"Ich traue mir zu, einen Ironman zu gewinnen"

Mit dem sechsten Platz beim Ironman Melbourne hat Triathlonprofi Per Bittner seine Ambitionen auf einen Startplatz beim Ironman Hawaii untermauert. Der 28-Jährige weiß, dass noch ein Stück bis ganz nach vorn fehlt - am nötigen Ehrgeiz dort irgendwann mitzumischen, fehlt es dem laufstarken Sachsen aber nicht.

Von > | 1. April 2013 | Aus: SZENE

Per Bittner | Per Bittner

Per Bittner

Foto >R. Little / FinisherPix.com

Per Bittner, zwei Jahre nach Platz 16 beim Ironman-Debüt in Frankfurt sind Sie in Melbourne Sechster geworden. Im Ziel wirkten Sie dennoch nicht richtig glücklich. Wie fällt das Fazit des zweiten Ironman ihrer Karriere aus – hatten Sie sich am Ende sogar noch mehr ausgerechnet?
Mein Fazit fällt auf jeden Fall positiv aus. Vor dem Rennen habe ich von einer Top8-Platzierung geträumt - jetzt bin ich Sechster geworden. Dass ich im Ziel nicht richtig glücklich aussah, lag vielleicht lag daran, dass das Rennen nicht perfekt für mich lief und ich weiß, dass ich noch besser sein kann. Ich habe einen großen Schritt gemacht seit meinem ersten Ironman in Frankfurt. Das sieht man nicht nur an der Platzierung. Man lernt bei jedem Ironman Rennen dazu und irgendwann hat man dann sein perfektes Rennen.

Sie waren 2011 und 2012 vor allem in der Challenge-Serie erfolgreich. Wo ordnen Sie den 6. Platz von Melbourne im Vergleich zum Sieg in Barcelona 2012 und den Podiumsplätzen ein? Welche Wertigkeit hat dieses Ergebnis für Sie?
Der Ironman Melbourne hat eine sehr hohe Wertigkeit für mich, etwa wie mein neunter Platz in Roth 2012 oder der 2. Platz in Barcelona 2011. Auch weil die äußeren Bedingungen nicht optimal waren und der Reisefaktor eine extra Rolle gespielt hat. Bei einem topbesetzten Feld kann ich noch nicht ganz vorn mitspielen, aber ich traue mir jetzt schon zu, einen Ironman zu gewinnen.

2.240 Punkte gab es für den sechsten Platz in Melbourne, Sie liegen als 38. des Kona Pro Rankings gut im Rennen Richtung Hawaii. Wo werden Sie 2013 noch starten und wie schätzt Sie Ihrer Chancen ein, im Oktober zum ersten Mal in Kona dabei zu sein?
Ich denke 2.240 Punkte sind für das erste Rennen eine sehr gut Ausbeute. Ein ähnliches Rennen in Frankfurt und ich habe das Ticket für Hawaii. Das klingt natürlich einfacher als es ist. Zusätzlich werde ich noch bei drei oder vier 70.3-Rennen in Europa starten. Welche das sind, steht noch nicht hundertprozentig fest - vielleicht gehe ich nach Mallorca und Berlin. Ich schätze, dass man in diesem Jahr mehr als 4.000 Punkte für die Qualifikation braucht, weil alle Athleten mehr Rennen machen werden. Aber wenn Frankfurt gut für mich läuft, rechne ich fest mit Kona.

Sie sind mit den Plätzen sieben und sechs in Abu Dhabi und Melbourne vielversprechend in Ihre dritte Profisaison gestartet? Es scheint als wären Sie der Weltspitze einen weiteren Schritt näher gekommen. Wo sehen Sie sich unter all den Topathleten?
Ich merke, dass es vorwärts geht und, dass ich mich weiterentwickle - im Wettkampf, aber auch im Training. Zurzeit läuft es richtig gut. Ich hatte eine verletzungsfreie Vorbereitung und es ist noch früh in der Saison. Ich bin schon auf einem guten Niveau - weiß aber auch, dass ich mich noch weiter steigern kann. Zu den Topathleten fehlt mir in allen drei Disziplinen noch ein Stück. Das haben mir die 20 Minuten Rückstand auf den Sieger in Melbourne (Eneko Llanos, Anm. d. Red.) gezeigt. Sollte es dann im Oktober auf Hawaii zum Gipfeltreffen kommen, bei dem alle Topathleten am Start sind, wird sich zeigen wo ich stehe.

Beim Blick in die Ergebnisliste von Melbourne fällt auf, dass Sie im Wasser und beim Laufen schon ganz vorn mitmischen können. Was fehlt noch, um irgendwann auch auf dem Rad die Pace der schnellsten mitgehen zu können – woran wollen Sie hauptsächlich arbeiten?
Auch im Wasser und beim Laufen fehlt mir noch ein bisschen was, um ganz vorn dabei zu sein. Dass das Radfahren meine größte Schwäche ist, ist kein Geheimnis. Ich hoffe, dass der Schnee hier schnellstmöglich verschwindet, sodass ich wieder auf die Straße kann. Um mich auf dem Rad schneller zu machen, wird sich mein Coach Joseph Spindler sicher noch ein paar nette Programme einfallen lassen. Ich denke auch, dass ich einfach noch ein paar Jahre brauche, um mehr Radkilometer zu sammeln. Insgesamt sind wir aber auf einem guten Weg.