Hauschildt entthront Cave, Bazlen Fünfte

Mit einer eindrucksvollen Radleistung und einem überragenden Halbmarathon hat Melissa Hauschildt den 70.3-WM-Titel im Sturm zurückerobert. Selbst ein Radsturz konnte die Australierin auf ihrem Siegeszug durch den Regen von Nevada nicht stoppen. Heather Jackson und Annabel Luxford folgten ihr aufs Podium, Svenja Bazlen wurde bei ihrem WM-Debüt Fünfte.

Von > | 8. September 2013 | Aus: SZENE

Svenja Bazlen | Svenja Bazlen auf der Radstrecke der Ironman-70.3-WM 2013 in Las Vegas.

Svenja Bazlen auf der Radstrecke der Ironman-70.3-WM 2013 in Las Vegas.

Foto >Silke Insel / spomedis

Man könne einen Triathlon beim Schwimmen nicht gewinnen, aber sehr wohl verlieren - lautet eine in der Szene immer wieder bemühte Weisheit. Bei der dritten und vorerst letzten 70.3-Weltmeisterschaft vor den Toren von Las Vegas bewiesen gleich zwei Profifrauen, dass das eine Floskel ist, deren Wahrheitsgehalt so groß ist, wie die Wahrscheinlichkeit, dass es Anfang September in Las Vegas regnet. Zum Leidwesen der Athleten hatten sich die Meteorologen in Nevada mit ihren Prognosen gründlich vertan. Statt 40 Grad im Schatten und Sonnencreme-Alarm prasselte schon vor dem Start heftiger Regen auf das illustre Starterfeld nieder. Melissa Hauschildt (AUS) und Heather Jackson (USA) ließ das trübe Wetter aber ähnlich kalt, wie die bereits erwähnte Weisheit zum Thema Schwimmen.

Das große Jagen

Dreieinhalb Minuten Rückstand kassierte Hauschildt, eine frühere 3.000-Meter-Hindernisläuferin auf den 1.900 Schwimmetern im Lake Las Vegas. Jackson brauchte für die Auftaktdisziplin sogar noch eine  Minute länger. Und während es sich die Australierin Annabel Luxford, Titelverteidigerin Leanda Cave und drei weitere schnelle Schwimmerinnen in der Aeroposition gemütlich machten, mussten Hauschildt und Jackson über ihre Taktik nicht lange nachdenken. Jackson ließ ihren Rückstand nach vorn schon auf den ersten acht Kilometern um zwei Minuten schrumpfen. An der Spitze hatten sich mittlerweile auch Svenja Bazlen und Lisa Nordén eingefunden, die beim Schwimmen etwas überraschend den Anschluss zu Cave & Co. verloren. Danach schien das Trio mit erfolgreicher Kurzdistanz-Vergangenheit die Sache im Griff zu haben. Vor allem Luxford bemühte sich um die Tempoarbeit und darum, schwimmschwächeren 70.3-Spezialistinnen wie Hauschildt und Jackson das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Doch Hauschildt, die in dieser Saison neben dem Abu Dhabi Triathlon auch die WM über die ITU-Langdistanz gewann, lag schon an der Wende bei Radkilometer 50 nur noch eine Minute hinter den Führenden. Cave hatte ihren Titel zu diesem Zeitpunkt bei einem Rückstand von mehr als drei Minuten längst abgeschrieben. Ganz anders Hauschildt: 30 Kilometer vor dem zweiten Wechsel schloss die Australierin zu Nordén, Bazlen und Landsfrau Luxford auf. Im Wissen, trotz kraftraubender Aufholjagd immer noch die stärkste Läuferin dieses Quartetts zu sein, hätte sie nun noch noch mit Richtung Wechselzone rollen müssen. Genau das tat sie aber nicht. Stattdessen waren es die neuen Begleiterinnen, die sich hinter ihren schmalen Schultern versteckten. Wenig später gelang so auch 70.3-Europameisterin Daniela Ryf noch der Anschluss nach vorn.

Schrecksekunde und Stand-Down-Strafen

In einer Rechtskurve hätte Hauschildts Mission WM-Titel dann beinahe noch eine heftigen Dämpfer erhalten. Wenige Kilometer vor dem Wechsel rutschte der 30-Jährigen auf der noch immer nassen Straße das Hinterrad weg. Doch der Schreck dauerte nur wenige Sekunden. Dann hüpfte Hauschildt wieder aufs Rad und machte weiter, wo sie zuvor aufgehört hatte. Als Luxford und Nordén kurz darauf noch in die Penalty-Box zitiert wurden, war die alte Reihenfolge im Rennen wieder hergestellt. Unbedeutende 13 Sekunden vor Luxford schnürte Hauschildt nach etwas mehr als drei Stunden Renndauer die Schuhe, die sie danach zu ihrem zweiten WM-Titel nach 2011 trugen. Schon nach der ersten der 13,1 Meilen war allen an der Strecke klar, dass an diesem Tag nur eine den Titel gewinnen kann. Meile um Meile büßten die bemitleidenswerten Konkurentinnen Sekunden und Minuten ein. Bei Halbzeit lag Luxford schon dreieinhalb, Bazlen bereits mehr als fünf Minuten zurück. Längst hatten die beiden da erkannt, dass sie sich eher nach hinten als nach vorn orientieren mussten. Denn von da stürmten nicht nur Paradiesvogel Heather Jackson, sondern auch die nimmermüde Schottin Cartriona Morrison heran, um ihnen das WM-Podium noch streitig zu machen.

Bazlen musste kurz drauf zunächst den dritten Platz an Jackson und auf der Zielgeraden auch noch den vierten Platz an Morisson abtreten. Nach der technischen Panne und dem vorzeitigen Aus in Wiesbaden dennoch ein versöhnlicher Abschluss der ersten 70.3-Saison der Tübingerin. Mehr als versöhnlich endete das Rennen für Heather Jackson. Nach den Plätzen fünf, vier und drei in den Jahren 2010, 2011 und 2012 setzte die 29-Jährige ihre faszinierende Serie mit einem zweiten Platz fort. Der auf den Thron zurückgekehrten 70.3-Weltmeisterin Hauschildt und den anderen dürfte nun klar sein, auf wen sie bei der WM im kommenden Jahr in Mont-Tremblant ganz besonders achten sollten. Annabel Luxford krönte ihre erste Saison auf der Mitteldistanz mit WM-Bronze. Morisson katapultierte sich mit der zweitschnellsten Laufzeit des Tages noch vom achten Platz nach dem Radfahren auf Rang vier nach vorn.

Ironman 70.3 World Championship | Frauen

  1. September 2013, Henderson (USA)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Melissa Hauschildt

AUS

4:20:07

29:19

2:25:08

1:21:37

2

Heather Jackson

USA

4:25:19

30:08

2:28:48

1:22:55

3

Annabel Luxford

AUS

4:25:59

25:59

2:28:38

1:27:24

4

Catriona Morrison

GBR

4:27:50

30:07

2:31:32

1:21:49

5

Svenja Bazlen

GER

4:27:52

27:16

2:28:32

1:28:07

6

Daniela Ryf

SUI

4:28:46

28:31

2:28:48

1:27:30

7

Lisa Hütthaler

AUT

4:29:58

28:30

2:30:51

1:26:33

8

Lisa Nordén

SWE

4:31:44

27:15

2:31:10

1:29:06

9

Kelly Williamson

USA

4:32:30

26:14

2:40:16

1:22:13

10

Heather Wurtele

CAN

4:33:11

28:36

2:34:51

1:25:33

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