"Ich rechne mit einem schnellen Rennen"

Andreas Raelert ist der unumstrittene Star des Ironman Austria. Der Rostocker spricht im Interview davon, dass er die Startnummer 1 im Rennen am Sonntag würdig tragen will, aber an einen möglichen Weltrekord denkt er nicht.

Von > | 29. Juni 2013 | Aus: SZENE

Andreas Raelert, Regensburg | Andreas Raelert, Regensburg

Andreas Raelert, Regensburg

Foto >Michael Rauschendorfer / www.triaphoto.com

Nicht ganz ohne Hintergedanken haben die Organisatoren des Ironman Austria Andreas Raelert die Startnummer 1 zugeteilt. Obwohl er als Neuling in den österreichischen Klassiker am Wörthersee startet, gilt der Rostocker beim 15. Geburtstag des Rennens als Topfavorit. Andreas Raelert selbst möchte vor dem Jubiläumswettkampf in Klagenfurt die Erwartungen eher dämpfen.

Andreas Raelert, mit sehr schellen Rennen beim Ironman Austria 70.3 und Ihrem Sieg bei der letztjährigen Challenge Walchsee haben Sie in der Vergangenheit bereits sehr gute Erfahrungen in Österreich gemacht. Mit welchem Gefühl gehen Sie in den Ironman in Klagenfurt?
Vor allem mit Spannung und viel Vorfreude. Ich bin bereits Anfang der Woche nach Kärnten gereist und konnte diese schöne Region dadurch bereits ein bisschen auf mich wirken lassen. Ich habe grundsätzlich auch eine enge Verbundenheit zu Österreich – aufgrund der vielen Trainingslager und schönen Wettkämpfe wie beispielsweise St. Pölten, die ich hier bereits erleben durfte. Sportlich habe ich nach vier tollen Jahren beim Ironman in Frankfurt und der Challenge Roth für diesen Sommer auch nach einer neuen Erfahrung gesucht. Ich persönlich freue ich mich sehr auf den bekanntermaßen schnellen Rennkurs in Klagenfurt.

Klagenfurt ist ja bekannt als topografisch durchaus anspruchsvolles Rennen, vor allem aber auch durch sehr schnelle Siegerzeiten. Gibt es eine klare Zielsetzung?
Persönlich bin ich zum ersten Mal in Klagenfurt und kenne das Rennen nur vom Hörensagen. Der Ironman Austria genießt einen herausragenden Stellenwert unter den Athleten, unabhängig davon, ob es sich um Profis oder Agegrouper handelt. Was die Organisation, den Streckenverlauf oder auch die Atmosphäre angeht, habe ich bislang nur Gutes gehört – insbesondere auch, was das Wetter angeht. Das möchte ich nun selbst erleben. Ich bin bereits sehr angetan von der Gastfreundschaft, mit der ich hier in Klagenfurt empfangen worden bin. Ich möchte mich am Sonntag darauf konzentrieren, um den Titel zu kämpfen.

Marino Vanhoenacker erfüllte sich 2011 den Traum des offiziellen Ironman-Rekordes in Klagenfurt, 7:45:58 Stunden. Sie legten selbst eine Woche danach in Roth 7:41:33 Stunden aufs Parkett und sind seither der schnellste Athlet auf der Langstrecke. Ist Vanhoenackers Zeit ein großes Thema?
Marino hat hier vor zwei Jahren ein phänomenales Rennen absolviert. Es war eine nahezu perfekte Performance, der ich allergrößte Bewunderung schenke. Ich weiß selbst auch sehr gut einzuschätzen, wie hervorragend alles bei meinem Rennen damals in Roth zusammengepasst hat. Aber es ist schwer, solche herausragenden Momente eines Sportlerlebens zu wiederholen, allein aufgrund der immer sehr unterschiedlichen Bedingungen. Der Traum für Sonntag ist natürlich, die Acht-Stunden-Schallmauer zu durchbrechen. Ich denke, dass dies auch notwendig sein wird, um das Rennen gewinnen zu können. Mit Marinos Bestmarke möchte ich mich aber vorab nicht auseinandersetzen. Meine größte Priorität besteht darin, dass ich versuchen möchte, das Rennen zu gewinnen. Wenn man einen perfekten Tag hat, dann kann jeder Sieg mit einem Streckenrekord nur noch versüßt werden – oder sogar mit einer Weltbestzeit.

Der klare Saisonschwerpunkt liegt auf der Ironman-Weltmeisterschaft in Kona, Klagenfurt ist aber der wichtige Sommerschritt dorthin. Wie ist Ihre Form?
Ich bin sehr optimistisch für das Rennen, auch wenn ein durchweg geradliniger Formaufbau in den vergangenen Monaten nicht immer möglich war. Mich haben kleinere Handicaps über die erste Phase der Vorbereitung begleitet, und ich habe bei meinen Ironman-70.3-Rennen in New Orleans gemerkt, dass noch kleinere Hausaufgaben zu erledigen waren. Aber daran habe ich zusammen mit unserem neuen Trainer Wolfram Bott gezielt gearbeitet. Ich bin aus diesem Grund sehr zuversichtlich, dass ich hier in Klagenfurt eine Performance zeigen kann, die dem Niveau der letzten drei Jahre entspricht.

Als Titelverteidiger haben Sie bei der Challenge Kraichgau einen sehr harten Tag erlebt, nachdem Sie kurz zuvor eine Kiefer-Operation über sich ergehen lassen mussten. Wie wirkt die Generalprobe für Klagenfurt im Rückblick auf Sie?
Es war wirklich ein sehr harter Tag für mich – aber trotzdem war es wieder unglaublich, bei dieser Atmosphäre und der großartigen Unterstützung durch alle Zuschauer und das Organisationsteam im Kraichgau teilgenommen zu haben. Vor dem Start war ich auch recht optimistisch, aber es sollte einfach nicht sein. Glücklicherweise ist alles gut verheilt, und ich konnte nach dem Rennen rasch wieder ins Training einsteigen.

Der Ironman Austria ist unter anderem bekannt für einen schnellen Rennstart. Welchen Rennverlauf erwarten Sie?
Ich rechne mit einem Tempodiktat auf dem Rad und einem insgesamt schnellen und aufregenden Rennen – und das wahrscheinlich von Beginn an. Für mich lautet die Maßgabe deshalb von Beginn an, nicht den Anschluss zu verlieren und das Rennen offensiv mitzugestalten und in der entscheidenden Phase im Marathon noch Reserven mobilisieren zu können. Was den Auftakt angeht, denke ich, dass der Este Marko Albert mit Sicherheit schon im Schwimmen dem Rennen seinen Stempel aufdrücken wird. Dazu kommen gute Schwimmer wie Maik Twelsiek und Philip Graves, die es beim Radfahren nicht gerade locker angehen werden. Da rechne ich mit einem richtig hohen Tempo der beiden. Für mich bedeutet dies, dass ich am Sonntag von Beginn an hoch konzentriert sein muss.