Faris Al-Sultan: "Für die kurzen Sachen nicht mehr schnell genug"

Faris Al-Sultan hat in seiner Karriere schon Dutzende Profis kommen und gehen sehen. Wirklich schocken kann den 37-Jährigen nichts mehr. Auch nicht ein achter Platz beim Cannes International Triathlon. In der Analyse spricht er über einen Nasenstüber, Wattzahlen, seine ansprechende Laufleistung und den Plan, beim Ironman Hawaii im Oktober einen versöhnlichen Abschluss zu finden.

Von > | 21. April 2015 | Aus: SZENE

Cannes Triathlon 2015 - Pre Race 05 | Cannes International Triathlon 2015

Cannes International Triathlon 2015

Foto >Jan Sägert / spomedis

Faris Al-Sultan, nach dem siebten Platz beim Ironman 70.3 Monterrey hat es in Cannes nur zu Platz acht gereicht. Wie zufrieden sind Sie damit?
Mittelmäßig, würde ich sagen. Es war mal wieder - wie überall - eine Art Gaußsche Verteilung. Mit jeder Sekunde, die man schneller ist, wird die Pyramide spitzer und wenn man ein, zwei Minuten langsamer ist, kämpft man auf einmal schon mit drei anderen um Platz sechs. Und wenn dann noch der Punch fehlt. Ich mache mir da auch nichts mehr vor: Für die kurzen Sachen bin ich einfach nicht mehr schnell genug.

Trotzdem treten Sie bei solchen Rennen an... Warum?
Das ist eigentlich ganz einfach. Es geht um zwei Sachen. Erstens muss ich Rennen machen, um Rennhärte zu kriegen, denn so hart wie im Rennen kann ich mich im Training nicht belasten. Das ist ja auch von der Motivation her vollkommen logisch. Das andere ist, dass ich damit mein Geld verdiene. Ich kriege Antrittsgelder. Und wie gesagt: Ich brauche solche Rennen, um in Form zu kommen. Insofern war das hier auf dem Weg nach Texas nochmal gut. Eine Woche später wäre für mich sogar noch besser gewesen, weil ich grad aus einem harten Trainingsblock komme und das Training dann wahrscheinlich noch etwas besser verdaut gehabt hätte.

Beim Schwimmen sind Sie im Normalfall immer vorn mit dabei. Was ging dieses Mal schief?
Ein früher Start und noch dazu kalt. Das gefällt mir schonmal nicht. Dann habe ich vor dem Start auch noch eins auf die Nuss gekriegt. Da war ich erstmal mehr mit dem Nasenbluten beschäftigt als mit dem Start. Darauf will ich es auch gar nicht schieben, aber das sind kleine Faktoren, die dafür gesorgt haben, dass ich nicht so richtig in Fahrt gekommen bin.

Das galt auch fürs Radfahren...
Ja, da habe ich einfach ein Riesenproblem. Ich kam mit Romain Guillaume aus dem Wasser und der hat mir schon auf den ersten fünf Kilometern eine Minute abgenommen, weil ich erstmal meine Füße sortieren musste. Und bis ich dann alles richtig hergerichtet hatte, war er schon eine Minute weg. Das ist auf dieser Distanz natürlich ein Problem. Beim Ironman logischerweise weniger. Aber auf der Kurz- und Mitteldistanz tödlich. Ansonsten: Das reine Gefahre auf diesen Berg rauf war ganz in Ordnung. Da haben auch die Wattzahlen einigermaßen gepasst.

Cannes International Triathlon - Radfahren 10 | Maximal 380 Watt brachte Faris Al-Sultan beim Cannes International Triathlon aufs Pedal.

Maximal 380 Watt brachte Faris Al-Sultan beim Cannes International Triathlon aufs Pedal.

Foto >José Luis Hourcade

Was hat die Auswertung ergeben?
Bei dieser Streckenführung variiert das natürlich. Es geht bergauf, bergab, mal steiler, mal weniger steil. Deshalb hat es immer variiert, so zwischen 300 und 380 Watt. Für mich ist es perfekt, wenn die Steigung etwa fünf Prozent hat. Nicht viel mehr, weil es dann schon wieder zu dick wird bei meinem Gewicht von knapp über 70 Kilo. Bei fünf Prozent passt das schon und ich weiß vor allem, dass ich das länger durchhalten kann. Wenn es dann auch mal warm wäre, würde es wahrscheinlich nochmal besser gehen.

Auch das Laufen sah zumindest auf den ersten Kilometern richtig gut aus. Wie haben Sie es empfunden?
Ich war vor allem vom Anfang sehr positiv überrascht. Auch weil ich im Vorfeld noch ein paar Wehwehchen hatte. Ich bin gleich an Frederic Belaubre (früherer Kurzdistanz-Europameister, Anm. d. Red.) vorbeigezogen und dachte mir: 'Wow, heute ist dein großer Lauftag!'. Am Ende war die Laufleistung in Ordnung. Nicht dramatisch, aber in Ordnung. Auch in Anbetracht dessen, dass mein letztes Trainingslager noch nicht so lange zurück liegt.

Sie starten Mitte Mai beim Ironman Texas und feiern im Juli noch Ihre Premiere beim Ironman Switzerland. Was gibt es bis Texas noch zu tun?
Es geht vor allem ums Rausfeilen von verschiedenen Sachen. Beim Schwimmen steht die Basis. Und bei 3,8 Kilometern gibt es ja auch nicht viel zu überlegen. Im Radtraining will ich noch ein bisschen an der Kraftausdauer feilen, weil das ein wichtiger Anteil ist vom Radfahren in einem Ironman. Beim Laufen würde ich gern noch etwas an der Geschwindigkeitsschraube drehen. Dazu mache ich vielleicht nochmal einen 5-Kilometerlauf, um meine etwas schleppende Motorik in Gang zu kriegen. Dafür muss ich sicher nicht die Monstertempoeinheiten machen. Aber den Bereich zwischen dreieinhalb und vier Minuten pro Kilometer muss ich einfach beherrschen. Das ist die Idee. Das Ziel muss sein, einen 4er Schnitt laufen zu können.

... um doch nochmal nach Hawaii zu kommen?
Genau. Ich will dort einen versöhnlichen Abschluss für mich finden. Ich werde noch drei Jahre Wettkämpfe machen und habe auch einen relativ konkreten Plan, welche das sind. Es gibt noch ein paar Rennen, die ich noch auf dem Schirm habe und die ich gern noch gewinnen möchte. Realistische Sachen. Nicht so was wie Hawaii. Ich muss mir Ziele setzen - das ist meine persönliche Befriedigung. Und dann schaun mer mal, inwieweit das alles klappt.