Deutsches Doppel: "Nur nicht die Beine blau fahren!"

Mit Christian Kramer und Konstantin Bachor hat Deutschland bei der morgigen 24. Auflage des Ironman Lanzarote gleich zwei heiße Eisen im Feuer. Beide haben das Zeug dazu, auf dem unbarmherzigen Kurs den sechsten Sieg für Schwarz-Rot-Gold einzufahren. Im Doppelinterview verraten sie, wie sie das Projekt "Sieg" angehen wollen.

Von > | 22. Mai 2015 | Aus: SZENE

Ironman Lanzarote 2015 - Bachor und Kramer | Konstantin Bachor und Christian Bachor vor dem Ironman Lanzarote 2015

Konstantin Bachor und Christian Bachor vor dem Ironman Lanzarote 2015

Foto >Volker Boch

Der Countdown für die 24. Auflage des Ironman Lanzarote läuft. Bei der Pressekonferenz in Puerto del Carmen lag der Fokus ganz klar auf den beiden Deutschen Christian Kramer und Konstantin Bachor. Während der zweimalige Sieger des Rennens, der Belgier Bert Jammaer, erklärte, dass dies sein letztes Rennen als Profitriathlet sein wird, dachte Bachor zur Verwunderung der Journalisten laut darüber nach, ob er eventuell sogar ein Scheibenrad einsetzen will. Draußen bogen sich derweil die Blätter der Palmen – und nach der Pressekonferenz trafen wir Bachor und Kramer zum gemeinsamen Interview.

Konstantin Bachor, Sie sind derjenige, der hier mit Rang zwei vor vier Jahren schon sehr erfolgreich am Start war. Was empfehlen Sie Christian Kramer für diese besondere Strecke?

Bachor: Christian hat ja schon deutlich mehr Wettkämpfe gemacht als ich und auch schon eine Menge Langdistanzen, deshalb kann ich ihm sicher nicht sehr viele Tipps geben. Das Rennen hier entscheidet sich bestimmt nicht auf den ersten 50, 60 Kilometern der Radstrecke. Aber ich denke, das weiß Christian auch. Pacing ist auf Lanzarote ganz wichtig, das ist vielleicht auch das einzig Entscheidende.

Christian Kramer, Sie waren vor sieben Jahren zum ersten und einzigen Mal auf Lanzarote. Haben Sie noch Erinnerungen an das damalige Trainingslager?

Kramer: Nicht wirklich. Was ich ein bisschen in Erinnerung habe, sind die Feuerberge, aber die sind auch nur der kleinere Teil dessen, was im Rennen kommt. Ich habe mich deshalb ins Auto gesetzt und mir die Strecke noch mal genauer angeschaut. Ich hoffe, dass ich mir das für morgen gut eingeprägt habe.

Konstantin Bachor, 2011 sind Sie mit neuem Radrekord in die Wechselzone gekommen. Wie fühlt man sich, wenn man hier nach 4:47 Stunden vom Rad steigt?

Bachor: Eigentlich ganz gut. Ich hatte damals nicht das Gefühl, dass ich überzockt haben könnte, die Bedingungen waren auch gut. Ich hatte in Timo Bracht an zweiter Position ja außerdem einen Athleten, der von hinten ganz schön geschoben hat, auch wenn zwei, drei Minuten zwischen uns lagen. Es war auf jeden Fall ein super Gefühl, 180 Kilometer lang vorn zu fahren. Ich bin auch mit einem guten Gefühl auf die Laufstrecke gegangen und damals knapp über drei Stunden gelaufen. Das war eine gute Zeit, aber Timo war eben noch schneller.

Ihr Ziel ist es, morgen unter drei Stunden zu laufen?

Bachor: Auf jeden Fall.

Christian Kramer, in Klagenfurt sind Sie im vergangenen Jahr auf dem Weg zu Platz zwei beim Ironman Austria den Marathon in 2:46 Stunden gelaufen. Sind Sie läuferisch gerade in einer ähnlich guten Form?

Kramer: Das hoffe ich doch. Man kann sich aber gerade auf diesem Kurs nichts für eine gute Laufform kaufen, wenn man sich auf dem Rad vorher total die Beine blau fährt. Es ist ganz wichtig, dass man hier nicht die Nerven verliert, wenn man eine Lücke von fünf oder sogar zehn Minuten hat. Gerade im Ironman kann einiges passieren, und besonders hier wird schon eins zum anderen kommen, wenn der Wind weht und beim Laufen die Sonne hoch steht.

Mit der Einsamkeit klarzukommen, gerade, wenn es einem nicht gut geht, dürfte hier ein weiterer Schlüssel zum Erfolg sein, oder Konstantin Bachor?

Bachor: Absolut, gerade der Rückweg auf dem Rad zieht sich eine ganze Weile. So, wie es im Moment aussieht wird da morgen Rückenwind sein, aber da muss man schauen.

Die Kollegen haben bei der Pressekonferenz recht erstaunt geschaut, als Sie davon erzählten, dass Sie überlegen, wie 2011 mit einem Scheibenrad zu fahren. Ist das nicht ein zu hohes Risiko auf diesem Kurs?

Bachor: Das muss jeder für sich selbst entscheiden, man muss eben auch oft damit trainiert haben. Die Scheibe ist tendenziell immer das Schnellste. Selbst auf diesem Kurs mit den vielen Höhenmetern macht sich die Aerodynamik bemerkbar. Gerade, wenn man eine leichte Scheibe wählt, kann das hier entscheidende Vorteile bringen. Morgens ist der Wind außerdem meistens noch etwas weniger heftig als nachmittags. Ich werde die endgültige Entscheidung aber erst kurzfristig treffen.

Kramer: Ich habe mich schon entschieden. Ich fahre morgen mit Scheibe. Ich habe sowieso gar nichts anderes dabei – und hoffe jetzt, dass das passt.