Hinter dir kommen nur noch die Haie

Der Hoala Swim ist die offizielle Eröffnung des Wettkampfgeschehens beim Ironman Hawaii. Eine Woche vor dem Start des Ironman wird das Testrennen auf der Schwimmstrecke ausgetragen. Ein Erlebnis, das einen Bericht verdient.

Von > | 5. Oktober 2014 | Aus: SZENE

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Ironman Hawaii 2014 - Hoala Swim 2

Foto >Sina Horsthemke

Wer die erste Disziplin des Ironman Hawaii ein wenig sanfter erleben will als am Renntag, muss nur ein bisschen trainieren, dann die Kreditkarte zücken, und schon kann es losgehen. Seit dem vergangenen Jahr gibt es dafür den Hoala Training Swim. Eine Woche vor dem Ironman ist dieser Wettkampf das offizielle Testrennen auf dem Schwimmkurs über 2,4 Meilen, also 3,86 Kilometer. Nach einem gelungenen Auftakt im Vorjahr sind es an diesem frühen Samstagmorgen fast 400 Teilnehmer, die sich bei der Anmeldung am Pier in die Schlange stellen. Nachdem die 35 Dollar Startgebühr abgeleistet sind, gibt es eine Nummer auf die beiden Oberarme, eine rote Schwimmkappe und einen Zeitnahme-Transponder. Es ist das Starterkit für ein erstes Ironman-Feeling.

Per Hupe auf den Weg geschickt

Natürlich ist der Rennmorgen kein Vergleich mit dem wahnsinnigen Erlebnis, das es für die Aktiven in einer Woche geben wird. Dann flitzen sie morgens wie angestochen durch die Wechselzone, nervös, auf der Suche nach einer Toilette, das Startnummernband bereit legend, noch mal die Reifen aufpumpend. Am Morgen des Hoala Swim ist es am Pier dagegen völlig entspannt. Das Rennen wird sogar um zehn Minuten verschoben, weil die Schlange an der Anmeldung so lang ist. Der Autor dieses Textes kann es sich an diesem also gut leisten, völlig zu verschlafen, gerade noch so eben die Nachmeldung zu schaffen und dann von gut gelaunten Volunteers mit guten Wünschen zum Pier geschickt zu werden. Die Stimme von Ironman-Legende und Moderator Greg Welch ist durch die Lautsprecher gut zu hören rund um die imaginäre Startlinie, die 200 Meter vom Ufer entfernt in der Bucht gezogen ist. Von hier geht es auch am nächsten Samstag los.

Während der Verschlafene von hinten an das breit aufgereihte Feld herankrault und versucht, den Körper auf „wach“ einzustellen, verkündet eine Hupe den Start. Imposant sieht das Gepflüge der Arme im Wasser aus, wobei das kein Vergleich zu dem Spektakel ist, das es hier erst beim Ironman geben wird. Verglichen dazu ist es so, als würde man in der Küche einen Mixer mal auf Stufe 1 und mal auf Stufe 3 durch die Schlagsahne laufen lassen. Stufe 1 ist geradezu entspannend.

Brasilianer macht das Rennen

Im Vorjahr hatte der Australier Pete Jacobs den Kurs in schmalen 50 Minuten heruntergeprügelt, allein war er in die Minibucht hinter dem King-Kameha-Rennhotel gekrault, um hier an den feinen kleinen Strand zu spurten. Diesmal ist Jacobs‘ Frau Jamielle am Start, die in diesem Jahr in Roth ihre erste Langstrecke absolviert hat. In 59 Minuten kommt sie als 26. des Gesamtfeldes sogar noch vor der deutschen Profi-Athletin Astrid Ganzow aus dem Wasser, die ebenfalls zum Spaß am Start ist. Überhaupt sind einige bekannte Namen am Start, neben aktuellen Profis wie der Schottin Catriona Morrison, Ben Hoffmann (USA), Michael Weiss (Österreich) oder Fraser Cartmell aus Großbritannien sind auch Ikonen wie Paula Newby-Fraser am Start. Und neben dem CEO der World Triathlon Corporation (WTC) auch die "Kona Boys" Frank Wechsel und Nis Sienknecht, die den Autor dieser Zeilen früh genug gewarnt hatten, dass er trainieren möge. Den Sieg schnappt ihnen allen der Brasilianer Rafael Goncalfes in starken 48:10 Minuten weg.

Ironman Hawaii - Joala Swim 2 | Der schnellste Mann am ersten Wettkampftag in Kona: Brasilianer Rafael Goncalfes ist nach 48:10 Minuten im Ziel.

Der schnellste Mann am ersten Wettkampftag in Kona: Brasilianer Rafael Goncalfes ist nach 48:10 Minuten im Ziel.

Foto >Sina Horsthemke

Es gibt an diesem Morgen wahnsinnig viele, vor allem innere Erkenntnisse zu machen. Um es nicht unnütz in die Länge zu ziehen: da wäre einmal das Thema Salzwasser. Es ist durchaus ein Unterschied, ob ein Schwimmen im einem stark salzhaltigen Ozean 800 Meter lang ist oder eben gut 3 Kilometer länger. Mentale Fähigkeiten sind hier gefragt, wenn man zum Beispiel denkt, dass an der nächste Boje schon die Wende für den Rückweg ist. Aber dann stellt sich eben raus, wenn man hochschaut zwischen den Wellen, dass da noch drei weitere Bojen gesteckt sind. Angesichts der vielen Schwimmer, die dir auf dem Weg zur (echten) Wendeboje entgegen kommen, stellst du dir die Frage: Wer soll hinter dir eigentlich noch kommen außer die Haie?  

Ein Erlebnis, eine Gratulation und eine Herausforderung

Das Erlebnis des Hoala Swim prägt sich jedenfalls ein an diesem schönen Morgen in Kona. Zwischendurch pflügt mal ein Profi vorbei, der gefühlt eine Stunde später gestartet ist und außer Konkurrenz kurz im Training den Kurs runterspurtet. Am Strand warten dann neben Moderator Greg Welch und einem netten kleinen Frühstücksbuffet die Kollegen, die artig – ich vermute: mitleidig – gratulieren. Sie sehen so aus, als würden sie schon ein Stündchen hier stehen, wahrscheinlich haben sie schon mehrere Tassen Kona Coffee intus. Es sei ihnen gegönnt, der Hoala Swim hat trotz einigen Rückstands großen Spaß gemacht. Schade eigentlich, nächsten Samstag nur Zaungast sein zu dürfen. Und den lieben Kollegen, die mich so gnadenlos versenkt haben, sei gesagt: Während ihr euren Triumph auskostet, fordere ich die Herren Frank Wechsel und Nis Sienknecht offiziell zur Revanche heraus: Morgen laufen wir. Mann gegen Mann, den Marathonkurs! Oder nächstes Jahr, falls ihr dann nicht verschlaft.