Franzosen nutzen Heimvorteil, Ellis siegt im Sprint

Mit einem französischen Doppelsieg bei den Männern und einem Herzschlagfinale zugunsten der US-Amerikanerin Mary Beth Ellis endete die zweite Auflage des Ironman 70.3 Pays d'Aix. Abu-Dhabi-Profi Swen Sundberg verpasste als Vierter das Podium nur um wenige Sekunden.

Von > | 23. September 2012 | Aus: SZENE

Mary Beth Ellis beim Ironman Austria 2011 | Rekord-Debüt: Mary Beth Ellis bleibt beim Ironman Austria 2011 auf Anhieb unter der 9-Stunden-Marke

Rekord-Debüt: Mary Beth Ellis bleibt beim Ironman Austria 2011 auf Anhieb unter der 9-Stunden-Marke

Foto >Steinthaler / triangle events

Weder für die französischen Vorjahressieger Jeanne Collonge und Stéphane Poulat noch für die mitfavorisierten deutschen Profis hat es beim Ironman 70.3 Pays d'Aix zum Titel gereicht. Collonge verlor das Wimpernschlagfinale gegen die US-Amerikanerin Mary Beth Ellis auf dem Zielstrich, Schwimmspezialist Poulat gelang es einmal mehr nicht, seinen Vorsprung aus dem Wasser über die Rad- und Laufstrecke ins Ziel zu retten. Konstantin Bachor gab von einer Erkältung geschwächt schon nach dem Radfahren auf, Swen Sundberg sprang für ihn ein und erkämpfte sich mit einem starken Halbmarathon den vierten Platz. Bei den Frauen waren Heidi Sessner und Silvia Felt schon nach dem Schwimmen chancenlos.

Drei Wochen vor dem Ironman Hawaii diktierte in der südfranzösischen Universitätsstadt zunächst Poulat das Tempo. Schon nach 22 Minuten kletterte der 40-jährige Altmeister wieder aus dem Lac du Peyrolles. Knapp dahinter: Landsmann Francois Chabaud, der schnelle Däne Jacob Petersen und Manuel Küng aus der Schweiz. Swen Sundberg und Konstantin Bachor büßten auf den 1,9 Schwimmkilometern etwas mehr als zwei Minuten auf die Spitze ein. Zuviel, um an diesem Tag in den Kampf um den Titel eingreifen zu können. Bachor, der bei der Challenge in Roth noch mit der schnellsten Radzeit geglänzt hatte, wurde zudem von einer hartnäckigen Erkältung geschwächt und verlor auf den 90 Radkilometern viele weitere Minuten. "Ich habs probiert, aber die Gesundheit muss vorgehen", schrieb der Wolfsburger kurz nach dem Rennen dennoch etwas enttäuscht auf seiner Facebook-Seite. Die Laufschuhe packte er deshalb erst gar nicht aus dem Wechselbeutel. Dabei hatte er nach wenigen Radkilometern noch aussichtsreich im Rennen gelegen und gemeinsam mit Sundberg in einer siebenköpfigen Verfolgergruppe um den Anschluss zu Küng, Petersen und dem zwischenzeitlich enteilten Poulat gekämpft.

Viennot gewinnt Franzosen-Duell

Doch die meisten Konkurrenten bissen sich an der Brechstangen-Taktik des starken Titelverteidigers die Zähne aus. Mit einem konstanten Vorsprung von rund drei Minuten hatte Poulat das Rennen lange Zeit unter Kontrolle und die Verfolger mühten sich vergeblich um eine bessere Ausgangslage fürs Laufen. Allein für Cyril Viennot wurde mit 2:16 Stunden ein schnellerer Radsplit gestoppt. Doch auch der Franzose hatte im Wasser Zeit auf Poulat verloren und kam nur bis auf drei Minuten an den Führenden heran. Viennot, der im April beim Ironman Südafrika als Zweiter einen seiner bisher größten Erfolge gefeiert hatte, wollte sich aber noch nicht geschlagen geben. Schon bei Halbzeit des Laufens schnappte er sich Poulat, der das hohe Tempo seines Landsmanns zwar noch kurz mitgehen konnte, aber wenig später die bessere Tagesform anerkennen musste. So trug sich Viennot nach gut vier Stunden als zweiter Franzose in die Siegerliste des Ironman 70.3 Pays d'Aix ein. Dass er mehr als zwölf Minuten langsamer war als Poulat bei seinem Sieg Vorjahr dürfte ihn wenig gestört haben. Es war der erste 70.3-Titel seiner Karriere. Für Poulat reichte es wie schon in St. Croix nur zu Platz zwei. Den Kampf um den dritten Platz entschied Hervé Banti für sich. Swen Sundberg erwischte den Monegassen nach hartem Kampf auf der Laufstrecke nicht mehr. Der 38-Jährige aus Herzogenaurach muss nun weiter auf das erste 70.3-Podium seiner Karriere warten.

Ironman 70.3 Pays d'Aix | Männer

  1. September 2012, Aix-en-Provence (FRA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Cyril Viennot

FRA

4:01:00

23:55

2:17:35

1:14:29

2

Stephane Poulat

FRA

4:02:03

22:07

2:16:35

1:18:25

3

Hervé Banti

MON

4:03:41

23:13

2:20:17

1:15:23

4

Swen Sundberg

GER

4:04:00

24:05

2:19:24

1:15:27

5

David Dellow

AUS

4:04:34

23:14

2:20:03

1:15:51

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Eliss abgeklärt, Sessner und Felt abgeschlagen

Ähnlich dramatisch wie beim olympischen Sprintfinale zwischen Nicola Spirig und Lisa Nordén ging es nach 113 Kilometern im Profirennen der Frauen zu. Schulter an Schulter spurteten Vorjahressiegerin Jeanne Collonge und die US-Amerikanerin Mary Beth Ellis Richtung Ziellinie. Nach dem Strich waren zunächst selbst die Zeitmesser verwirrt und erklärten etwas voreilig die Französin zur Siegerin. Fünf Minuten später revidierte die Jury das Urteil und erkannte Ellis den Titel zu. Die hatte schon nach dem Schwimmen klar in Führung gelegen, war aber noch vor dem schweren Anstieg zum Col des Portes bei Kilometer 40 von Collonge eingeholt worden. Gemeinsam mit Delphine Pelletier hatte die danach versucht, eine möglichst große Lücke zur laufstarken Siegerin des Ironman New York aufzureißen. Vergeblich, denn Ellis dachte gar nicht daran, Kräfte für den Ironman Hawaii zu sparen und ließ das Duo nicht ziehen. Auch Collonges Attacke auf den ersten Laufkilometern schockte die Frau aus dem Lager von Team-TBB-Coach Brett Sutton nicht. Am Ende entriss sie der Lokalmatadorin den Titel buchstäblich in der letzten Sekunde des Rennens. Regensburg-Siegerin Heidi Sessner und Silvia Felt kassierten im gesamten Rennverlauf mehr als 25 Minuten auf die Besten und landeten abgeschlagen auf den Plätzen zehn und elf.

Ironman 70.3 Pays d'Aix | Frauen

  1. September 2012, Aix-en-Provence (FRA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Mary Beth Ellis

USA

4:25:17

23:15

2:35:16

1:21:11

2

Jeanne Collonge

FRA

4:25:18

25:12

2:33:15

1:21:14

3

Sophie de Groote

BEL

4:29:26

25:26

2:32:56

1:25:17

4

Delphine Pelletier

FRA

4:30:32

25:14

2:33:27

1:26:38

5

Lisa Hütthaler

AUT

4:35:24

25:34

2:37:19

1:26:52

10

Heidi Sessner

GER

4:51:40

27:04

2:50:24

1:28:27

11

Silvia Felt

GER

4:52:45

30:02

2:43:06

1:33:19

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