Helfen und siegen: Chris Lieto in doppelter Mission

Triathlonprofi Chris Lieto hat sich für seinen Saisonauftakt eine richtig „harte Nuss“ ausgesucht: Denn die größte Herausforderung des Israman Triathlon ist nicht sein Streckenprofil, sondern das kaum kalkulierbare Wetter in der Negev-Wüste. Abseits der Rennstrecke wirbt Lieto mit viel Herzblut für sein Hilfsprojekt „More than Sport“. Sportliche Werbung in eigener Sache will der Deutsche Marc Pschebizin am Freitag machen.

Von > | 23. Januar 2013 | Aus: SZENE

Israman | Radfahrer beim Israman

Radfahrer beim Israman

Foto >Willem Konrad

Kaum ein anderer Triathlon hat in seiner bisherigen Geschichte derart viele unterschiedliche Wetterbedingungen erlebt wie der Israman. Mal sind es Hitze und extremer Wind, die den Athleten auf dem Wüstenkurs alles abverlangen, in einem anderen Jahr fegen Regen, Hagel- und Sandstürme über die Strecken und machen die 226 Kilometer in und um den Urlaubs- und Badeort Eilat zusätzlich schwer. Wetterkapriolen gehören beim Israman einfach dazu. Eins steht vor der neunten Auflage jedenfalls fest: das Abenteurrennen im Süden Israels gehört nicht umsonst zu den härtesten Langdistanzen der Welt. Eine Herausforderung, der sich am Freitag auch der US-Amerikaner Chris Lieto erstmals stellen will.

Mehr als Sport

Und die Chancen des 40-Jährigen stehen gut, sich seinen Nahost-Trip mit dem ersten Titel nach über 20 sieglosen Monaten zu versüßen. Im April 2011 stand der Radspezialist beim Ironman 70.3 Texas zuletzt auf dem Siegerpodest. Seitdem plagten den Hawaii-Zweite von 2009 chronische Achillessehnenschmerzen, die ihn unter anderem auch den Start in Kona kosteten. Im Dezember 2012 ließ Lieto beim Ironman 70.3 Laguna Phuket wieder alte Stärken aufblitzen - auch wenn es am Ende nur für Platz sieben reichte. In Eilat dürfte deutlich mehr herausspringen. Zum einen, weil der selektive Radkurs durch das Gebirge der Negev-Wüste für ihn maßgeschneidert ist. Außerdem bekommt es der dreifache Ironmansieger mit Konkurrenten zu tun, die normalerweise nicht in seiner Liga spielen. Der ehemalige Weltcup- und Bundesligastarter Luc van Es (NED), der israelische Vorjahreszweite Avishay Raviv und Es´ Landsmann Maarten van Kooij werden Lieto womöglich nur am Start und im Ziel begegnen. Neben dem sportlichen Teil ist Lieto auch noch in einer anderen Mission in Eilat unterwegs: Er wirbt für sein Hilfsprojekt "More than Sport". Das hat der gläubige Christ 2010 ins Leben gerufen, um auch den Menschen Zugang zum Sport zu bieten, die von den Millionen, die die Triathleten jedes Jahr in den Wettkampforten lassen, zu wenig oder gar nicht profitieren. Das Engagement ist zeitintensiv und hat möglicherweise auch die eine oder andere Trainingseinheit gekostet. Wie sich das auf das Rennen am Freitag auswirkt, muss man abwarten.

Pschebizin will den zweitem Titel

Im Rennen über die Langdistanz ist der deutsche Profi Marc Pschebizin favorisiert. Auch, weil der zehnfache Sieger des legendären Inferno-Triathlons schon weiß, wie man die lange Wüstentortur gewinnt. 2011 landete der 39-Jährige in 9:43:03 Stunden ganz vorn. Einen Sieg in Eilat kann auch Tom Mamarelli vorweisen. Allerdings benötigte der Israeli bei seinem Titelgewinn 2012 über 40 Minuten mehr als Pschebizin und dürfte damit an einem normalen Tag nichts gegen den Deutschen ausrichten können. Anders der tschechische Vielstarter Petr Vabrousek: Auch wenn der den Kurs am Roten Meer erstmals in Angriff nehmen wird. Im Rennen der Frauen könnte Irena Mazin ihren Vorjahrestitel vor heimischem Publikum verteidigen - auch wenn das, zumindest auf der Strecke, nur äußerst spärlich für Stimmung sorgen dürfte.

Der Israman wurde 1999 zum ersten Mal ausgetragen. Gerade einmal 26 Teilnehmer nahmen damals an der wind- und wetteranfälligen Triathlon-Langdistanz in der Krisenregion in Vorderasien teil. Seitdem hat sich das Rennen kontinuierlich weiterentwickelt, sodass es am kommenden Freitag trotz vierjähriger Pause zwischen 2002 bis 2005 zum neunten Mal veranstaltet wird. Dann werden sich auf Mittel- und Langdistanz mehr als 1.000 Athleten aus 17 Nationen der Herausforderung Israman stellen.