Faris Al-Sultan: "Für zehnte Plätze kann ich mir nichts kaufen"

Auch acht Jahre nach seinem Hawaii-Sieg gehört Faris Al-Sultan nicht nur hierzulande noch immer zu den wichtigsten Personen im Triathlonsport - aus gutem Grund. Kaum ein anderer Profi spricht so offen und ehrlich aus, was viele denken, sich aber nicht zu sagen trauen.

Von > | 29. Januar 2014 | Aus: SZENE

Faris Al-Sultan | Faris Al-Sultan schafft es auf Hawaii erneut unter die besten zehn.

Faris Al-Sultan schafft es auf Hawaii erneut unter die besten zehn.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Faris Al-Sultan, nach dem Ironman Hawaii sagten Sie, Sie wollen sich 2014 vielleicht erstmals nicht auf Kona fokussieren und stattdessen kleinere Rennen machen. Steht Ihre Saisonplanung inzwischen?
Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht genau, ob ich im Sommer einen zweiten Ironman mache oder mich doch noch einmal voll auf Hawaii konzentriere. Ein Grund ist, dass die Verhandlungen mit der WTC noch nicht abgeschlossen sind. Zum anderen hat jeder Athlet, der Hawaii schon gewonnen hat oder nah am Sieg ist, immer die Hoffnung, dass es wieder oder erstmals für ganz vorn reicht. Was ich aber weiß: Wenn ich mein Training nicht ändere, habe ich auf Hawaii keine Chance.

Vielen Sponsoren ist die Hawaiipräsenz ihrer Athleten enorm wichtig. Hat dies auch bei Ihnen eine Rolle gespielt, einen erneuten Auftritt in Bestform zumindest zu erwägen?
Nein, hat es nicht, und das ist auch nicht der Punkt. Ich will ja dahin, mir macht Hawaii große Freude. Es geht vielmehr um die Perspektive. Für junge Athleten ist ein Top-10-Ergebnis wichtig, um zu zeigen: „Hallo ich bin da, ich kann das!“ Ich brauche das nach vier zehnten Plätzen und einem fünften Rang in den letzten fünf Jahren nicht mehr. Das interessiert niemanden und dafür kann ich mir auch nichts kaufen. Mich voll auf Kona zu konzentrieren, um bestenfalls Achter zu werden, ist Unsinn. Dann mache ich vorher lieber ein weiteres Rennen, das ich gewinnen kann, und werde auf Hawaii halt nur 15. oder 20. Das wäre dann wurscht.

Sie haben den Triathlon über Jahre hinweg begleitet und geprägt. Wie hat sich die Sportart entwickelt?
Auf der Langdistanz hat sich in der Spitze nicht viel geändert. Pete Jacobs hat nach seinem Sieg gesagt, dass er nichts Außergewöhnliches gemacht habe, sondern nur das, was jemand machen muss, um Hawaii zu gewinnen. Das traf den Nagel auf den Kopf. Als Langstreckler musst du noch immer dasselbe leisten wie früher. Geändert hat sich nur, dass der mittlere bis schlechte Profibereich deutlich breiter geworden ist, was die Renndynamik natürlich beeinflusst. Die individuellen Stärken im Wasser und auf dem Rad werden immer unwichtiger, es geht nur noch darum: Bist du in der Gruppe, fällst du hinten raus, oder kannst du vorn rausfahren? Auf der Kurzdistanz hat sich sicher viel mehr verändert. Die Athleten sind dort deutlich spezialisierter.

Ein, zumindest in der deutschen Triathlonszene, kontrovers ­diskutiertes Thema ist der Konkurrenzkampf ­zwischen Ironman und der Challenge Family. Wie denken Sie darüber?
Konkurrenz belebt das Geschäft – das war immer so und wird auch so bleiben. Meiner Meinung nach ist es aber unsinnig, sich gegenseitig Rennen wegzunehmen, um dann Challenge oder umgekehrt Ironman draufzuschreiben. So entwickeln wir uns nicht weiter. Stattdessen sollten wir lieber Regionen fördern, wo es Triathlon noch nicht gibt. Bei der WTC sehe ich höchstens kleine Bemühungen zu investieren, während der Challenge Family dafür wohl einfach die finanziellen Möglichkeiten fehlen. Den Spruch „we are family“, oder wie der geht, kann ich trotzdem nicht mehr hören. Die Challenge Family will genau wie die WTC Geld verdienen – nichts anderes.

Faris Al-Sultan | In triathlon Nr. 118 spricht der Hawaiichampion von 2005 über seine sportliche und seine private Zukunft.

In triathlon Nr. 118 spricht der Hawaiichampion von 2005 über seine sportliche und seine private Zukunft.

Foto >spomedis

Das vollständige Interview mit Faris Al-Sultan lesen Sie - wie vieles andere mehr - in der aktuellen Ausgabe der triathlon (Februar 2014), die jetzt im Zeitschrifthandel erhältlich ist. triathlon ist außerdem im Abo und digital (für iOS und Android) erhältlich.