Frankfurt: Kienle, Frodeno oder doch ein ganz anderer?

Es ist angerichtet für die zehnte Auflage der Ironman European Championships in Frankfurt. Doch wer holt den Jubiläumstitel? Jan Frodeno und Sebastian Kienle stehen auf vielen Tippzetteln ganz oben. Doch sie werden am Sonntag an ihre Grenzen gehen müssen, um den Römerberg vor Hawaiisieger Frederik van Lierde, Bas Diederen, Clemente Alonso-McKernan und dem Vorjahreszweiten Jan Raphael zu erobern.

Von > | 2. Juli 2014 | Aus: SZENE

Kraichgau 2014 - 18 | ... Ist Sebastian Kienle der Spitzengruppe schon entwischt.

... Ist Sebastian Kienle der Spitzengruppe schon entwischt.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Die Ironman-Europameisterschaften auf das Duell zwischen Sebastian Kienle und Jan Frodeno zu reduzieren, wäre sicher zu einfach. Zudem würde es dem auch neben den beiden Deutschen hochklassigen Starterfeld nicht gerecht. Dennoch werden der 70.3-Doppelweltmeister und der erste deutschen Triathlon-Olympiasieger im Mittelpunkt eines Rennens stehen, dessen Ausgang einmal mehr nur schwer vorherzusagen ist. Zumal mit dem amtierenden Hawaiichampion Frederik van Lierde ein Frankfurt-Rookie am Start steht, dem trotz fehlender Streckenerfahrung alles zuzutrauen ist. Noch immer offen ist der Start von Andreas Raelert, der sich nach dem Citytriathlon Heilbronn für oder gegen Frankfurt entscheiden wollte - sich bisher aber zumindest offiziell noch nicht äußern wollte.

Die Herausforderer

Nur 35 Profis haben für das Rennen der Männer gemeldet - wohl auch, weil Ironman den Verteilungsschlüssel der Punkte für das Kona Pro Ranking angepasst hat und ein fünfter Platz nun weit weniger attraktiv ist als noch im vergangenen Jahr. Letztendlich lässt sich der Kreis der Sieg- und Podestanwärter realistisch auf fünf bis sieben Athleten eingrenzen. Der Franzose Benjamin Sanson, der das Feld nach dem Schwimmen anführen dürfte, gehört nicht dazu. Im Gegensatz zu Bas Diederen, der im vergangenen Jahr für viele überraschend als Dritter auf dem Römerberg ankam. Der Niederländer ist ein starker Schwimmer, der den Rennverlauf vor allem auf der ersten Hälfte der 180 Radkilometer mitgestalten kann. Auch der Spanier Clemente Alonso-McKernan stand in Frankfurt schon einmal auf dem Podium. Beim Sieg des Belgiers Marino Vanhoenacker 2012 verwies der unauffällige Iberer Andreas Raelert dank des schnellsten Marathons aller Starter auf den vierten Platz. Nicht nur deshalb sollte man Alonso-McKernan zumindest im Auge behalten. Gleiches gilt für den Schweizer Ronnie Schildknecht, der Frankfurt kurzfristig in seinen Rennkalender aufgenommen hat, um sich die Chance auf den Hawaiistart zu erhalten. Nach seinem Aus beim Ironman Lanzarote präsentierte sich der 34-Jährige bei der Challenge Kraichgau in Topform - auch, wenn er dem Sieger Sebastian Kienle am Ende nicht genug entgegensetzen konnte. Für Schildknecht gilt einmal mehr die Devise, den Rückstand beim Schwimmen in Grenzen zu halten, um sich in seiner Paradedisziplin in Schlagdistanz zu den anderen schnellen Läufern zu bringen. An einem guten Tag gehört der Schweizer zweifellos auch dazu.

Die Topfavoriten

Dass Frederik van Lierde das Rennen am Römer gewinnen kann, steht außer Frage. Ausgeruht dürfte der Belgier jedenfalls sein. Abgesehen von den Rennen in Abu Dhabi und zwei Mitteldistanzen in Frankreich war der Ironmanweltmeister in der laufenden Saison nur noch beim Extreme Man in Düren am Start. Seine Bilanz: drei vierte Plätze und ein Sieg. Die Stärke Van Lierdes ist, dass er keine Schwäche hat. Und genau das macht den 35-Jährigen so gefährlich - auch und vor allem für die drei, oder im Falle des Start von Andreas Raelert vier, großen Hoffnungen der Gastgeber. In der aktuellen Startliste ist der Rostocker aufgeführt. Ob er am Sonntagmorgen tatsächlich dabei sein wird, bleibt aktuell noch sein Geheimnis. Sollte der Ironman-Europameister von 2010 verzichten, wäre der Ironman Mont-Tremblant (CAN) im August die wohl letzte Option, sich die dringend nötigen Punkte für die Hawaiiqualifikation zu sichern.

Die hat Sebastian Kienle, der das Ranking seit Wochen klar anführt, längst in der Tasche. Für den 70.3-Weltmeister von 2012 und 2013 geht es am Sonntag also weniger um Punkte, sondern vielmehr um den prestigeträchtigen EM-Titel, den er sich selbst zu seinem 30. Geburtstag servieren könnte. Dafür braucht er zunächst eine solide Schwimmleistung. Die scheint nach einem vielversprechenenden Auftakt bei der Challenge Kraichgau möglich. Drei (2013) bzw. viereinhalb Minuten (2012) verlor Kienle in den vergangenen zwei Jahren im Langener Waldsee auf die schnellsten Schwimmer. Je dichter er denen dieses Mal auf die Pelle rückt, desto mehr wird er seinen gefürchteten Raddruck ausspielen können und umso früher wird die Konkurrenz auf dem Rad an ihre Reserven gehen müssen. Normann Stadler - der das Rennen in Frankfurt 2005 gewinnen konnte, glaubt an Kienle. "Er hat es verdient und mein Herz schlägt für ihn", so der zweimalige Ironman-Weltmeister.

Der große Unbekannte

Hinter Jan Frodeno, womöglich Kienles Konkurrent Nummer 1, setzt Stadler dagegen ein Fragezeichen: "Top oder Flop", prognostiziert er dem Olympiasieger von 2012 für das Ironmandebüt. Frodeno hat sich im spanischen Girona auf Frankfurt vorbereitet. Auch,wenn er in den vergangenen Wochen und Monaten nicht müde wurde, zu erklären, wie viel Respekt und Ehrfurcht er vor den 226 Kilometern hat, reist der 32-Jährige mit breiter Brust in die Mainmetropole. Bei seinen drei 70.3-Siegen in Auckland (NZL), Oceanside und St. George (beides USA) entzauberte er alles und jeden. Sicher, ein Ironman ist 113 Kilometer länger. Dennoch wird Frodeno das Rennen entscheidend prägen. Und er wäre nicht der erste, der sein Langdistanzdebüt gewinnt. Gewonnen hat Jan Raphael den Ironman in Frankfurt zwar noch nie - dafür ist er der erfahrendste Profi im Feld. Seit 2007 hat der 34-Jährige kein Rennen verpasst. Seine stolze Bilanz: sechs Top-Ten-Ergebnisse, darunter zwei zweite, ein vierter, zwei fünfte und ein sechter Platz. Auch Raphael hat keine echte Schwäche. Häufig profitiert er von einer guten Schwimmleistung, die ihn auch in Frankfurt meist in eine glänzende Ausgangsposition bringt. Doch Raphael müsste - auch angesichts der überragenden Läufer im Feld - einen perfekten Tag erwischen, um seinen Traum vom EM-Titel wahr werden zu lassen.

Eine ausführliche Rennprognose für die EM-Entscheidung der Männer mit dem Top3-Tipp von Normann Stadler sowie Porträts der Favoriten lesen Sie in triathlon Nr. 123, die aktuell im Zeitschriftenhandel und digital erhältlich ist.

Ironman European Championships 2014 | Männer

Name

Nation

Startnummer

Frederik van Lierde

BEL

1

Jan Raphael

GER

2

Sebastian Kienle

GER

3

Jan Frodeno

GER

4

Andreas Raelert*

GER

5

Johann Ackermann

GER

6

Clemente Alonso-McKernan

ESP

7

Miquel Blanchart

ESP

8

Denis Chevrot

FRA

9

Hannes Cool

BEL

10

Kurt Debouck

BEL

11

Alessandro Degasperi

ITA

12

Martijn Dekker

NED

13

Marc Dülsen

GER

14

Iván Gómez

ESP

15

Yeun Sik Ham

KOR

16

Ivan Jezko

SVK

17

Jens Kaiser

GER

18

Ludovic Le Guellec

FRA

19

Carlos López

ESP

20

Michael Louys

FRA

21

Brendan Naef

CAN

23

Mark Oude Bennink

NED

24

Stefano Paoli

ITA

25

Jens Petersen-Bach

DEN

26

Lukas Polan

CZE

28

Alfred Rahm

GER

29

Evert Scheltinga

NED

30

Hendrik-Jan Verhaegen

BEL

32

Damien With

???

33

Marek Nemcik

SVK

34

Vincent Depuiset

FRA

35

Benjamin Sanson

FRA

36

Ronnie Schildknecht

SUI

38

Bas Diederen

NED

39

  • Start nicht bestätigt
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