Planet? Nicht hier! +++

Noch etwas zum Thema Umwelt. Im Supermarkt hatte es Tradition, dass die Einkäufe in eine stattliche Anzahl vonPlastiktüten verpackt wurden; für einen Einkauf von geschätzt 50 Dollar gab es gefühlt ebenso viele Tüten. Inzwischen sieht die Realität anders aus: kein Plastik weit und breit. Durch die sensible geografische Lage inmitten des Pazifiks gibt es auf Hawaii keine Plastiktüten mehr. Als erster Bundesstaat der USA wurde zum Jahresbeginn ein Verbot ausgesprochen – um die Meere und seine Bewohner zu schützen. Jetzt gibt’s beim Einkauf Papiertüten. Daumen hoch!

Da Plastiktüten im Schnitt nur 25 Minuten lang genutzt werden, aber eine große Gefahr für die Umwelt darstellen, sind sie bereits in einigen Ländern verboten worden. Bangladesch machte im Jahr 2000 den Anfang, weil die Tüten Abwasserkanäle verstopfen, was Überschwemmungen verursachte. Viele Tüten landen im Meer, was dazu geführt hat, dass zwischen Kalifornien und Hawaii ein etwa drei Millionen Tonnen schwerer Müllstrudel schwimmt. Zahlreiche Meerestiere verenden durch Plastikmüll, weil sie Tüten für Quallen halten und sie fressen oder sich in ihnen verfangen. In der EU verbraucht jeder Bürger im Schnitt rund 200 Tüten pro Jahr - unnötiger Müll, der nicht biologisch abbaubar ist.

+++ Windräder als Autowerbung +++

Und wenn man schon mal bei Fragen des Klimawandels und des Umweltbewusstseins ist, dann noch ein Wort zur regenerativen Energiegewinnung: Das Energy Lab kennen viele Athleten vor allem als Energie-Aussauger, aber hier werden regenerative Energien getestet, was angesichts der massiven Sonneneinstrahlung auf die Inseln auch Sinn ergibt. Trotz des oft starken Winds drehen sich auf Hawaii relativ wenige Windräder, was aus landschaftsästhetischen Gründen auch vertretbar ist. Ein Autohändler in Kailua-Kona aber hat die Technik für sich entdeckt. Auf seinem Hof drehen sich neuerdings ein paar Plastik-Windräder, die allerdings keine Energie liefern, sondern nur Deko sind. Er muss offensichtlich ein bisschen Wind machen, seitdem weniger Pick-ups vom Hof rollen…

Windräder am Autohaus | Die bunte Werbung des Händlers.

Die bunte Werbung des Händlers.

Foto >Volker Boch / spomedis

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Ausblick: Der Dienstag in Kailua-Kona
  • Einmarsch der Gladiatoren: Am Nachmittag beginnt mit der Nationenparade das offizielle Ironman-Programm der Rennwoche - das werden wir nicht verpassen!
  • Schweizerdeutsch - äh: -date. Wir sind mit Ronnie Schildknecht verabredet.
  • Shoppingrausch: Was in den vergangenen Tagen aufgebaut wurde, erlebt morgen die offizielle Eröffnung - die Ironman-Expo für alle, die aufrüsten wollen.