Florian Seifert: Gekämpft, gekrampft, gewonnen

Florian Seifert hat seinen Titel beim BerlinMan erfolgreich verteidigt. Der 23-jährige Berliner aus dem Perspektiv-Team Erdinger Alkholfrei gewann sein Heimspiel im Grunewald nach etwas mehr als vier Stunden souverän. Im Interview erzählt Seifert wie er das Rennen erlebt hat und was er sich fürs Saisonfinale auf Rügen vorgenommen hat.

Von > | 31. August 2014 | Aus: SZENE

BerlinMan2014 - 17 | Florian Seifert BerlinMan 2014

Florian Seifert BerlinMan 2014

Foto >Petko Beier / pebe-sport.de

Vor zwei Jahren hatte Florian Seifert im Berliner Grunewald sein Debüt über die Mitteldistanz gefeiert - und auf Anhieb gewonnen. Klar, dass er gern zurückgekehrt ist, um seinen Titel zu verteidigen. 4:00:53 Stunden benötigte der Youngster für 2,2 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 20 Kilometer Laufen und lag im Ziel mehr als zehn Minuten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten. Wir haben nach dem Rennen mit ihm gesprochen.

Florian Seifert, herzlichen Glückwunsch zum zweiten Sieg beim BerlinMan. Wie haben Sie den Renntag erlebt, der so regnerisch und kalt begonnen hat?
Beim Schwimmen bin ich super weggekommen, habe sofort versucht, das Führungskanu anzugreifen. War dann mit einem Trainingskumpel die ganze Zeit vorn. Es lief eigentlich ganz gut. Die Treppen hier sind der absolute Brecher. Wenn man oben ankommt, bekommt man die reinste Laktatdusche. Das Radfahren ist meine Stärke. Allerdings waren die Bedingungen ziemlich hart - vor allem in der ersten Runde. Ich bereite mich aktuell auf den Ironman 70.3 Rügen vor, bin eigentlich austrainiert und auf dem Rad deshalb gar nicht warm geworden - zumindest auf den ersten 20-30 Kilometern.

Sie waren schnell ganz allein vorn. Wie haben Sie sich bei diesen kalten Bedingungen motiviert?
Ich habe die ganze Zeit versucht, warm zu werden. Immer Vollgas. In den Kurven war ich immer extrem vorsichtig. Es lohnt sich einfach nicht, zu viel zu riskieren. Es dann doch nur Triathlon. Und man muss auch auf seine Gesundheit achten. Die Kopfsteinpflasterpassage war ganz schön hart - da haben sich gleich in der ersten Runde mein Lenker und der Auflieger gelöst. Ab der zweiten Runde musste ich dort immer irgendwie rüberschleichen.

Und das Laufen...?
Kontrolliert von vorn, würde ich mal sagen. Ich wusste den Abstand nach hinten nicht genau. Hatte zwar mal was gehört, das aber nur so halb wahrgenommen, weil ich nach dem Radfahren ziemlich unterkühlt und schon ein bisschen blau war. So bin ich die ersten zwei, drei Runden Attacke gelaufen - hintenraus wurde es dann aber ganz schön zäh. Da habe ich Krämpfe bekommen und musste vor allem bergan ein bisschen rausnehmen.

BerlinMan 2014 | Florian Seifert gewinnt den BerlinMan 2014.

Florian Seifert gewinnt den BerlinMan 2014.

Foto >Petko Beier / pebe-sport.de

Die Konkurrenz war heute nicht allzu groß. Welche sportliche Bedeutung hatte der BerlinMan 2014 für Sie?
Ich habe hier vor zwei Jahren meine erste Mitteldistanz gemacht und die sofort gewonnen. Außerdem wollte ich den Hattrick. Ich habe schon Berliner Teammeistertitel, den Kurzdistanztitel und jetzt noch die Mitteldistanz. Da habe ich die drei voll gemacht dieses Jahr und konnte mich damit als bester Berliner behaupten, was für mich relativ wichtig ist. Daz ist es heimatnah. Es waren richtig viele Leute da, die mich angefeuert haben. Dazu sind meine Sponsoren vertreten. Die Strecke ist toll, mit den Anstiegen, die für Berlin schon ziemlich hart sind.

Sie waren heute der einzige im Feld, der Triathlon auf professioneller Ebene betreibt. Und Sie tun das auch erst seit einem Jahr. Wie war die erste Saison?
Ehrlich gesagt war es relativ durchwachsen - auch weil ich ein bisschen Materialpech hatte. Insgesamt ist nochmal ein anderes Format als wenn man in Jedermannrennen unterwegs ist. Ich arbeite noch Vollzeit im Technikbereich am Flughafen Tegel. Wie es jetzt weitergeht, hängt davon ab, wie meine Firma mitspielt und was die Sponsoren sagen. Von heute auf morgen kann ich einfach meinen Job nicht kündigen - ich würde es gern, aber so etwas muss auch ein bisschen wachsen. Ich bin Langdistanztriathlet und da braucht man einfach ein paar Jahre. Man kann nicht gleich mit großen Sponsoren anfangen. Ich glaube aber, dass ich mit dem Erdinger Team ganz gut aufgestellt bin. Die unterstützen mich. Das Team gibt mir den nötigen Rückhalt.

Sie schließen Ihre Saison in zwei Wochen beim Ironman 70.3 Rügen ab. Mit welchen Zielen reisen Sie nach Binz?
Ich will mich dort einfach zeigen. Es sind ja relativ starke Leute da - auch aus meinem Team. Ich bin noch im Perspektivteam und auf dem Sprung zum Profi. Wenn ich die Möglichkeit habe, vorn zu sein, werde ich alles geben, um da zu bleiben. Ich hatte dieses Jahr schon ziemlich viel Materialpech.