Gegen die Kälte: Twelsiek Zweiter, Brader steigt aus

Triathlonprofi Maik Twelsiek musste sich bei der Premiere des Ironman Lake Tahoe nur dem Australier Chris McDonald geschlagen geben. Boris Stein biss sich bei teils eisigen Temperaturen als Achter durch seine Ironmanpremiere. Christian Brader beendete das Rennen vorzeitig. Beste deutsche Profiathletin im Frauenrennen war Heidi Sessner auf Rang neun.

Von > | 23. September 2013 | Aus: SZENE

Maik Twelsiek | Maik Twelsiek meldet sich mit Platz zwei in der Spitze zurück.

Maik Twelsiek meldet sich mit Platz zwei in der Spitze zurück.

Foto >Michael Rauschendorfer

Die Welt der Langdistanz-Triathleten ist derzeit zweigeteilt: Während sich die einen auf die Ironman World Championship in Hawaii (12. Oktober) vorbereiten, sammeln andere schon fleißig Punkte für die WM im nächsten Jahr. Die "Anderen" - das sind vor allem Profis, die sich in diesem Jahr nicht für Kona qualifizieren konnten und nun beim derzeit beschränkten Star(t)aufgebot leichter punkten können. Nicht, dass Mark Twelsiek den Vergleich mit den Besten scheuen müsste, trotzdem nutzte der deutsche Profitriathlet den Ironman Lake Tahoe, um nach seinem Sieg beim Ironman Wisconsin weitere wichtige Zähler fürs Kona-Pro-Ranking zu sammeln. Für den Lemgoer, der mit seiner Frau, der US-amerikanischen Profitriathletin Hillary Biscay, seit vielen Jahren in Arizona lebt, reichte es an dem Ort, wo vor mehr als 50 Jahren die Olympischen Winterspiele stattfanden, zum zweiten Platz. Gegen die Laufstärke des Australiers Chris McDonald hatte Twelsiek an diesem Tag kein probates Mittel.

McDonald stört Twelsiek-Radshow

Dabei begann das Rennen im US-Bundesstaat Nevada für den 32-Jährigen nach Maß: Mit der Spitzengruppe stieg Twelsiek als Vierter aus dem 16 Grad kühlen Lake Tahoe und positionierte sich damit ideal für seine stärkste Disziplin. Die folgenden 180 Radkilometer hatten es in sich. In der Höhe von knapp 2.000 Metern mussten die Athleten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zwischen Lake Tahoe und Squaw Valley rund 1.800 Höhenmeter überwinden. Genau das richtige für Twelsiek, der seine Klasse zuletzt vor zwei Wochen bei seinem Ironmansieg in Wisconsin eindrucksvoll bewiesen hatte. Dort deklassierte er die versammelte Konkurrenz mit der Tagesbestzeit. Auch am Lake Tahoe glänzte der deutsche Profiathlet auf dem Rad - doch einer war besser: Chris McDonald. Der nahm Twelsiek zwar die schnellste Radzeit des Tages ab, schaffte es aber trotzdem nicht als Erster in die Wechselzone. Eineinhalb Minuten lagen beim zweiten Wechsel zwischen den beiden Führenden.

Auf der Laufstrecke hielt der Ostwestfale das Tempo von Beginn an hoch. Wohl wissend, dass ihm der laufstarke Australier im Nacken sitzt. Der startete eher verhalten auf die 42,195 Kilometer - fand danach aber Kilometer für Kilometer besser ins Rennen - und lief im Gegensatz zum Deutschen ein gleichmäßigeres Tempo. Kurz nach der Halbmarathonmarke kam es dann zum Showdown und Twelsiek, dem nun merklich die Kräfte schwanden, musste McDonald vorbei- und davonziehen lassen. Zweifellos steckten ihm noch die 226 Rennkilometer vom Ironman Wisconsin von vor zwei Wochen in den Knochen. McDonald hingegen, der nach seinem Sieg in Louisville zwei Wochen mehr Regenerationszeit hatte, machte nach knapp neun Stunden seinen zweiten Ironmansieg binnen vier Wochen perfekt. Twelsieks Krokodilstränen dürften spätestens beim Blick aufs aktuell Kona Pro Ranking schnell getrocknet sein. Mit seinen 1.600 Zählern schob er sich im Ranking an Sebastian Kienle vorbei auf Platz zwei.

Brader geht K.O.

Christian Brader wollte am Lake Tahoe alles richtig machen. Deshalb reiste der 33-Jährige bereits 16 Tage vor Rennbeginn mit guter Form im Gepäck Richtung Kalifornien, um sich in der Höhe nicht erst während des Rennens zu akklimatisieren. Aber auch wenn man vermeintlich alles richtig macht, lässt sich im Sport nicht jedes Detail steuern. So fiel Brader eine Woche vor Rennbeginn einer leichten Erkältung anheim, die drei Tage vor dem Rennen überstanden schien. Beim Radfahren spürte der Memminger, das dem nicht so war. "Ich war mit meinem Puls an der Grenze des gesundheitlich Machbaren", schrieb er nach dem Rennen auf seiner Facebook-Seite. Trotz extrem kalter Höhenluft schaffte es Brader noch bis zum zweiten Wechsel, wo er sich dazu entschloss, das Rennen vorzeitig zu beenden. "Die Atemwege machten dicht, meine Lunge brannte, Luft bekam ich nur sehr mühsam", schilderte er. Brader wollte alles richtig machen - und letztlich tat er das - trotz Rennabbruch. "Ich bin nicht gerade glücklich über mein DNF, aber ich glaube, es war die einzig richtige Entscheidung."

Stein im Spagat auf Platz acht

Zwei Wochen nach dem 15. Platz bei der Ironman-70.3-WM in Las Vegas wagte sich Boris Stein auf seine erste Langdistanz. Als Tourist sei er nicht nach Kalifornien gereist, sagte er im Vorfeld, schränkte gleichwohl die Erwartungshaltung ein. Auch im Wissen, dass der Traningsspagat zwischen Mittel- und Langdistanz nur sehr schwer zu meistern ist. Zudem habe Las Vegas Kraft und - wie er es auf seiner Facebookseite formuliert - Gesundheit gekostet. Umso erfreulicher für den 28-Jährigen aus Eitelborn: Er finishte seine Premiere bei extremen Bedingungen auf dem achten Platz. Er habe das Optimale herausgeholt, resümierte er zufrieden.

Ironman Lake Tahoe | Männer

  1. September 2013, Lake Tahoe (Kalifornien/USA)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

1

Chris McDonald

AUS

8:55:14

54:54

4:55:42

2:59:40

2

Maik Twelsiek

GER

8:57:53

51:47

4:55:55

3:03:33

3

Joe Gambles

AUS

9:02:55

51:39

5:02:43

3:02:24

4

Kirill Kotsegarov

EST

9:04:39

54:57

4:59:36

2:59:23

5

Kevin Taddonio

USA

9:09:09

1:01:26

5:05:30

2:52:59

8

Boris Stein

GER

9:13:02

59:27

5:01:08

3:05:23

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Verloren in der Wechselzone

Die am Lake Tahoe herrschenden Kühlschranktemperaturen machten der Schwedin Asa Lundstrom nichts aus. Die 29-Jährige, deren Lieblingsdisziplin das Radfahren ist, überzeugte mit einer sehr ausgeglichenen Performance in allen drei Disziplinen. Ebenso ausgeglichen präsentierte sich auch die Zweitplatzierte, die Französin Jeanne Collonge, die in allen drei Disziplinen ein paar Sekunden schneller war, das Rennen aber dennoch mit knapp einer Minute Rückstand verlor - und zwar in der Wechselzone. Denn dort ließ sie beim ersten Wechsel rund zwei, beim zweiten nochmal eine Minute liegen. Rang drei sicherte Catriona Morrison aus Schottland, die wie Boris Stein vor zwei Wochen in Las Vegas startete und dort Vierte wurde. Als beste Deutsche klassierte sich Heidi Sessner auf dem neunten Platz. Nach einem starken Auftakt im Wasser, verlor die Siegerin des Ironman Regensburg von 2012 auf dem Rad etwa 40 Minuten. Zu viel, noch ernsthaft ins Renngeschehen an der Spitze eingreifen zu können.

Ironman Lake Tahoe | Frauen

  1. September 2013, Lake Tahoe (Kalifornien/USA)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

1

Asa Lundstrom

SWE

9:58:53

1:01:27

5:34:39

3:16:54

2

Jeanne Collonge

FRA

9:59:43

1:01:18

5:33:21

3:16:01

3

Catriona Morrison

GBR

10:03:38

1:00:02

5:44:27

3:10:57

4

Elizabeth Lyles

USA

10:08:41

1:01:18

5:51:12

3:09:05

5

Angela Naeth

CAN

10:10:47

1:00:42

5:35:57

3:24:18

9

Heidi Sessner

GER

11:01:10

1:01:19

6:14:47

3:37:45

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