Frodeno, Kienle, van Lierde, Böcherer, Raelert: heißer Tanz am Main

Es wird wohl nicht nur der längste Tag des Jahres, sondern auch einer der heißesten. Bei der Ironman-EM in Frankfurt gilt das am Wochenende im doppelten Sinne. Zum einen wegen der versammelten Weltklasse bei den Männern. Zum anderen wegen der Wetterprognose.

Von > | 1. Juli 2015 | Aus: SZENE

Ironman 70.3 Barcelona 2015 - 21 | Ironman 70.3 Barcelona 2015

Ironman 70.3 Barcelona 2015

Foto >David Ramos/Getty Images for Ironman

Zugegeben, es fällt leicht beim Gedanken an die Ironman-EM in Frankfurt am Main mit dem Schlagwort "Generalprobe für den Ironman Hawaii" um sich zu werfen. Mit Sebastian Kienle, Frederik van Lierde, Jan Frodeno, Andreas Raelert und Eneko Llanos stehen immerhin gleich fünf Athleten an der Startlinie, die auf Hawaii mindestens schon einmal auf dem Treppchen landeten. Zudem werden in der Bankenmetropole am Wochenende Temperaturen von bis zu 37 Grad Celsius erwartet - auch das erinnert an die Bedingungen im Oktober beim großen Finale auf Big Island. 

Kienle vs. Frodeno?

Allerdings würde man dem Rennen in Frankfurt unrecht tun, wenn man es zum Aufgalopp degradieren würde. Denn die gemeldeten Profis werden das Rennen ernst nehmen - sehr ernst. Für einige von ihnen geht es dabei noch um die Qualifikation für den Ironman auf Hawaii: Raelert und Böcherer brauchen dringend so viele Punkte wie möglich, um im Oktober die Reise nach Hawaii buchen zu dürfen. Mit einem Sieg in Frankfurt wäre die Punktehatz übrigens Geschichte, denn die Gewinner der regionalen Meisterschaften sind in diesem Jahr automatisch qualifiziert. Ein Sieg am Main dürfte allerdings für beide trotz ihrer Klasse schwierig werden. Zu souverän, zu stark präsentierten sich die derzeit ganz großen Stars Sebastian Kienle, Jan Frodeno und Frederik van Lierde aus Belgien in ihren letzten Rennen. Van Lierde hat seine Qualifikation und seinen Ironmansieg in diesem Jahr bereits in der Tasche und wird vielleicht nicht mit letzter Konsequenz zu Werke gehen. Aber wer Frodeno und Kienle kennt, der weiß: Sobald der Startschuss fällt, ist die Freundschaft untereinander für knapp acht Stunden auf Eis gelegt.

Auf dem Papier sind diese beiden die großen Favoriten - zumal sie beide gut mit Hitze umgehen können. Kienle macht sie wenig aus und Frodeno liebt sie geradezu. Je heißer, desto besser. Doch wenn zwei sich streiten, rennt bekanntlich manchmal der Dritte vorbei. Dabei könnte der Konkurrenz zu Gute kommen, dass Kienle und Frodeno eine unterschiedliche Renntaktik verfolgen werden. Frodeno wird beim Schwimmen versuchen, Kienle unter Druck zu setzen. Ein mögliches Neoprenverbot allerdings käme Kienle entgegen, der ohne den Kälteschutzanzug oft besser schwimmt als mit. Das Problem für den Ironman-Weltmeister und Titelverteidiger in Frankfurt: Frodeno wird beim Schwimmen Unterstützung bekommen. Gemeinsam mit Böcherer, dem Esten Marko Albert, van Lierde und Raelert könnte sich eine extrem schnelle Gruppe bilden, die die Nachfolgenden früh in Zugzwang bringen kann.

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Scherbensammler beim Hitzemarathon

Auf dem Rad werden zumindest Böcherer, der sich nach seinem Sieg in Heilbronn mit einer großen Portion Selbstbewusstsein ins Rennen stürzen darf, und Frodeno nicht warten, bis sich die Verfolger sortiert haben. Kienle dagegen wird alles daran setzen, die Lücke so früh wie möglich zu schließen und einen Vorsprung mit in die zweite Wechselzone zu bringen. Am Ende könnte das zu einem so harten Ausscheidungsrennen führen, dass diesem schon früh der eine oder andere Favorit zum Opfer fällt. Dann kommt es darauf an, wer auf dem Rad am wenigsten gelitten hat, wer die Hitze am Main am besten verträgt und wer den Marathon noch einigermaßen anständig laufen kann. Es könnte dann plötzlich die Stunde derjenigen schlagen, die sich auf dem Rad an ihr eigenes Tempo gehalten haben, ohne sich im Kampf ganz vorn aufzureiben. Van Lierde, Raelert, Llanos, Tyler Butterfield von den Bermudas, der Niederländer Bas Diederen oder der italienische Sieger des Ironman Lanzarote, Alessandro Degasperi, wäre solche Kandidaten. Sie könnten spät im Rennen die Scherben aufsammeln, die Böcherer, Frodeno und Kienle möglicherweise in den ersten Rennstunden hinterlassen.