Ironman: Windschatten für Agegrouper?

Ab 2015 könnte auf den Langdistanzen unter der Dachmarke Ironman ein neuer Wind wehen - beziehungsweise gar kein Wind mehr, zumindest für die Amateure. Denn die World Triathlon Corporation (WTC) will das Windschattenfahren ab 2015 zwar nicht freigeben, möchte das sogenannte Drafting aber nicht mehr kontrollieren und ahnden.

Von > | 1. April 2014 | Aus: SZENE

Drafting Kona | Solche Szenen könnten in Zukunft \"normal\" werden, wenn sich Ironman die Regeländerung tatsächlich durchsetzt.

Solche Szenen könnten in Zukunft "normal" werden, wenn sich Ironman die Regeländerung tatsächlich durchsetzt.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Im Interview in der "triathlon Nr. 119" hatten der Ironman-Europachef Thomas Dieckhoff, der neu installierte Geschäftsführer der Ironman Germany GmbH Björn Steinmetz und Pressemann Stefan Jäger bereits angekündigt, auf die Veränderungen des Triathlonmarkts reagieren zu wollen. Das hat die Spitze der Marke Ironman nun offenbar getan. Eine der gefundenen Lösungen dürfte dabei für viel Diskussionsstoff im Triathlonsport sorgen.

Keine Strafen mehr bei großen Rennen

Ab dem Jahr 2015 will man nämlich auf den Ironman- und Ironman-70.3-Strecken das Windschattenfahren bei den Altersklassenathleten nicht mehr wie bisher aufwändig kontrollieren und bei Regelverstößen mit Zeitstrafen ahnden. Dieckhoff: "Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass immer weniger Sportler sich fair an die Regeln halten wollen und sich ohnehin Vorteile verschaffen, egal ob wir das kontrollieren oder nicht." In der Tat entbrannten nach vielen Rennen immer wieder teils heftige Diskussionen um das verbotene Windschattenfahren.

"Wir müssen darauf reagieren", so der in diesem Jahr vom Mitbewerber Challenge zu Ironman gewechselte Kraichgau-Veranstalter Björn Steinmetz. "Bei der gestiegenen Leistungsdichte heutzutage kann man große Felder auf dem Rad kaum noch kontrollieren und wieder auseinanderziehen." Natürlich könne man die Strecken entsprechend anpassen oder weniger Startplätze für die Rennen vergeben. Aber: "Wir möchten weiterhin attraktive Kurse anbieten, die auch für die Zuschauer interessant sind und nicht auf eine große Runde auf der Autobahn ausweichen müssen", unterstreicht Stefan Jäger die Entscheidung. Dieckhof weiß, dass diese nicht überall auf Gegenliebe stoßen wird, sieht den neuen Weg aber als einzige Möglichkeit: "Ich selbst bin ein Verfechter fairen Sports in jeder Hinsicht, aber was sollen wir machen? Weniger Startplätze pro Rennen anzubieten ist auch keine gute Lösung. Unsere Events sind ohnehin überrannt, die Leute wollen bei uns starten und sollen diese Gelegenheit auch bekommen." Zudem würden immer wieder die hohen Startgelder bei Ironman-Rennen bemängelt. Die "hohe fünfstellige Summe", die man für Kampfrichter, Motorradfahrer und ihre Ausrüstung pro Jahr allein in Deutschland ausgeben müsse, solle nun dafür genutzt werden, diese Gelder trotz gestiegener Kosten auf vertretbarem Niveau zu halten.

Profis weiter auf Abstand

Deshalb habe man sich dazu entschieden, ab 2015 das Windschattenfahren nur noch bei den Profis zu überwachen und zu ahnden, wo es um Preisgelder und Punkte im Kona Pro Ranking geht. Eine Windschattenfreigabe für die Amateure soll die neue Regelung aber laut Steinmetz nicht sein: "Den Agegroupern legen wir weiterhin nahe, ihr Rennen allein und fair zu bestreiten, wir werden das aber nicht mehr wie bisher kontrollieren können."