Hecht will Schildknechts Siegesserie beenden

Seit 2007 ist Ronnie Schildknecht beim Ironman Switzerland ungeschlagen. Am Sonntag möchte der Schweizer in Zürich zum sechsten Mal in Folge gewinnen, bekommt es in Mathias Hecht jedoch mit einem hochmotivierten Landsmann zu tun, der ihn im Vorjahr lange Zeit unter Druck setzte. Bei den Frauen geht Nikki Butterfield aus Australien als Favoritin ins Rennen.

Von > | 12. Juli 2012 | Aus: SZENE

MathiasHecht_Porträt2012_tbb | Mathias Hecht  startet seit dieser Saison für das Team TBB des Australiers Brett Sutton.

Mathias Hecht startet seit dieser Saison für das Team TBB des Australiers Brett Sutton.

Foto >Team TBB

Für Ronnie Schildknecht nahm der letztjährige Ironman Switzerland einen ungewohnten Verlauf. War es der 32-Jährige bei seinem Heimrennen eigentlich gewöhnt, bereits nach dem Radpart in Führung zu liegen, musste er damals einem gut dreiminütigen Rückstand hinterherlaufen, den ihm Mathias Hecht zuvor mit einer beherzten Solo-Flucht in den ersten beiden Disziplinen aufgebrummt hatte. Dass es für Schildknecht letztlich doch zum fünften Sieg in Folge reichte, verdankte der Schweizer seinem starken Marathon – über 13 Minuten knöpfte er Hecht auf den vier Laufrunden entlang des Zürichsees noch ab.

Über den sechsten Titel nach Hawaii

Am Wochenende möchte der mehrfache Ironman-Sieger seiner Erfolgsgeschichte das sechste Kapitel hinzufügen – und seine Chancen stehen gut. Bereits Anfang April beendete Schildknecht den hochkarätig besetzten Ironman 70.3 Texas mit Laufbestzeit (1:13:27 Stunden) auf dem dritten Rang, genau wie die leicht verkürzte Mitteldistanz von Heilbronn vor drei Wochen. Dort überzeugte der Eidgenosse vor allem auf dem Rad, als er sich selbst von Ausnahmekönner Sebastian Kienle nicht abschütteln ließ. Etwas anders lautet seine Strategie für Sonntag. „Mathias (Hecht) wird sicher in den ersten beiden Disziplinen attackieren – ich muss meinen Rückstand nach dem Schwimmen also in Grenzen halten. Auf dem Rad mache ich mein eigenes Ding, läuferisch traue ich mir dann noch einen 2:45-Stunden-Marathon zu“, erklärt Schildknecht sein Rezept gegenüber tri-mag.de.

Neben dem Sieg geht es für den 32-Jährigen in Zürich aber noch um mehr: das Ticket für die Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii. Genau 3.100 Punkte weist sein Kona-Pro-Ranking-Konto aktuell aus. Zu wenig, um sich in der ersten Qualifikationsphase für Kona zu empfehlen. Im Falle einer vorderen Platzierung sähe dies ganz anders aus. Maximal 2.000 Punkte sind am Wochenende zu holen – laut Schildknecht „sollte ein Top-5-Rang punktemäßig jedoch schon reichen“.

Hecht will den Sieg, Kona kann warten

Für seinen Hauptkonkurrenten Mathias Hecht ist das Thema Hawaii momentan noch zweitrangig. „Mein Trainer und ich haben noch nicht entschieden, ob ich dieses Jahr nach Kona gehe“, sagt er gegenüber tri-mag.de. Stattdessen hat sich der 32-Jährige nach längerer Verletzungsperiode erfolgreich auf den Auftritt vor heimischem Publikum konzentriert. „Meine Vorbereitung verlief nach Plan. Ich konnte jetzt sechs Monate beschwerdefrei trainieren und musste nicht eine einzige Einheit aussetzen – das gab es vor dem Ironman Switzerland noch nie für mich“, freut sich Hecht. Entsprechend selbstbewusst formuliert er auch sein Ziel: „Ich will den Sieg.“ Für dieses Vorhaben möchte Hecht die 180 Radkilometer um Zürich etwas defensiver angehen als noch 2011. Es ginge ihm nicht darum, den Radrekord zu brechen, erklärt er. „In Zürich muss ich vor allem schnell laufen, denn Ronnie ist ein ganz großes Kaliber.“ Dem Team-TBB-Athleten könnte in die Karten spielen, dass neben ihm eine Reihe weiterer starker Schwimmer an den Start gehen, die das Rennen schon in der ersten Disziplin schnell machen und Topfavorit Schildknecht damit früh unter Druck setzen können.

Schnelles Rennen von Beginn an?

Einer von ihnen ist Jan van Berkel. Der 26-jährige Kurzdistanz-Spezialist verpasste zuletzt den Sprung ins niederländische Olympia-Team und bestreitet am Sonntag nach nur acht Wochen Vorbereitung seine erste Langdistanz. Dass er die 3,8 Kilometer im Zürichsee ganz vorn beenden kann, steht außer Frage. Viel interessanter wird sein, wie er die für ihn ungewohnt lange Renndauer verkraften wird. Gleiches gilt für den einheimischen Kurzdistanzler Manuel Küng. Im Gegensatz zu van Berkel kann der 24-Jährige nach Platz neun in Rapperswil jedoch immerhin schon Mitteldistanz-Erfahrung vorweisen. Auf eine vordere Platzierung hoffen zudem der Ungar Balasz Csoke, zuletzt Siebter beim Ironman Austria, die beiden Eidgenossen Mike Schifferle und Stefan Riesen sowie Christian Brader aus Deutschland.

Butterfields zweiter Versuch

Bei den Frauen steht die Australierin Nikki Butterfield, Siegerin des Abu Dhabi International Triathlons 2012, als Favoritin am Start. Nur eine Woche nach ihrem frühzeitigen Ausstieg beim Ironman in Frankfurt – nach zwei Reifenschäden hatte sie das Rennen in der Mainmetropole nach 100 Radkilometern beenden müssen – möchte die 30-Jährige in Zürich nun die verpassten Punkte für das Kona Pro Ranking einfahren. Die Ex-Profi-Radfahrerin trifft dort unter anderem auf die Vorjahresdritte Erika Csomor aus Ungarn, die Britin Bella Bayliss und Regula Rohrbach (SUI), 2011 Vierte am Zürichsee. Um eine Top-5-Platzierung kämpfen am Sonntag auch Amanda Stevens aus den USA und Eidgenössin Simone Brändli. Deutschland wird beim einzigen Ironman der Schweiz von Katja Rabe und Conny Dauben vertreten.