Diana Riesler: "Das Radfahren war der Hammer"

Diana Riesler hatte beim Ironman Lanzarote nur einen ernst zu nehmenden Gegner: den Wind. Bereits nach dem Radfahren war das Rennen zu ihren Gunsten entschieden. Dies wusste die 30-jährige Merseburgerin zu diesem Zeitpunkt allerdings selbst noch nicht.

Von > | 24. Mai 2015 | Aus: SZENE

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Diana Riesler

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Müde, aber glücklich wirkte Diana Riesler bereits kurz nach dem Zieleinlauf des Ironman Lanzarote. In 9:56:04 Stunden hatte sie das Feld förmlich auseinander genommen. Mit dem zweiten Ironman-Titel ihrer Karriere in der Tasche, konnte sie im Interview auf ein starkes Rennen zurückblicken und auch schon einmal ein wenig voraus: auf Oktober.

Diana Riesler, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Sieg. Von außen sah das heute alles sehr locker aus – innendrin hat es sich sicher etwas anders angefühlt?
Das Radfahren war der Hammer. Der Wind hat uns teilweise total auseinandergenommen, ich habe nur einmal in Südafrika einen ähnlichen Wind erlebt, aber da war die Strecke nicht so schwer wie hier. Manchmal habe ich mich schon gefragt, was hier eigentlich los ist, aber dann habe ich mich konzentriert und mir gesagt: Kopf runter, treten, treten, treten, klein machen und dem Wind so wenig Angriffsfläche bieten wie möglich.

Das dürfte ziemlich schwierig gewesen sein mit der kleinen Angriffsfläche. Der Wind war ja überall?
Ein klein wenig hat es schon gebracht, Kopf einfach runter und nicht großartig nachdenken.

Es wirkte während des gesamten Wettkampfs so, als würden Sie auf sehr hohem Niveau, aber doch kontrolliert pacen. Wie war Ihre Strategie fürs Rennen?
Wir (Anmerk. der Red.: Diana Riesler und Trainer Joseph Spindler) hatten vorher genau die Wattwerte berechnet, wann und wo ich wie hart treten muss. Wir wussten, wenn ich das trete, kommt eigentlich kaum jemand ran. Ich habe allerdings höchstens mit zehn Minuten Vorsprung gerechnet, dass es dann so viel ist, hat mich schon überrascht.

Wussten Sie beim Radfahren, wie groß Ihr Vorsprung ist?
Nein. Ich wusste nur, dass ich vorn bin. Das war ja klar, aber erst bei Kilometer drei, vier beim Laufen stand Joseph an der Strecke und hat mir den Abstand zugerufen. Vorher wusste ich gar nichts zu den Abständen.

Und wie kam das bei Ihnen an, es waren ja satte 19 Minuten auf Michaela Herlbauer nach dem Radfahren?
Da dachte ich: Cool!

Aber ein bisschen komisch dürfte das doch auch sein, wenn man so weit weg ist?
Na klar, mit so nem Vorsprung bin ich ja noch nie vom Rad runtergegangen. Wir haben vorher gesagt, dass ich den Marathon versuche, in 4:35 Minuten pro Kilometer anzulaufen, und das bin ich am Ende auch in etwa durchgelaufen. Das war super.

Wie motiviert man sich, wenn der Vorsprung derart groß ist, trotzdem immer das Tempo zu halten?
Ich habe einfach nur versucht, meine 4:35 Minuten pro Kilometer zu laufen – und auf keinen Fall schneller. Es hätte ja nicht unbedingt sein müssen, dass ich mich am Ende noch übernehme.

Hatten Sie gar kein mentales Tief unterwegs?
Eigentlich nicht, es war ziemlich konstant. Außer beim Wind, da habe ich ziemlich oft geflucht, aber das hat sicher jeder gemacht. Du läufst, und trotzdem hast du auf einmal nur fünf Minuten pro Kilometer auf der Uhr stehen, weil der Wind so stark bläst.

Es ist Ihr zweiter Ironman-Titel nach dem Sieg in Malaysia vergangenes Jahr. Wie fühlt sich dieser Sieg an so einem heftigen Tag an?
Sehr gut, richtig super. Für mich müsste es damit auch die Hawaii-Qualifikation gewesen sein. Ich liege jetzt bei 6.000 Punkten, und das müsste reichen. Ich wollte mich so früh wie möglich qualifizieren – und jetzt hoffe ich auf Oktober.