Hauschildt und Symonds überraschen, Frommholds Flucht scheitert

Die Australierin Melissa Hauschildt und Jeffrey Symonds aus Kanada haben sich überraschend die Titel bei den Ironman Asia Pacific Championship in Melbourne geholt. Symonds verwies die Australier Van Berkel und Kahlefeldt auf die Plätze, der lange Zeit führende Nils Frommhold wurde hinter Christian Kramer Fünfter. Hauschildt setzte sich beim Laufen gegen Yvonne Van Vlerken und Caroline Steffen durch. Mareen Hufe wurde gute Elfte.

Von > | 22. März 2015 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 2014 - Radfahren - 15

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Die weit verbreitete These, man könne einen Ironman beim Schwimmen nicht gewinnen, sehr wohl aber verlieren, erhielt bei der vierten Auflage des Ironman Melbourne zumindest einen kleinen Dämpfer. Denn sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen setzten sich am Ende Athleten durch, die nach den 3,8 Schwimmkilometern schon scheinbar abgeschlagen zurücklagen, sich auf den verbleibenden 222 Rennkilometern aber durchs gesamte Feld kämpften und am Ende als Erste das Zielbanner in die Höhe recken durften.

Frommhold flüchtet

Im Rennen der Männern hieß der Glückliche an diesem Tag Jeffrey Symonds. Nur als 20. - mit einem Rückstand von mehr als vier Minuten stieg der Kanadier nach knapp 50 Minuten auf sein Bike. Und an der Spitze übernahmen zunächst genau die das Kommando, von denen man das vor dem Rennen auch erwartet hatte. Marko Albert (EST), die Australier Brad Kahlefeldt, Luke Bell und Todd Skipworth sowie Nils Frommhold wühlten sich in etwas mehr als 45 Minuten durchs Wasser und machten sich gemeinsam auf die 180 Radkilometer. Doch Albert, Kahlefeldt und Skipworth sahen schon nach ein paar Kilometern nicht mal mehr das Hinterrad ihrer beiden Konkurrenten. Denn Bell und Frommhold legten ein Tempo vor, das alle anderen in einer Art Schockstarre versetzte. Überragende 4:19:08 Stunden standen für den gebürtigen Potsdamer am Ende der zweiten Disziplin zu Buche, sein australischer Mitstreiter war nur minimal langsamer. Beide waren rund acht Minuten schneller als der Leipziger Per Bittner und Tim Van Berkel (AUS), die noch am ehesten mit dem Duo mithalten konnten. Doch sie alle schienen nach 184 Rennkilometern so gut wie geschlagen. Auch Symonds hatte beim zweiten Wechsel noch elf Minuten Rückstand das Führungsduo - normalerweise zu viel, um den Sechsten des Ironman Hawaii 2014 noch abzufangen. Doch es kam alles anders.

Zwölf Kilometer fehlen

Bell hatte sich bei seinem Husarenritt komplett übernommen, brauchte für den Marathon am Ende fast genauso lange wie für die 180 Radkilometer und landete weit abgeschlagen auf dem 15. Platz. Anders Frommhold: Der verteidigte sein Polster auf den ersten zehn Kilometern souverän. Doch danach begann der Deutsche zu straucheln und sein Vorsprung bröckelte mit jedem Kilometer. Zwölf Kilometer vor dem Ziel lagen Van Berkel und Symonds dann nur noch wenige Meter hinter ihm und legten sich den immer müder werdenden 28-Jährigen für den Angriff zurecht. Der hatte diesem dann nicht mehr allzu viel entgegenzusetzen und ließ das Duo ziehen. Schon kurz darauf setzte der Kanadier dann auch schon die entscheidende Attacke zum Sieg an. Am Ende gewann er die fünfte Langdistanz seines Lebens in persönlicher Bestzeit von 8:04:29 Stunden und mit dreieinhalb Minuten Vorsprung auf Timothy Van Berkel. Brad Kahlefeldt sicherte sich mit der zweitschnellsten Laufzeit des Tages den dritten Platz. Bester Deutscher war im Ziel dann nicht etwa der angriffslustige Frommhold, sondern Christian Kramer. Der schob sich noch an seinem Landsmann vorbei auf Rang vier und darf sich nun berechtigte Hoffnungen auf einen weiteren Hawaiistart machen. Auch Bittner schaffte noch den Sprung unter die besten Zehn. Jan Raphael verpasste die Top Ten um 22 Sekunden und wurde in 8:27:03 Stunden Elfter.

Ironman Melbourne | Männer

  1. März 2015, Melbourne (AUS)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Jeffrey Symonds

CAN

8:04:29

49:40

4:27:30

2:44:14

2

Timothy Van Berkel

AUS

8:07:57

48:06

4:27:17

2:49:20

3

Brad Kahlefeldt

AUS

8:09:21

45:29

4:31:00

2:49:15

4

Christian Kramer

GER

8:11:31

46:47

4:29:25

2:51:27

5

Nils Frommhold

GER

8:12:58

45:28

4:19:08

3:04:48

6

Callum Millward

NZL

8:14:16

46:57

4:29:04

2:54:12

7

Jan Van Berkel

SUI

8:21:41

46:53

4:29:07

3:01:53

8

Marko Albert

EST

8:21:49

45:19

4:31:04

3:02:10

9

Per Bittner

GER

8:25:17

49:41

4:27:31

3:04:42

10

Jens Petersen-Bach

DEN

8:26:41

49:47

4:33:42

2:59:40

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Hauschildt überrascht im Wasser

Auch bei den Frauen setzte sich nach 226 Rennkilometern eine Athletin durch, die in der Auftaktdisziplin fast vier Minuten auf die schnellsten verloren hatte. Das war für Melissa Hauschildt allerdings eine durchaus beachtliche Leistung, denn sie galt bis dato als eine der schwächeren Schwimmerinnen im Profizirkus. Dass sie nur vier Minuten auf Ex-Kurzdistanzprofi Annabel Luxford verlieren würde, hatten ihr nur die Wenigsten zugetraut. Auch auf Caroline Steffen, die zweimalige Melbourne-Siegerin, büßte Hauschildt beim zweiten Ironman ihrer Karriere gerade einmal zwei Minuten ein. An ihrer Seite fand sich auf den ersten Radkilometern dann keine geringere ein, als ihre Landsfrau und dreifache Ironmanweltmeisterin Mirinda Carfrae. Die schien das Rennen allerdings nicht mit letzter Konsequenz zu bestreiten und ließ Hauschildt schnell ziehen. Die schnellsten Radzeiten zauberten die Niederländerin Yvonne Van Vlerken und Ex-Radprofi Emma Pooley in den australischen Asphalt. Van Vlerken war sogar noch einige Sekunden schneller als Pooley und schob sich damit nach mäßiger Schwimmzeit noch in den Bereich der Podestplätze. Ganz vorn hatte nach dem Radfahren allerdings Caroline Steffen ihren dritten Erfolg fest im Blick.

Van Vlerken sprintet Steffen aus

Gemeinsam mit Luxford schlüpfte die Schweizerin in ihre Laufschuhe. Doch schon nach wenigen Kilometern war klar, dass Luxford beim ersten Ironman ihrer Karriere einige australische Dollar Lehrgeld zahlen würde. Ähnlich wie Landsmann Luke Bell gingen ihr die Kräfte aus. Zumindest reichte es bei ihr aber noch für für den sechsten Platz. Kaum mehr als 15 Kilometer waren gelaufen, als die überragende Melissa Hauschildt den Traum von Caroline Steffen platzen ließ. Ohne sich lange aufzuhalten, zog sie vorbei und lief das Rennen danach souverän nach Hause. Mit ihrer Siegerzeit von 8:52:51 Stunden reihte sie sich zudem in den Kreis der Sub9-Finisherinnen ein. Das gelang Yvonne Van Vlerken schon zum wiederholten Mal. Ehrfurchtsvolle sechs Minuten nach Hauschildt freute sich die Niederländerin über den zweiten Platz. Erst wenige Meter vor dem Ziel war die spurtstarke Van Vlerken noch an Steffen heran- und vorbei gelaufen. Die hat nach zwei Siegen in Melbourne nun auch zwei dritte Plätze auf ihrem Konto. Mareen Hufe, die einzige deutsche Profistarterin, verpasste die Top Ten als Elfte nur um zweieinhalb Minuten. 

Ironman Melbourne | Frauen

  1. März 2015, Melbourne (AUS)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Melissa Hauschildt

AUS

8:52:51

54:44

4:48:01

3:06:32

2

Yvonne Van Vlerken

NED

8:58:58

59:52

4:44:28

3:10:54

3

Caroline Steffen

SUI

8:59:08

52:43

4:45:38

3:16:40

4

Asa Lundström

SWE

9:02:49

1:00:00

4:48:10

3:10:37

5

Beth Gerdes

USA

9:05:08

1:00:22

4:55:13

3:05:56

6

Annabel Luxford

AUS

9:08:35

51:22

4:47:12

3:26:07

7

Mirinda Carfrae

AUS

9:08:35

54:44

5:00:58

3:08:39

8

Ashley Clifford

USA

9:19:00

54:48

5:04:59

3:15:21

9

Emma Pooley

GBR

9:20:29

1:08:45

4:44:33

3:21:47

10

Bree Wee

USA

9:21:56

52:43

5:00:06

3:24:43

11

Mareen Hufe

GER

9:24:33

1:00:23

4:48:08

3:32:16

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