Der Mann unter dem Radar

Nach zwei Jahren Kona-Pause ist Maik Twelsiek zurück beim Ironman Hawaii. Mit einem neuen Rad will der 33-Jährige seine Stärke in der zweiten Disziplin ausspielen und sich einen Traum erfüllen: die Top 10.

Von > | 7. Oktober 2014 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 2014 - Maik Twelsiek 02 | Ironman Hawaii 2014 - Maik Twelsiek

Ironman Hawaii 2014 - Maik Twelsiek

Foto >Volker Boch / Spomedis

Einen Titel hat Maik Twelsiek beim Ironman Hawaii schon mal sicher. Er dürfte bei seiner Anreise der Profi mit dem umfangreichsten Gepäck gewesen sein, zumindest was Textilien anbelangt. Gemeinsam mit seiner Frau Hillary Biscay ist der gebürtige Lemgoer am Freitag aus der Wahlheimat Tucson in Arizona angereist und hatte jede Menge neue Radtrikots und -hosen sowie Triathlonbekleidung dabei, die Biscay auf der Ironman-Expo am Stand ihrer Firma Smashfest verkaufen wird. Auch Twelsiek wird ein neues Renndress mit dem Kolibri-Logo tragen, wenn er am Samstag zum fünften Mal beim Ironman Hawaii an den Start geht.

Nach zwei Jahren Kona-Pause ist der 33-Jährige froh, dass er auf Big Island wieder als Athlet antreten kann. Maik Twelsiek ist niemand, der groß auf den Putz hauen oder sich beschweren würde, dafür hat er sich viel zu hart aus seinem Tief des Jahres 2012 herausgearbeitet und zu seinen alten Stärken zurückgefunden. Er strahlt vielmehr große Freude aus, dass er am Samstag die Chance hat, die Weltmeisterschaft mitzubestimmen. Über seinen Sieg im vergangenen Jahr beim Ironman Wisconsin sowie Rang zwei in Lake Tahoe sowie in diesem Sommer Platz vier in Coeur d’Alene hat er sich das Ticket für Kona gesichert. Zuversichtlich schaut er nach vorne - auf den Showdown am Samstag. Wenn es nach ihm ginge, würde er dann gerne ein bisschen Werbung für die Firma seiner Frau, für seinen Kumpel TJ Tollakson und allen voran für sich selbst machen.

Neben dem Training ein bisschen Vetriebsarbeit

„Es ist unheimlich schön zu sehen, wie sich alles entwickelt“, sagt Maik Twelsiek, der gemeinsam mit Hillary Biscay in den vergangenen Monaten weltweite Bestellungen für die Designs von Smashfest verbucht hat und sich neben dem Training um die Abwicklung der Orders kümmert. Respekt hat er auch davor, wie sich der US-Profikollege TJ Tollakson mit eigenen Unternehmen parallel zum Sport neue Standbeine aufgebaut hat, unter anderem mit der Bike marke "Dimond", auf der Tollakson im August den Ironman Mont-Tremblant gewonnen hat. „TJ hat mit gefragt, ob ich nicht sein Rad fahren möchte“, sagt Twelsiek, der zugesagt hat und sich wohl fühlt auf dem aerodynamischen Flitzer mit der Carbon-Schwinge. „Es ist vor allem richtig schnell.“ Tollakson ist zwar selbst auch am Start, aber der Amerikaner könnte vor allem in Twelsiek am Samstag eine herausragende Werbefigur für das Rad bekommen.

In den Tagen vor dem Ironman Hawaii läuft Maik Twelsiek in Kona etwas unter dem Radar. Während andere Profiathleten morgens nach dem Schwimmen am Pier zusehen (müssen), dass sie schnell aus dem Trubel herauskommen, um sich nicht in einem Small Talk nach dem nächsten zu verfangen, hat der 33-Jährige weitgehend sein Ruhe, wenngleich er seiner Frau beim Aufbau rund um die Expo hilft. „Es wäre schon schön, wenn ich vorne mitfahren könnte“, sagt Twelsiek. Das Ziel ist klar, er möchte an seine beiden besten Jahre anknüpfen, an 2009 und 2010, als er jeweils hinter dem US-Amerikaner Chris Lieto als Zweiter vom Rad stieg. In diesem Jahr könnte es Andrew Starykowicz (USA) sein, der ein furioses Solo startet. „Aber das ist Kamikaze, das ist nicht mein Ziel, mir geht es darum, mir eine gute Ausgangsposition für den Marathon zu verschaffen.“ Dies bedeutet, dass Twelsiek einen Mix finden möchte aus einer starken Performance auf dem Rad, die aber nicht übers Ziel hinausgeht, damit er auf den ersten Kilometern des Marathons auf dem heißen Alii Drive nicht explodiert. „Mit so starken Läufern wie Pete Jacobs darf ich nicht vom Rad steigen.“

Der Kolibri soll fliegen

Zweimal war Maik Twelsiek Zwölfter in Kona, dieses Ergebnis würde er gerne noch verbessern. „Die Top 10 wäre ein Traum“, sagt er. „Es gibt aber 35 Leute, die unter die ersten 10 kommen können.“  Mit einem der Topanwärter für vordere Ränge hat er zuletzt in Tucson trainiert, Faris Al-Sultan. Vielleicht könnte sich zwischen beiden sogar frühzeitig auf dem Rad eine Allianz ergeben. Grundsätzlich könnte für Twelsiek aber ein Vorteil sein, dass er relativ frisch ins Rennen geht, denn er hat in diesem Jahr erst einen Ironman absolviert. Wenn alles funktioniert, könnte er im Stile eines Kolibri in die Top 10 fliegen.