Henderson hält Wort

Die neue Zeitrechnung für die WM im Ironman 70.3 beginnt mit einem alten Bekannten. Wie schon in Clearwater 2006 gewann der Australier Craig Alexander auch die Premiere in Henderson. Seine Landsfrau Melissa Rollison dagegen ist die Neuentdeckung des Jahres.

Von > | 12. September 2011 | Aus: SZENE

Craig Alexander | Craig Alexander auf der Radstrecke

Craig Alexander auf der Radstrecke

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Ja, der neue Wettkampf im Südosten von Las Vegas ist WM-tauglich. Und: Nein, auch 930 Höhenmeter auf der Radstrecke reichen heute offenbar nicht mehr aus, um ein faires Rennen zu garantieren, wenn die Athleten es nicht selber wollen. Doch anders als in Clearwater, wo die WTC-eigenen Race Marshalls das Treiben in den vergangenen Jahren meistens hilf- und autoritätslos mitansehen mussten, leisteten sie zumindest bei den Profis in Henderson ganze Arbeit und erledigten, was der 60 Kilometer lange und durchaus anspruchsvolle Streckenabschnitt entlang des Nordufers des Lake Mead nicht schaffte. Fast die Hälfte der Top-15 der Männer traf sich so 100 Meter vor der zweiten Wechselzone zum vierminütigen Smalltalk im Penalty-Zelt, so dass an der Spitze der Kreis der Sieganwärter auf ein Trio zusammenschrumpfte.

Craig Alexanders Lieblingsdistanz

Grund für die starke Mischung war die Vorverlegung der Ironman-70.3-WM auf das zweite Septemberwochenende vier Wochen vor dem Ironman Hawaii. Halbdistanz-Spezialisten wie Paul Ambrose (GBR), Alessandro Degasperi (ITA) oder Filip Ospály (CZE) trafen auf Top-Ten-Kandidaten des Ironman Hawaii: Chris Lieto, Andy Potts (beide USA) oder den zweifachen Hawaiisieger Craig Alexander. Der bezeichnet die halbe immer noch als seine Lieblingsdistanz - und sollte das eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Wie erwartet führte nach dem 1,9 Kilometer langen Auftakt im badewannenwarmen Lake Las Vegas zunächst der ehemalige Spitzenschwimmer Potts. Doch der 70.3-Weltmeister von 2007 scheint derzeit in einer Formkrise zu stecken, hatte dann auch noch Pannenpech und sollte mit dem weiteren Titelkampf nichts mehr zu tun haben. Früher als erwartet konnte sich so Potts' Landsmann Chris Lieto an die Spitze setzen und den Vorsprung auf eine größere Verfolgergruppe schnell auf mehr als drei Minuten ausbauen. Dass es nicht noch mehr wurde, war ausgerechnet Craig Alexander zuzuschreiben, der auf der zweiten Hälfte der Radstrecke im Verfolgerfeld die Hauptarbeit leitete. Eine Rolle, in der man den laufstarken Australier in den vergangenen Jahren seltener beobachten konnte. Doch Alexander wollte sich vier Wochen vor den Ironman World Championship ernsthaft testen, vielleicht auch mit einer starken Leistung auf dem Rad ein Signal an seinen größten Konkurrenten um den Hawaiisieg senden: den Deutschen Andreas Raelert, der nach der Ochsentour für die Qualifikation im Kona Pro Ranking in Henderson fehlte.

Lieto wehrt sich

Eine Runde lang, ein Drittel der mit 200 Höhenmetern ebenfalls welligen Laufstrecke, schien es, als könne Lieto den Angriff Alexanders abwehren, nur 30 Sekunden büßte er auf den gut sieben Kilometern ein. Doch dann wurden die Schritte des 39-jährigen Amerikaners kürzer und zum Ende der zweiten Runde war Alexander bereits heran. Seine 1:11:50 Stunden für den Halbmarathon bedeuteten Tagesbestzeit - und wohl auch einen deutlichen Fingerzeig in Richtung Hawaii am 8. Oktober. Lieto konnte mit einem verbissenen Kampf letztlich zumindest noch den Angriff des jungen Kanadiers Jeff Symonds abwehren und belohnte sich für sein mutiges Rennen mit dem Vizeweltmistertitel.

Laufwunder Melissa Rollison

Auch die Britin Julie Dibens versuchte, auf dem Rad den zum Sieg nötigen Abstand zu ihren stärksten Verfolgerinnen herauszufahren, vor allem ihre Landfrau Leanda Cave, die Schweizerin Karin Thürig und die australische Nachwuchshoffnung Melissa Rollison schienen sie unter Druck zu setzen. Cave durch ihre Augeglichenheit, Thürig als die zweifellos stärkste Radfaherin der Szene und Rollison als ehemalige Laufspezialistin. Die Australierin hat vor der WM erst drei 70.3-Rennen bestritten - und alle als Siegerin beendet. Ihre Halbmarathon-Bestzeit: 1:16 Stunden.

Dass es der 28-Jährigen auf dem Rad gelingen würde, ihren fast dreiminütigen Rückstand nach dem Schwimmen auf zwei Minuten zu reduzieren, war eine Überraschung. Nach nicht einmal fünf Laufkilometern lag die ehemalige 3.000-Meter-Hindernisläuferin dann bereits in Führung, während Dibens auch Thürig noch passieren lassen musste, die als Dritte mit knapp vier Minuten Rückstand das Radfahren beendet hatte. Das war zu viel für die ehrgeizige Britin, die am Ende der zweiten Laufrunde entnervt ausstieg und der US-Amerikanerin Linsey Corbin den letzten Platz auf dem WM-Podium überließ. 

Ironman World Championship 70.3, Frauen

  1. September 2011, Henderson (USA)

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

Gesamt

1

Melissa Rollison

AUS

28:27

2:27:57

1:21:14

4:20:55

2

Karin Thürig

SUI

33:01

2:24:05

1:25:15

4:26:52

3

Linsey Corbin

USA

29:19

2:31:07

1:25:23

4:29:25

4

Heather Jackson

USA

29:31

2:33:06

1:24:27

4:30:21

5

Joanna Lawn

NZL

27:59

2:33:52

1:27:22

4:33:08

6

Leanda Cave

GBR

25:40

2:36:29

1:28:21

4:33:57

7

Heather Wurtele

CAN

27:28

2:33:47

1:30:26

4:35:36

8

Emma-Kate Lidbury

GBR

26:29

2:38:56

1:27:01

4:36:14

9

Christie Sym

AUS

29:17

2:32:19

1:31:48

4:36:52

10

Michelle Wu

AUS

28:04

2:38:15

1:26:55

4:37:03

...

13

Simone Benz

SUI

26:29

2:38:22

1:32:38

4:41:37

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Ironman World Championship 70.3, Männer

  1. September 2011, Henderson (USA)

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

Gesamt

1

Craig Alexander

AUS

24:45

2:14:47

1:11:50

3:54:48

2

Chris Lieto

USA

24:51

2:10:36

1:18:55

3:58:03

3

Jeff Symonds

CAN

24:47

2:16:54

1:13:33

3:58:42

4

Michael Weiss

AUT

27:57

2:12:57

1:14:09

3:59:11

5

Joe Gambles

AUS

24:45

2:15:09

1:16:50

4:00:00

6

Paul Matthews

AUS

24:27

2:15:45

1:17:12

4:00:26

7

Raynard Tissink

RSA

24:57

2:17:31

1:14:50

4:00:53

8

Tim Berkel

AUS

26:33

2:14:44

1:17:04

4:02:01

9

Luke Bell

AUS

24:53

2:15:14

1:20:18

4:04:03

10

Alessandro Degasperi

ITA

25:23

2:16:28

1:19:59

4:05:09

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