Ironman unter Druck: Profifrauen wollen Gleichberechtigung

In einem Offenen Brief an die Initiative "Women for Tri" haben sich knapp 100 Profiathleten, Trainer und Funktionäre dafür ausgesprochen, das Profistartfeld der Frauen beim Ironman Hawaii 2015 an das der Männer anzugleichen. Zuletzt konnten sich 50 Männer, aber nur 35 Frauen über das Kona Points Ranking für die Ironman World Championship auf Big Island qualifizieren.

Von > | 19. Februar 2015 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 2013 - Schwimmstart Frauen | Ironman Hawaii 2013 - Schwimmstart Frauen

Ironman Hawaii 2013 - Schwimmstart Frauen

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Die Initiative "Women for Tri" hatte sich sich erst im Dezember 2014 unter Federführung des privaten Triathlonveranstalters Ironman und der US-Fitnessstudio-Kette "Life Time" gegründet, um Wege zu suchen, wie mehr Frauen vom Triathlon begeistert werden können und der Frauenanteil bei den weltweiten Triathlonevents gesteigert werden kann. Nun haben die Initiatoren einen Offenen - von knapp 100 Athleten, Trainern und Funktionären unterschriebenen - Brief auf dem Tisch. Neben den Ironmanweltmeisterinnen Chrissie Wellington und Leanda Cave fordern darin auch Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig (SUI), die deutschen Profis Julia Gajer, Sonja Tajsich und Mareen Hufe sowie Erfolgscoach Brett Sutton, dass das Starterfeld der Frauen-Elite beim Ironman Hawaii schon 2015 genauso groß sein muss wie das der Männer. Die von Ironman angeführten Gründe für das 15 Athleten kleinere Frauenfeld widerspreche dem zentralen Claim des Unternehmens "Anything is Possible", zu Deutsch "Alles ist möglich". Die Angleichung der Profi-Startfeldgröße bei den Ironman- und Ironman-70.3-Weltmeisterschaften müsse jetzt eine der Hauptaufgaben von "Women for Tri" sein und ganz oben auf deren Tagesordnung stehen, appellieren die Unterzeichner des Offenen Briefs.

Chancengleichheit: Ja, nein, vielleicht

Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte sich Ironman-Geschäftsführer Andrew Messick in Boulder (USA) mit einigen Profifrauen getroffen, um dieses Thema zu diskutieren. Damals bot er an, das Kontingent schon 2014 von 35 auf 50 Profistartplätze für Frauen aufzustocken. In einer Mitteilung an die Profis wenige Wochen vor dem Ironman Hawaii nahm Messick dieses Angebot "nach eingehender Prüfung" dann wieder zurück. Im ersten Meeting von "Women for Tri" im Ironman-Hauptquartier in Tampa (USA) soll der Ironmanchef Anfang Februar nun noch einmal begründet haben, warum das Ungleichgewicht der Kona-Starterfelder aus seiner Sicht gerechtfertigt ist. Das Frauenfeld sei aktuell in der Breite nicht stark genug, um 50 Slots zu rechtfertigen, so Messick. Außerdem müsste man die 15 zusätzlichen Startplätze dann an anderer Stelle - wahrscheinlich bei den Männern - streichen. Und bei denen, so Messick, seien 50 Athleten in der Lage, beim Showdown auf Big Island eine wichtige Rolle zu spielen. Die erfahrene Profiathletin Hillary Biscay, ebenfalls Mitglied im "Women for Tri"-Board, sieht das naturgemäß ein wenig anders. "Das ist schlicht und einfach eine Sache der Chancengleichheit", findet die Ehefrau von Maik Twelsiek und verweist unter anderem darauf, dass auch bei den Preisgeldern kein Unterschied zwischen Mann und Frau gemacht wird.

Ironman Hawaii | Global Player: Unter den 88 für Hawaii qualifizierten Profis sind in diesem Jahr 47 Europäer.

Global Player: Unter den 88 für Hawaii qualifizierten Profis sind in diesem Jahr 47 Europäer.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Nächste Schritte

Noch in dieser Woche will "Women for Tri" das weitere Vorgehen festlegen. "Wir hoffen, dass Sie beim nächsten Treffen ernsthaft darüber diskutieren, wie der Triathlon für Frauen attraktiver gemacht werden kann", heißt es dazu in dem Offenen Brief. Des Weiteren verlangen die Unterzeichner, sich mit den "aktuell diskriminierenden Qualifikationsregeln" von Ironman auseinanderzusetzen und dabei zu berücksichtigen, welche Vorteile es haben könnte, Profifrauen die gleiche Hawaiichance zu gewähren wie ihren männlichen Kollegen. Mindestens ein konkreter Vorschlag mit dem Arbeitstitel "50 Slots für Frauen" liegt offenbar schon auf dem Tisch des "Women for Tri"-Boards. Dieser soll der Ironmanführung demnächst unterbreitet werden.