Ironman 70.3 Berlin: Rangeln um den Radkurs

Wegen verweigerter Genehmigungen von Behörden haben die Organisatoren des Ironman 70.3 Berlin die Radstrecke aufs frühere Flughafengelände Tempelhofer Freiheit verlegt. Ursprünglich hatte der 90-Kilometer-Kurs durch den Forst Grunewald führen sollen. Athleten befürchten nun, dass auf der extrem verwinkelten Strecke ein regelkonformes Rennen unmöglich ist. Thomas Steffens vom Veranstalter SCC Berlin sieht das anders.

Von > | 17. Mai 2013 | Aus: SZENE

5i50 Berlin 15 | Während die Amateure noch im Landeanflug sind ...

Während die Amateure noch im Landeanflug sind ...

Foto >Petko Beier / pebe-sport.de

Für die Organisation des Ironman 70.3 Berlin hat sich die World Triathlon Corporation (WTC) im vergangenen Jahr ein erfahrenes Team an Bord geholt. Nach dem "Testballon" 5i50 Triathlon Anfang Juli 2012 sollten die Organisatoren vom SCC Berlin, seit Jahren für den Berlin Marathon verantwortlich, die Premiere des Ironman 70.3 auf die Beine stellen. Doch so groß der erste Jubel über den geplanten attraktiven Streckenverlauf durch den Grunewald war - so bitter ist nun die Enttäuschung über die kurzfristige Verlegung der 90-Kilometer-Radstrecke. Nicht nur bei den 1.300 gemeldeten Athleten, sondern auch bei Thomas Steffens, Sprecher der  SCC Events GmbH. Im Interview mit tri-mag.de äußert Steffens Verständnis für den Frust der Sportler, bittet zugleich aber darum, abzuwarten, wie das neue Konzept funktioniert. In einer Email wurden die Athleten gestern über die endgültige Streckenführung informiert.

Herr Steffens, warum haben Sie die bisher veröffentlichte Radstrecke so kurzfristig noch verlegt?

Wir haben den Genehmigungsbehörden schon vor Monaten unsere erste Streckenvariante vorgelegt. Leider gestaltete sich der Entscheidungsprozess so unendlich langwierig und schwierig, wie wir das in 30 Jahren noch nie erlebt haben. Deshalb machen wir jetzt aus der Not eine Tugend und veranstalten einen Ironman 70.3, bei dem der Zuschauerzuspruch eine größere Rolle spielen soll, als bei anderen Ironman-70.3- und Ironman-Events, wo sich die Rad- und Laufstrecke meist in der Landschaft verlieren. Das Event bekommt nun eine Atmosphäre wie bei einem Radkriterium.

Die Strecke ähnelt damit nun der des 5i50 Triathlons im vergangenen Jahr. Wie wollen Sie die 1.300 gemeldeten Athleten regelkonform über diesen verwinkelten Radkurs bringen?

Wir sind ganz sicher, dass wir dahingehend keine Probleme bekommen werden. Zum einen schicken wir das Feld in mehreren Wellen auf die Strecke. Außerdem sind die Start- und Landebahnen auf der Tempelhofer Freiheit breit genug, um diese Streckenführung zu realisieren. Das Flughafen-Vorfeld  ist sehr weitläufig. Dort haben wir ausreichend Platz für die nötige Infrastruktur.

Können Sie dennoch verstehen, dass viele gemeldete Athleten sauer sind?

Bis zu einem gewissen Grad ist der Frust natürlich verständlich, vor allem bei denen, die sich vorgestellt haben, im Grunewald und in Brandenburg Radkilometer zu sammeln, wie wir das ja ursprünglich vor hatten. Andererseits sollte man erst einmal abwarten, wie dieses Konzept funktioniert. Vielleicht lassen sich die Behörden davon überzeugen lassen und genehmigen im kommenden Jahr eine Strecke, die einen Kompromiss zwischen der ursprünglichen Vorstellung und dem Jetzt-Zustand darstellt.

Sie organisieren mit dem SCC seit vielen Jahren erfolgreich den Berlin Marathon. Was ist das Problem daran, in Berlin auch einen attraktiven Triathlon zu etablieren?

Die Behörde beruft sich in ihrer Begründung auf einen Senatsbeschluss, der bei diesem Genehmigungsvorgang erstmals greift. Nämlich, dass in der Stadt zukünftig genauer darauf geachtet wird, in welchem Verhältnis Größe der Veranstaltung und notwendige Absperrmaßnahmen stehen. Kurz: Für einen Triathlon mit 2.000 oder weniger Teilnehmern werden nicht kilometerlang Straßen gesperrt. Wir sind mit großer Zuversicht in die Verhandlung mit den Behörden gegangen, schließlich stellen wir seit 1981 im bewohnten Stadtgebiet und in der Innenstadt von Berlin etliche Großveranstaltungen auf die Beine, wofür teilweise Straßensperrungen in großem Rahmen nötig sind. Wir stehen also seit vielen Jahren in ständigem Kontakt mit den Behörden und kennen die beteiligten Personen. Zudem hatten wir letztes Jahr mit dem 5i50 Triathlon keine Probleme und konnten davon ausgehen, dass uns die größere und deutlich attraktivere Variante Ironman 70.3 problemlos genehmigt werden würde.

Ist der Triathlon ein zu kleines Licht in der 3-Millionen-Metropole Berlin?

Aus Sicht der Stadt ist eine Grenze erreicht, was die Sperrung von Straßen aufgrund von Veranstaltungen betrifft. Es gibt neben unseren Events ja noch eine Vielzahl anderer Veranstaltungen im sportlichen und kulturellen Bereich. Von Fanmeilen und anderen Veranstaltungen ganz abgesehen. Ein Triathlon ist in diesem Zusammenhang was die Teilnehmerzahl angeht eine relativ kleine Größenordnung. Selbst wenn man das Image des Ironman Labels dagegen hält. Selbst ein Regierender Bürgermeister kann, auch wenn er die Idee eines Ironman in Berlin großartig findet, nichts gegen seine Genehmigungsbehörden ausrichten.