Julia Gajer gegen die Schweizergarde

Wenn am Sonntag ab 6.42 Uhr die Profifrauen um die Ironman-EM-Krone kämpfen, ist alles offen: Keine der Platzierten aus dem Vorjahr wird am Start sein. Andererseits ist aber auch alles klar. Denn die Schweizerin Daniela Ryf ist erstmals in Frankfurt dabei.

Von > | 1. Juli 2015 | Aus: SZENE

Julia Gajer auf Hawaii 2014 | Sie schaffte es auf Anhieb in die Hawaii-Top-Ten. Aber da geht noch mehr, meint Julia Gajer.

Sie schaffte es auf Anhieb in die Hawaii-Top-Ten. Aber da geht noch mehr, meint Julia Gajer.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Alles auf Daniela Ryf! Gäbe es beim Ironman Germany in Frankfurt ein Wettbüro, dann wäre man mit dieser Siegwette mit großer Wahrscheinlichkeit auf der sicheren Seite. Die 28-jährige Schweizerin ist die absolute Topfavoritin auf den EM-Titel. Wo sie antritt, gewinnt sie, das beweist sie seit Monaten immer wieder. Die Siegesserie riss nur ganz kurz ab, als Ryf nach ihrem Triumph bei der Ironman-70.3-WM bei ihrem ersten Hawaii-Start starke Zweite wurde. Danach gab es kein Halten mehr: Sieg bei der Challenge Dubai und auf Fuerteventura, dann beim Ironman 70.3 Mallorca. Die Siegprämie bei ihrem Heimrennen in Rapperswil-Jona nahm sie nebenbei auch noch mit, nun ist sie bereit für ihre erst vierte Langdistanz.

Daniela Ryf - Ironman 70.3 Mallorca | Ausgeglichen und siegverwöhnt: Wer in Frankfurt gewinnen will, bekommt es mit Daniela Ryf zu tun.

Ausgeglichen und siegverwöhnt: Wer in Frankfurt gewinnen will, bekommt es mit Daniela Ryf zu tun.

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Steffen unter Druck

Mit die stärkste Gegnerin Ryfs kommt ebenfalls aus der Schweiz: Caroline Steffen. Mit ihr ist in Frankfurt eigentlich immer zu rechnen, das weiß man spätestens seit ihren Siegen 2011 und 2012. Vor vier Jahren stellte Steffen auf dem Radkurs durch den Wetteraukreis sogar einen neuen Rekord auf (den Natascha Badmann im vergangenen Jahr brach); sie kennt die Strecke wie ihre Trikottasche. Und weiß genau, dass ein Sieg am Sonntag, beim wohl prestigeträchtigsten Rennen für europäische Langdistanztriathleten, jetzt genau richtig käme: Zuletzt ist es ein wenig ruhiger geworden um Caroline Steffen. Auf einen für sie enttäuschenden fünften Platz beim Ironman Hawaii folgten Platz sieben bei der Challenge Bahrain und Rang drei beim Ironman in Melbourne, den sie eigentlich schon zweimal gewonnen hat. Immerhin zwei Siege steht auf Steffens Habenseite der laufenden Saison: beim ersten Ironman 70.3 Vietnam im Mai und beim Ironman 70.3 Cairns im Juni. Keine allzu schlechte Bilanz, aber dennoch: Es wird Zeit, dass die 36-Jährige mal wieder ein großes Rennen gewinnt und sich die Zusammenarbeit mit Coach Chris McCormack endlich auszahlt.

Gajer fit wie nie

Julia Gajer dagegen präsentierte sich zuletzt in aufsteigender Form – und sie ist wohl die einzige, die einen Schweizer Sieg am Sonntag verhindern könnte. Seit ihrem starken sechsten Platz beim Ironman Hawaii und dem Trainerwechsel kurz danach geht es für die 32-Jährige stetig bergauf: Auf zwei zweite Plätze bei den Ironman-70.3-Rennen auf Mallorca und im Kraichgau, wo Gajer auch Deutsche Meisterin wurde, folgte in Luxemburg Ende Juni der erste Saisonsieg. Gajer hat über den Winter mit Coach Wolfram Bott ihr Training verändert, und man sieht es ihr an: Die promovierte Apothekerin ist so fit wie nie zuvor. Um nach Sandra Wallenhorsts Sieg die erste deutsche Ironman-Europameisterin seit 2010 zu werden, reicht es allerdings nicht, erst beim Marathon zuzuschlagen: Ryf und Steffen werden das Rennen schon auf den 3,8 Schwimmkilometern schnell machen und sich dann auf dem Rad duellieren.

Jagd auf Kona-Punkte

Den Rennverlauf von Beginn an mitbestimmen könnten noch die Dänin Michelle Vesterby, zuletzt Fünfte beim Ironman 70.3 Mallorca und auf Punktejagd für die Kona-Quali, und Tine Deckers aus Belgien, die bisher viermal den Ironman France gewann, zuletzt mit neuem Streckenrekord. Kristin Möller, deren Stärke mit Abstand das Laufen ist, muss das Feld von hinten aufrollen, um am Ende vorn zu landen. Für die Deutsche ist eine Top-Fünf-Platzierung realistisch, mit viel Glück das Podium. Neben Möller gehen fünf weitere deutsche Frauen im Profirennen auf Punktejagd: Sonja Tajsich und Nicole Woysch, Annett Kamenz und Astrid Stienen sowie Katharina Grohmann. Wer auf sie wettet, setzt auf Außenseiter - aber gerade dann springt ja beim Wetten bekanntlich das Meiste raus ...