Ironman Lanzarote: Al-Sultan und Möller jagen zum Sieg

Kristin Möller und Faris Al-Sultan haben den 22. Ironman Lanzarote zum "Tag der Deutschen" gemacht. Die beiden früheren Teamkollegen düpierten ihre Konkurrenz bei böigen Winden schon auf der Radstrecke und liefen ihre Erfolge danach ganz sicher nach Hause. Im Rekordteilnehmerfeld von fast 1.800 Athleten gingen die Podestplätze nach Spanien, Estland und Holland.

Von > | 18. Mai 2013 | Aus: SZENE

RAU_4054 | Faris Al-Sultan

Faris Al-Sultan

Foto >Michael Rauschendorfer

Es gibt Geschichten, die schreibt nur der Sport: Im Januar standen die Triathlonprofis Faris Al-Sultan und Kristin Möller vor einem Scherbenhaufen. Die finanzkräftigen Scheichs hatten Al-Sultans Triathlon Team wochenlang auf die Folter gespannt und ihm schließlich doch den Geldhahn für die neue Saison abgedreht. Al-Sultan profitierte von langjährigen Partnerschaften mit Ausrüstern und konnte sich nach kurzem Schock wieder auf den Sport konzentrieren. Kristin Möller, für die der Kapitän des Abu Dhabi Triathlon Teams auch so etwas wie ein Mentor war, musste dagegen noch einmal fast von vorn anfangen. Der Ironman Lanzarote hat die beiden Einzelkämpfer nun wieder zusammengeführt. Und wie. Für Al-Sultan ist der Sieg beim schwersten europäischen Ironman schon der siebte seiner langen Profikarriere. Möller, die erst seit 2010 Ironmanprofi ist, bringt es nun schon auf drei Erfolge.

Britisches Wetter auf den Kanaren

Die meteorologischen Vorzeichen ließen kurz nach Sonnenaufgang am Strand von Puerto del Carmen nicht unbedingt auf einen "Tag der Deutschen" schließen. Aus dem wolkenverhangenen Himmel über der Insel fiel Regen auf die fast 1.800 Athleten - zum ersten Mal seit 13 Jahren. "Es regnet auf Lanzarote", twitterte der Triathlon-Olympiasieger Alistair Brownlee kurz nach dem Start und wollte damit wohl auf das typisch britische Wetter anspielen und seine britischen Landsleute zusätzlich motivieren. "Das muss ein Zeichen sein." Und tatsächlich: Die Bedingungen schienen ganz nach dem Geschmack von Stephen Bayliss und Philip Graves. Das Duo bestimmte im Wasser von Beginn an das Tempo - hatte bis zum ersten Landgang nach knapp zwei Kilometern aber neben Al-Sultan auch Bert Jammaer und zwei spanischen Profis im Schlepptau. Im 19 Grad warmen und ungewöhnlich ruhigen Atlantik musste danach nur Jammaer abreißen lassen. Nach knapp 48 Minuten führte Bayliss eine fünfköpfige Gruppe zum ersten Wechsel.

Im Rennen der Frauen nutzte die niederländische Agegrouperin Hanneke de Boer die die eher mittelmäßigen Schwimmkünste der gestarteten Profidamen aus. Sie kletterte sechs Minuten nach den ersten Männern und knapp eine vor der Spanierin Saleta Castro aus dem Wasser. Nicole nahm ein Handicap von vier Minuten mit auf die Radstrecke, Kristin Möller verpasste die 60-Minuten-Marke knapp und lag ausgangs der Wechselzone auf der Strandpromenade von Puerto del Carmen etwa sechs Minuten hinter de Boer. Eine passable Ausgangsposition für die 29-jährige gebürtige Geraerin, die danach gar nicht lange fackelte und ihren Plan, die Lücke nach dem Schwimmen möglichst schnell zu schließen, entschlossen in die Tat umsetzte.

Abteilung Attacke

Auch Faris Al-Sultan, der trotz starken Windes wie angekündigt ein Scheibenrad montiert hatte, hielt sich nicht lange mit dem Vorgeplänkel auf. Schon nach 15 Kilometern mussten sich Graves, Bayliss und der Spanier Miquel Blanchart im noch immer strömenden Regen das Bike des Deutsch-Irakers von hinten anschauen. Und die Al-Sultan-Taktik ging wieder einmal auf. Routiniert und konzentriert pedalierte der 35-Jährige über den Kurs: Vorbei an der Lagune von El Golfo, die Feuerberge von Timanfaya hinauf, entlang der Traumstrände Famaras bis nach Los Nieves, zum höchsten Punkt der mit mehr als 2.500 Höhenmetern schwersten Ironman-Radstrecke in Europa. Dort mussten die Zuschauer schon fast zehn Minuten auf Al-Sultans Verfolger warten. Weder Graves, der dieses Mal nicht zur Kamikaze-Taktik griff, noch Bayliss, Jammaer oder Blanchart wollten - nein, konnten, das Loch zum Münchner nicht verkleinern.

Etwas überraschend, vielleicht auch ein bisschen unfreiwillig, zückte Kristin Möller auf der Radstrecke die gleiche taktische Karte wie ihr früherer Teamkapitän. Ausspielen konnte sie sie aber erst etwas später. Erst in den Feuerbergen von Timanfaya stellte sie die bis dato Führenden. Und ward nicht mehr gesehen. Mit dem offenbar perfekt abgestimmten neuen Material stiefelte sie durch die Berge und meisterte selbst die schwierigen und regennassen Abfahrten, vor denen sie vor dem Rennen noch so großen Respekt hatte. Am Mirador del Rio - bei Kilometer 120 - hatte ihr Vorsprung auf die bedauernswerte Konkurrenz die 10-Minuten-Marke schon überschritten.

Blanchart ärgert den Sultan

Im Rennen der Männer jagte Faris Al-Sultan da schon mit kräftigem Rückenwind zurück Richtung Puerto del Carmen. Dahinter weiter in respektvollem Abstand von knapp zehn Minuten: der Brite Philip Graves und Miquel Blanchart aus Spanien, der Langdistanz-Europameister von 2011. Und genau der bereitete Al-Sultan gleich auf den ersten Kilometern der Laufstrecke unerwartete Kopfzerbrechen. Schnell zwackte der 29-jährige wild entschlossene Katalane zweieinhalb Minuten von seinem Rückstand ab, lief jeden der ersten 15 Kilometer konstant mehr als zehn Sekunden schneller als sein deutscher Gegner. 2:45 Stunden habe der Spanier drauf, war aus Kreisen seiner euphorischen Betreuer zu hören. Nur etwas mehr als sechs Minuten waren nach 21 Kilometern noch von Al-Sultans Vorsprung übrig. Das Duell um den Sieg hieß Spanien gegen Deutschland: und so klar wie die Champions-League-Halbfinals im Fußball würde es hier nicht abgehen - so viel war zu diesem Zeitpunkt klar.

Möller macht's

Wenig Lust auf ein spannendes Finale hatte Kristin Möller. Um 13 Minuten distanzierte sie die inzwischen nach vorn gefahrene Niederländerin Heleen Bij de Vaate bis zum zweiten Wechsel. Auch die Kanadierin Tara Norton und Bella Bayliss deklassierte sie mit ihrem Radsplit von 5:31:47 Stunden, natürlich der mit Abstand schnellste des Tages. Wie aufgedreht spurtete Möller danach auf die flache, aber extrem windanfällige Marathonstrecke. 3:46 Minuten stoppten die Zeitmess-Matten für jeden der ersten sechs Kilometer. Mehr als nur eine Vorentscheidung für eine der besten Läuferinnen im Ironmanzirkus.

Vier gewinnt: Al-Sultan souverän

Von der war Faris Al-Sultan bei Halbzeit des Marathons noch ein Stück entfernt. Doch binnen fünf Kilometern neigte sich die Waage wieder in seine Richtung. Überraschungsmann Blanchart explodierte, konnte sein hohes Anfangstempo nicht mehr halten und büßte Meter für Meter seines hart erkämpften Bodens wieder ein. Eingangs der letzten Laufrunde hatte Al-Sultan dann den alten Abstand wieder hergestellt. "Keiner der konkurrenzfähig vom Rad steigt, wird hier noch einen Wahnsinns-Marathon laufen", hatte der Ironmanweltmeister von 2005 vor dem Rennen vorhergesagt. Und er sollte recht behalten. Auch sein in Südafrika lädierter Muskel auf der Beinrückseite hielt der Belastung stand. Nach Regensburg (2010), Frankfurt (2011) und Klagenfurt (2012) schaffte der 35-Jährige auch im vierten Jahr in Folge einen Sieg in der Ironmanserie - und das an der Stätte seines Langdistanzdebüts vor 16 Jahren. Ein ganz besonderer Erfolg. "Es war sehr sehr schmerzhaft", gestand er im Ziel. Er habe keine Ahnung, wie Timo Bracht das in 8:30 Stunden geschafft hat, zollte er dem Sieger von 2011 danach noch großen Respekt. Er selbst brauchte zwölf Minuten länger. Blanchart, der zur Trainingsgruppe von Eneko Llanos gehört, biss sich vor seinem Heimpublikum auf den zweiten Platz. Das Duell um den dritten Platz entschied der Este Kirill Kotsegarov in einem packenden Schlussspurt gegen Graves für sich.

22. Ironman Lanzarote | Männer

  1. Mai 2013, Puerto del Carmen/Lanzarote (ESP)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Faris Al-Sultan

GER

8:42:40

0:47:48

4:53:03

2:55:03

2

Miquel Blanchart

ESP

8:52:08

0:47:55

5:04:03

2:54:20

3

Kirill Kotsegarov

EST

9:04:09

0:51:42

5:06:34

2:58:58

4

Philip Graves

GBR

9:04:17

0:47:50

5:02:35

3:07:24

5

Bert Jammaer

BEL

9:06:48

0:50:25

5:19:09

2:50:52

6

Michael Wetzel

GER

9:19:16

0:53:46

5:15:15

3:04:02

7

Xavier Diepart

BEL

9:21:59

0:56:21

5:20:04

2:58:37

8

Klemen Rojnik

SLO

9:25:05

0:56:32

5:25:35

2:56:15

9

Diego Paredes

ESP

9:28:26

0:54:24

5:19:26

3:07:06

10

Alvaro Velasquez

ESP

9:31:13

0:55:56

5:16:45

3:11:07

Swipe me

Nicht nur leichtfüßiger, sondern auch mit einem größeren Vorsprung als Al-Sultan schwebte Kristin Möller nach einem überragenden Rennen durch die Zielgasse. Bij de Vaate und Castro holten sich in gebührendem Abstand von mehr als 30 Minuten die Plätze auf dem Podium.

22. Ironman Lanzarote | Frauen

  1. Mai 2013, Puerto del Carmen/Lanzarote (ESP)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Kristin Möller

GER

9:37:34

1:00:03

5:31:47

2:58:37

2

Heleen Bij de Vaate

NED

10:09:31

1:05:41

5:39:08

3:17:28

3

Saleta Castro

ESP

10:14:27

0:54:46

5:55:26

3:16:37

4

Hanneke de Boer

NED

10:28:45

0:54:06

6:03:57

3:23:31

5

Joyce Wolfe

IRL

10:31:45

1:00:23

6:02:54

3:20:24

6

Barbara Schwarz

SUI

10:51:28

1:16:13

6:01:33

3:24:47

7

Zsuzsanna Harsanyi

HUN

10:59:51

1:02:37

6:18:18

3:29:31

8

Line Foss

NOR

11:05:41

1:15:10

6:01:24

3:37:18

9

Lydia Sommerfeld

GER

11:12:12

1:07:54

6:18:22

3:35:58

10

Claire Shea-Simonds

GBR

11:12:41

1:00:27

6:30:31

3:32:16

Swipe me