"Ich will mich für Hawaii qualifizieren"

Der tschechische Triathlet Filip Ospaly hat in den letzten Jahren eine erfolgreiche Verwandlung durchgemacht. Von der Kurzstrecke hat er sich bis zum Ironman vorgewagt - und bei seinem Debüt in Florida im November 2013 mit einer Zeit unter acht Stunden verblüfft. Wir sprechen mit dem Multitalent über seine Pläne für 2014.

Von > | 6. März 2014 | Aus: SZENE

Filip Ospaly siegt in Haugesund | Favoriten-Sieg: Filip Ospaly gewinnt beim 70.3 Haugesund

Favoriten-Sieg: Filip Ospaly gewinnt beim 70.3 Haugesund

Foto >FinisherPix

Herr Ospaly, Sie waren sehr erfolgreich auf der Kurzdistanz unterwegs und haben dann schrittweise auf die langen Distanzen umgesattelt. War das so geplant?

Ja, natürlich. Als ich auf der olympischen Distanz noch gute Ergebnisse erzielt habe, gab es keinen Grund, etwas zu ändern. Aber mir war auch klar, dass ich mit zunehmendem Alter gegen den Nachwuchs keine Chance mehr haben würde. Als dann im Jahr 2009 das ITU-Reglement geändert wurde, bin ich von Kurzdistanzen mit Windschattenfreigabe zu kurzen Rennen ohne Windschattenfreigabe und Mitteldistanzen gewechselt. Bis zum Ironman war es dann nur noch eine Frage der Zeit.

Und den ersten haben Sie gleich unter acht Stunden gefinisht. Nach Sebastian Kienle sind sie erst der Zweite, dem das gelungen ist. Was war das für ein Gefühl?

Mein erster Ironman lief einfach nur perfekt. Vom Start bis zum Finish konnte ich meine eigene Pace durchziehen, hatte keine Krise, und mit einer Zeit von unter acht Stunden kann man ja zufrieden sein. Vor dem Start wusste ich, dass das Schwimmen für mich leicht wird, und dass ich, wenn nichts Unerwartetes passiert, als Erster aus dem Wasser komme. Auf dem Fahrrad ist das wichtigste, genügend zu essen und zu trinken. Deshalb hat es mich auch nicht gestört, als mich Andrew [Starykowicz] nach 20 Minuten überholt hat. Ich bin die ersten drei Stunden mit Axel Zeebroek gefahren, und jede Stunde hat ein anderer die Führung übernommen. Als mich Axel nach drei Stunden ablösen sollte, habe ich gemerkt, dass er gar nicht mehr hinter mir war. Ich bin dann dreißig Minuten alleine gefahren, bis mich eine Gruppe überholt hat. An der habe ich mich für eine halbe Stunde orientiert, bis mir klar wurde, dass die Pace zu hoch war. Ich musste ja noch meinen ersten Marathon laufen. Wäre es eine Mitteldistanz gewesen, wäre die Geschwindigkeit kein Problem gewesen, aber ich wusste, dass ich frisch für den Marathon in die zweite Wechselzone kommen wollte. Ich habe die Gruppe ziehen lassen und bin für die letzten 25 Minuten mein eigenes Tempo gefahren. Ich habe so zwar zwei Minuten auf die Führungsgruppe verloren, aber bei Kilometer fünf der Laufstrecke war ich bereits auf dem fünften Platz. Beim Laufen habe ich dasselbe durchgezogen wie auf dem Rad: Ich habe für meine regelmäßige Energiezufuhr die Uhr im Auge behalten und mich auf das Finish gefreut. Das Ergebnis und die Gesamtzeit waren während des Rennens nicht meine oberste Priorität - mein Ziel war nur, meinen ersten Ironman zu knacken und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lang eine Langdistanz sich anfühlt.

Und? Haben Sie sich in die Langdistanz verliebt?

Nein! Direkt nach der Ziellinie habe ich mir gesagt: "Das war furchtbar!" Aber nach ein paar Tagen habe ich meine Meinung geändert, und jetzt will ich mich für Kona qualifizieren. Meine Paradedistanz soll aber die Mitteldistanz bleiben.

Wo gibt es auf der längeren Distanz noch Verbesserungsbedarf?

Eigentlich war alles gut - mein Training im Monat vor dem Rennen, der 70.3-Ironman in Miami sechs Tage vor dem Ironman, und die Erholung und Ernährung in der Woche zwischen den Rennen. Aber da sind natürlich noch Dinge, die ich verbessern kann. Und die werde ich bis zu meinem nächsten Ironman auch noch verbessern!

Was sind denn Ihre Pläne für 2014?

Wie ich schon sagte, sind 70.3-Rennen mein Fokus. Deshalb ist die Weltmeisterschaft in Mont Tremblant mein Saison-Highlight. Im Vorfeld starte ich beim Ironman 70.3 Aix en Provence und in St. Pölten im Mai. Danach möchte ich mich für Kona qualifizieren, dafür habe ich mir den Ironman Klagenfurt als zweiten Ironman-Start ausgesucht. Ich hoffe, es wird so schnell wie in Panama City! Ich werde auch versuchen, mich für den Hy-Vee 5150 Triathlon zu qualifizieren, damit ich auf die Startliste für den St. Anthonys Triathlon komme. Je nach meinem Ranking in der 5150-Topliste im Juli werde ich dann wahrscheinlich noch beim 5150-Triathlon in Zürich an den Start gehen.

Ospaly_Kienle | Filip Ospaly und Sebastian Kienle beim gemeinsamen Training auf Fuerteventura.

Filip Ospaly und Sebastian Kienle beim gemeinsamen Training auf Fuerteventura.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Sie trainieren immer wieder mit Sebastian Kienle. Ist er ein guter Sparringspartner?

Dieses Jahr war mein zweites Trainingslager mit Sebi in Las Playitas auf Fuerteventura, das erste war vor zwei Jahren. Wenn ich die beiden vergleiche, muss ich zugeben, dass sich Sebi unheimlich verbessert hat, vor allem im Schwimmen. Vor zwei Jahren wäre es unmöglich gewesen, mit ihm 100er-Intervalle in 80 Sekunden zu schwimmen! Im Laufen haben wir nur vier Trainings zusammen gemacht, alles Fahrtspiele. Wir sind auf dem selben Level wie früher, also richtig gut! Auf dem Bike war ich froh, dass Sebi mir ab und zu mal ein Kompliment gemacht hat. Ich hatte manchmal aber ehrlich gesagt Probleme, seiner Pace zu folgen. Vor allem nach fünf Stunden im Sattel ...

In der aktuellen triathlon training Nr. 44 finden Sie einen großen Artikel zu Sebastian Kienles Saisonvorbereitung auf Fuerteventura.
Videos aus dem Trainingslager mit Sebastian Kienle und seinem Trainer Lubos Bilek finden Sie hier.