Gerüchte um Ironman

Die Gerüchte verdichten sich, dass die chinesische Dalian Wanda Group an einer Übernahme der World Triathlon Corporation (WTC), dem Lizenzinhaber der Marken Ironman und Ironman 70.3, interessiert ist. Gespräche mit dem jetzigen Besitzer, Providence Equity Partners, soll es bereits gegeben haben und auch ein Angebot in Höhe von 850 Millionen US-Dollar.

Von > | 12. August 2015 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 2013 - Queen K Highway - 05 | Queen K Highway

Queen K Highway

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Es sind die berühmten Spatzen, die es von den Dächern pfeifen: Ein mächtiges chinesisches Unternehmen will die World Triathlon Corporation kaufen. Die weltweite Serie von Ironman- und Ironman-70.3-Wettkämpfen würde fortan als Geschäftsmodell für die Dalian Wanda Group funktionieren. Dass Dalian Wanda die nötigen Mittel dazu hätte, daran besteht kein Zweifel. Und auch der Zeitpunkt für einen Verkauf seitens Providence Equity Partners an einen neuen Investor scheint plausibel. Schon Anfang diesen Jahres wurde entweder über einen Börsengang der WTC oder eben den Verkauf des Unternehmens spekuliert. Was hinter den Spekulationen steckt, ist bisher nicht bekannt. Eine offizielle oder ernstzunehmende Stellungnahme ist offen. Genauso unbestätigt ist die Vermutung, dass die Dalian Wanda Group eine Summe in Höhe von 850 Millionen US-Dollar geboten haben soll, um die World Triathlon Corporation und alle Rennen unter dem roten M-Dot ihr Eigen nennen zu können.

Milliarden-Deal mit Sportrechtevermarkter Infront

Die Dalian Wanda Group ist ein chinesisches Investment-Unternehmen. Zum Portfolio von Dalian Wanda zählt unter anderem die größte Kinokette der Welt (AMC Theaters, USA; Wanda Cinemas, CHN; Hoyts Group, AUS). Im sport-wirtschaftlichen Bereich betätigt sich das Unternehmen, das von Wang Jianlin 1988 gegründet wurde, seit 1994: Sechs Jahre lang war Dalian Wanda Hauptsponsor des Dalian Shide F.C. – der Fußball Club gewann in dieser Zeit viermal die Meisterschaft in der höchsten chinesischen Liga. Mit dem „China’s Future Football Stars“-Projekt startete 2013 eine Initiative, die es mit einem Sponsoring in Höhe von etwa 32,5 Millionen US-Dollar 30 jungen Fußballern ermöglicht, sowohl zur schulischen als auch sportlichen Ausbildung für drei Jahre nach Spanien zu gehen – immerhin das teuerste Sponsoring in der Geschichte der Nachwuchsförderung seit 1949. Anfang dieses Jahres wurden außerdem 20 Prozent der Besitzanteile am spanischen Fußball Club Atlético Madrid erworben. Den größten Coup jedoch landeten die Chinesen im Februar 2015, als sie den Schweizer Vermarkter für Sportrechte "Infront" für mehr als eine Milliarde US-Dollar kauften. Infront ist unter anderem verantwortlich für die Vermarktung der Rechte an den Olympischen Winterspielen sowie der FIFA-Fußball-WM und des DFB-Pokals. Vorsitzender von Infront ist nach wie vor der Sepp Blatter-Neffe und mehrfache Ironman-Finisher Philippe Blatter.

Ironman-EM Frankfurt 2015 | Wechselt die Marke Ironman bald den Besitzer?

Wechselt die Marke Ironman bald den Besitzer?

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Eine Übernahme durch den chinesischen Investor könnte den Triathlon-Sport im Allgemeinen und die Marke Ironman im speziellen langfristig prägen. In China wurde der Marktwert von sportlichen Events und deren Vermarktung längst erkannt und dabei spielen vor allem die USA und Europa eine entscheidende Rolle. Auch die Erschließung neuer Märkte, zum Beispiel in Asien, dürfte so schneller, einfacher und effektiver umsetzbar sein. Die großen Investitionen der Dalian Wanda Group in den Leistungssport und die Nachwuchsförderung könnten darüber hinaus ein Indiz dafür sein, dass sich auch die Strukturen für Profi-Triathleten verändern. Noch handelt es sich um unbestätigte Gerüchte. Sie treten allerdings so geballt auf, dass man davon ausgehen darf, das sie mehr als nur ein Körnchen Wahrheit beinhalten.